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Wenn sich die Gegner eines unabhängigen Kosovo – allen voran Serbien und Russland – mit guten Gründen auf das Völkerrecht, die Unteilbarkeit des Staates und die Unverletzlichkeit der Grenzen berufen, können Befürworter des neuen Staates Kosovo die Moral als politische Kategorie ins Feld führen – nicht als Alternative, sondern als Abwägung. Serbien hat mit seiner jahrzehntelangen Unterdrückungs- und Apartheidpolitik das moralische Recht auf diesen Landesteil verloren.
Und das geht nicht erst auf die UNO-Resolution 1244 von Juni 1999 zurück, sondern auf den Verfassungsbruch, die Liquidation des Autonomiestatus der Provinz durch Miloševic 1989. Miloševic löste das Parlament auf, entließ die Parteiführung, setzte die gesamte albanische Intelligenz und alle Staatsbediensteten auf die Straße: Arbeiter in den verstaatlichten Betrieben, Professoren, Lehrer, medizinisches Personal und Polizisten. Mit einem Schlag waren rund 80 Prozent der albanischen Arbeitnehmer ihrer Lebensgrundlage beraubt.
Von da an waren die Albaner von allen serbischen Wahlen ausgeschlossen, oder sie boykottierten sie – bis zu den letzten im Dezember/Jänner/Februar. Das Miloševic-Regime verfolgte in den 1990er-Jahren eine Politik der sogenannten „Drittel-Lösung“: ein Drittel vertreiben, ein Drittel liquidieren (als Terroristen), ein Drittel serbisieren, getreu dem Rezept des kroatischen Ustascha-Regimes zwischen 1941 und 1944 gegenüber den Serben. Von 1998 an setzte es diesen Plan in großem Maßstab in die Wirklichkeit um, bis das dreimonatige Nato-Bombardement die Serben schließlich zum militärischen Abzug zwang.
Unverhüllter Rassismus
Das sind die wohlbekannten Tatsachen. Wenn man eine Schicht tiefer geht in das Verhältnis der Nationen zueinander, kann man in Serbien einen unverhüllten, tief verwurzelten Rassismus gegenüber den Albanern feststellen. Das Miloševic-Regime hat ihn zur Staatsideologie erhoben, und es gab keine Partei, die ihm nicht gefolgt wäre. Die Sozialisten von Miloševic haben – ebenso wenig wie die Radikalen von Vojislav Šešelj, ebenso wenig wie die Serbische Erneuerungsbewegung von Vuk Draskovic, die Demokratische Partei von Zoran Djindjic oder die Nationaldemokraten des jetzigen Premiers Koštunica – zu keiner Zeit ein Programm zur Lösung der Kosovo-Frage ausgearbeitet, zu keiner Zeit mit ihnen auf Augenhöhe über irgendeine Frage verhandelt oder die wirtschaftliche Entwicklung gefördert; der Kosovo war ausschließlich Gegenstand der Unterdrückungspolitik und Mythenbildung.
Wenn einige wenige Menschenrechtsorganisationen wie das Belgrader Helsinki-Komitee, die Soros-Foundation oder Einzelpersönlichkeiten sich für einen demokratischen Dialog mit den Albanern einsetzten, wurden sie öffentlich als Verräter und Feinde gebrandmarkt.
Albaner als Menschen und Bürger wahrzunehmen, war weder bei den Eliten noch beim einfachen Volk im Bereich des Möglichen. Es beginnt schon mit der Sprache, der Bezeichnung für diese Volksgruppe: Kaum jemals konnte man von den „Albanci“ hören oder lesen, sondern es war und ist bis heute gang und gäbe, von den „shiptari“ zu sprechen. Auch wenn sich die Albaner selbst Skipetaren nennen, ist es das erniedrigendste Schimpfwort, von einem Nicht-Albaner als shiptar bezeichnet zu werden, nicht unähnlich einem „Saujud“.
Sprache als Krieg
Die Sprache als Kriegserklärung, und das nicht nur am Wirtshaustisch, sondern im Dauerbeschuss aus dem Parlament und den Medien. Den „shiptari“ schreibt man in Serbien grundsätzlich die schlechtesten Eigenschaften zu, politisch wie menschlich, wobei das Argument ihrer großen Fruchtbarkeit, mit der sie sich angeblich zur Mehrheit im Kosovo gemacht hätten, eines der gewichtigsten und rassistischsten ist.
