Serbische Reaktionen in Wien: "Wo Elefanten Rugby spielen"

22. Februar 2008, 19:41
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Botschafter wird nach Belgrad zurückgerufen - Serbisches Kulturzentrum: "Enttäuschend, übereilt" - Protest-Demo am Sonntag

Wien – Große Hektik herrscht dieser Tage in der serbischen Botschaft in Wien. Pressesprecher Goran Bradic hatte nur Zeit für ein Telefongespräch. Außenminister Vuk Jeremic habe ohnehin schon alles gesagt, in seiner Rede vor dem Ständigen Rat der OSZE am Dienstag. Botschafter Dragan Velikic werde demnächst zu Konsultationen nach Belgrad zurückgerufen, bestätigte Bradic, die diplomatischen Beziehungen zu Österreich würden aber nicht abgebrochen, lediglich überprüft.

Milorad Mateovic vom Serbischen Kulturzentrum bedauert die Haltung der österreichischen Regierung zur Kosovo-Frage. „Für die etwa 300.000 Serben in Österreich, die großteils gut integriert sind, ist es enttäuschend zu sehen, wie übereilt Österreich agiert.“ Man könne nicht nachvollziehen, warum Österreich bei der Anerkennung des Kosovo bei den Ersten dabei sein wolle.

Protest am Sonntag

Serbische Kulturvereine werden am Sonntag ab 13 Uhr eine Protestversammlung auf dem Wiener Heldenplatz abhalten, „eine friedliche Kundgebung für Recht und Gerechtigkeit, zu der hoffentlich auch viele nichtserbische Wiener kommen“, so Darko Miloradovic vom Dachverband serbischer Vereine. Die Kundgebung soll die Solidarität mit den Serben im Kosovo zum Ausdruck bringen.

Christian Zulus von der Österreichisch-Serbischen Vereinigung führt die Anerkennung des Kosovo auf gutes Lobbying der Albaner zurück sowie auf den Pragmatismus der USA und der EU. Ein serbischer Diplomat habe zu ihm in Anspielung auf die Rolle der Großmächte am Balkan einmal gesagt: „Wo Elefanten Rugby spielen, kann ein Mensch nicht mitspielen.“ (Mascha Dabic, DER STANDARD, Printausgabe 21.2.2008)

  • Mehrdeutige Symbolik: Serbiens Wiener Botschaft ist eingerüstet, ein Plakat verweist auf Wirtschaftsinteressen.
    foto: fischer

    Mehrdeutige Symbolik: Serbiens Wiener Botschaft ist eingerüstet, ein Plakat verweist auf Wirtschaftsinteressen.

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