Genetische Flaschenhälse

20. Februar 2008, 20:00
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Neue Studien zeichnen mit Genomanalysen die Ausbreitung des Menschen nach - genetische Vielfalt nimmt mit zunehmender Distanz zu Afrika ab

London - Das britische Wissenschaftsmagazin "Nature" wählte die nächste Generation des Gen-Sequenzierens vor kurzem zur "Methode des Jahres". Für das US-Konkurrenzblatt "Science" war die enorme Beschleunigung dieser Verfahren gar der wissenschaftliche Durchbruch 2007.

Das schlägt längst auch auf die Inhalte der in den beiden führenden Wissenschaftsmagazinen publizierten Artikel durch - nicht immer mit gerade überraschenden Neuigkeiten, aber halt "genomisch abgesichert".

In der neuen Ausgabe von "Nature" (Bd. 451, S. 998) können Forscher rund um Noah Rosenberg von der University of Michigan anhand von genetischen Vergleichen von 485 Menschen aus aller Welt nachzeichnen, dass der Mensch - surprise, surprise - die Erde vom Süden Afrikas aus besiedelt hat. Und zwar in der Reihenfolge Afrika, Naher Osten, Europa, Asien, pazifische Inseln und schließlich Amerika. Auch diese Resultate sind nicht eben ganz neu.

Da immer nur wenige Menschen weiterwanderten, begann die Besiedlung einer neuen Region jeweils nur mit einer relativ kleinen genetischen Ausstattung - Forscher sprechen dabei von einem genetischen Flaschenhals. Daher nimmt die genetische Vielfalt mit zunehmender Distanz zu Afrika insgesamt ab - was eben Rückschlüsse auf die Herkunft zulässt.

Genetische Megadatenbank

Rosenberg und seine Kollegen hatten für ihre Untersuchung Vertreter von 29 Gruppen aus fünf Kontinenten einbezogen. Statt selbst um die Welt zu reisen, bedienten sie sich einer Sammlung genetischen Materials des Human Genome Diversity Project (HGDP), einer Sammlung biologischen Materials von mehr als 1000 Menschen.

Eine zweite Studie in "Nature" (S. 994) untersucht mit ähnlichen Techniken die genetischen Unterschiede zwischen Amerikanern europäischer und Amerikanern afrikanischer Herkunft. Dabei zeigte sich, dass die von Europäern stammenden Amerikaner eine geringere genetische Variation haben als Amerikaner mit afrikanischen Vorfahren - und mehr potenziell schädliche Mutationen. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2008)

  • Diese Karte soll zeigen, wo die genetische Varianz am größten und "buntesten" ist: Nämlich in Afrika, wo wir alle herkommen. In Europa (und den Amerikas) ist die Varianz sehr viel geringer.
    illu: martin soave

    Diese Karte soll zeigen, wo die genetische Varianz am größten und "buntesten" ist: Nämlich in Afrika, wo wir alle herkommen. In Europa (und den Amerikas) ist die Varianz sehr viel geringer.

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