Wo waren die Albaner in der serbischen Öffentlichkeit? Wenn nicht offen als Untermenschen beschimpft, so zumindest absolut ignoriert. Ihre Politiker, Intellektuellen, Künstler, Schriftsteller, Sänger, Fußballer, TV- und Filmstars, Schönheitsköniginnen? Sie kamen in der Gesellschaft nicht vor. Sie waren weniger vorhanden als Straßenköter. Nur die Gefängnisse waren überproportional voll mit Albanern, und im Bosnienkrieg traf man sie in der vordersten Feuerlinie oder als „mine-sweeper“, so ein serbischer „Witz“.
Im Tito-Jugoslawien waren sie noch als Goldschmiede, Eisverkäufer oder Hausdiener in Gesellschaftsnischen wahrnehmbar. Mit Miloševics Machtergreifung 1985 verschwanden sie als Menschen vollständig aus dem öffentlichen Bild, nur um als Separatisten, Irredentisten, Terroristen, Nonnenschänder, Kindervergewaltiger, Brunnenvergifter und Kirchenbrandschatzer aufzutauchen. Das sind sie bis heute geblieben und jetzt zusätzlich auch noch „unmoralische Landräuber“ geworden, wie sie Premier Koštunica am Sonntag bezeichnete.
Besiegte und Beleidigte
Es gab noch Ende der 70er- bis in die 80-er Jahre, nach der letzten Tito-Verfassung, die den Albanern eine so weitreichende Autonomie garantierte, dass sie dem Republiks-Status gleichkam, eine Zeit, in der es nicht unmöglich gewesen wäre, die Albaner freiwillig näher an Belgrad zu binden. Die kommunistische Führung war zwar reformfreundlich, aber nicht Serben-feindlich. Aber jede Bewegung der Albaner wurde in kommunistischer Manier abwechselnd als profaschistisch, koninformistisch, irredentistisch, konterrevolutionär oder sezessionistisch verunglimpft und brutal niedergeschlagen.
Mit Miloševic setzte eine beispiellose Hetze auf die albanische Führung ein – auf die Presse, die Intellektuellen, die Schriftsteller und Studenten. Das kurze Zeitfenster, als die Albaner in Jugoslawien ihre Heimstätte auf der Basis der Gleichberechtigung gefunden zu haben glaubten, hat Serbien mutwillig zugeschlagen und eine ganze Volksgruppe als Paria verstoßen. Als ihre Autonomie aufgehoben wurde und das alte Jugoslawien politisch abdankte, sahen sich die Albaner nur noch als Besiegte und Beleidigte in einem nationalistisch aufgeputschten Serbien, in dem für sie kein Platz war.
Wenn der Kosovo nach vielen Mühen und unter internationaler Unterstützung in einem vereinten Europa zu einem wirklichen Staat wird, kann man in ihm auch eine Schutzzone sehen, wie sie andere Nationen nach schwerer Verfolgung auch schon zugestanden bekommen haben. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.2.2008)
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Und danke an den Standard für dessen Veröffentlichung! Bitte weiter so, man darf es nicht durchgehen lassen, dass Serbien sich seiner geschichtlichen Verantwortung und einer Aufarbeitung seiner Vergangenheit entzieht.
Natürlich ging es den Albaner immer schlechter damals, aber das hat mit der Wirtschafts Politik des IMF und der Weltbank viel zu tun, welche die Schliessung der Staatsbetriebe forderte. Überall wurden in Jugoslawien Millionen entlassen und nicht nur im Kosovo!Das diese Lügen bis heute immer noch wiederholt werden ist schon erstaunlich!
Ich war im übrigen damals persönlich in Albanien und musste mit der Fähre Durres - Ancona fahren, weil die ADRIATICA damals den Betrieb wegen zu geringer Nachfrage Durres-Triest einstellte!
Ende Februar 1999 waren absolut alle Fähren nach Italien - Durres leer. Keine Verfolgten Kosovaren http://www.friedenskooperative.de/themen/kosohg07.htm
Solche Kommentare verfolgen das Ziel, ein Volk zu dämonisieren, damit man einen Völkerrechtsbruch rechtfertigen kann. Aliquod könnte man bei albanischen Hetzblättern wie Bota Sot genau das gleiche finden. Dass ein Blatt wie derstandard am 20.2.08 solche Hetzparolen übernimmt erkläre ich mir auf Intervention der österr. Regierung, damit diese ihr rechtwidrges Vorgehen der Öffentlichkeit verkaufen kann. Da meiner Meinung nach eher mit einem Misserfolg der EULEX zu rechnen ist, fürchte ich, dass jedes Mal - wenn die Regierungs-Spitze Mist baut - genau solche - ich möchte fast sagen - überkommene Feindbilder beschworen werden um von der Mangelhaftigkeit bei "falschen" Entscheidungen abzulenken. Ich bin schon auf weitere solcher Artikel gespannt
statt die Schuld immer bei den 'anderen' zu suchen jetzt endlich mal beginnen zu lernen und mal bei sich selbst beginnen mit dem kritisieren.
Man hoert nach nicht gerade viele Stimmen in Serbien die sagen man sollte endlich einen anderen Weg beschreiten.....
Im Kosovo sind sich Serben und Bosniaken nicht mehr so nahe. Denn Laut Wiki sind die Bosniaken seit 17.2.2008 plötzlich von der Ethnien-Karte verschwunden.
Kündigt sich da ein Srebrenica an?
Diesmal sinds aber nicht die Serben. Und es sind nicht die Holländer, die wegschauen. Diesmal sinds die Albaner. Und die Österreicher üben sich in ihrer Kosovo-Lieblingstätigkeit: lächeln.
der artikel ist an einseitigkeit, feindlichkeit, verfälschungen, unwissenheit (absicht?) nicht zu überbieten!
berichtet die dame jetzt im auftrag von pristina?
frage an Frau Seyr:
"wenn die Albaner von den wahlen ausgeschlossen wurden, wieso können sie dann selbige boykottieren?"
nochmals möchte ich darauf hinweisen, daß ich dem konflikt neutral gegenüberstehe, beide seiten verstehen kann, auch muß nicht jeder artikel in einer zeitung neutral sein, aber diese frage drängt sich mir halt auf. (= auch eine frage der glaubwürdigkeit des berichts, ich bin an glaubwürdigen artikeln beider sichtweisen interessiert, weil ich mir ein objektives bild machen will).
Seit wann gilt moralisches Recht? War die Bombardierung Belgrads moralisch? Die Moral bestimmt der, der die militärische Macht besitzt und sonst niemand. Alles andere sind westliche Märchen, die tagtäglich den geneigten Lesern erzählt werden.
Europa hat im Schlepptau Amerikas total versagt.
Sehr geehrte Frau Seyr!
Kommen Sie mir bitte nicht mit "1/3", "Hufeisen" oder sonstigen Plänen. Wie viele Serben wurden in den Haag auf Grund dieser Vorwürfe verurteilt? Oder sind 9 Jahre für UNMIK und KFOR zu kurz, um Beweise zu finden? Wenn die Serben mit ihren Minderheiten so umgehen, wie konnten sich dann andere zahlreiche Minderheiten in Serbien erhalten? Vergleichen Sie mal mit Slowenen in Kärten: Wie viele Slowenen gab es in Kärten 1946? Und wieviele gibt es heute? Die wurden systematisch assimiliert. Ich war vor kurzem in Serbien und habe 5-sprachige (!) Ortstafeln gesehen, und weit und breit war KEIN MENSCH (oder Landeshauptman), den das stört.
Im eigentlichen Serbien werden sie derlei Dinge wohl auch nicht finden.
Wie gut oder schlecht wir unsere Minderheiten behandeln oder nicht, kann ueberdies nicht als Massstab fuer das handeln des Serbischen Staates gelten.
Wenn sie allerdings Fr. Seyrs Kommentar gelesen haetten dann haetten sie wohl auf einen derart duemmlichen Vergleich verzichtet.
Kaernter Slowenen wuerden in der II. Republik weder aus der Gesellschaft verstossen, noch interniert, vertrieben oder als Kanonenfutter verwendet!!
Und was wollten Sie damit sagen? Daß man sich in Serbien bei 3 Minderheiten weigert, eine 5-sprachige Ortstafel aufzustellen?
Und die Behandlung von Minderheiten kann sehr wohl als Maßstab gelten. Fangen wir klein an: Bleiburg - Pliberk. Ich mache Ihnen die Ortstafel, Sie stellen sie auf.
Wenns dann fertig sind, dürfens wieder sowas psoten.
man kann Kosovo und Kärnten nicht vergleichen. Die Slowenen haben keine Uni und Fernsehen ausschließlich in slowenischer Sprache. Ein Slowene war noch nie Landeshauptman in Kärten. Die Slowenen haben nie versucht, gegen Staat Östrerreich mit Gewalt vorzugehen.
Wie erklären Sie, warum die Albaner seit 1981, also noch in Zeiten der Verfassung aus 1974, systematisch angefangen haben, die Nicht-Albaner aus der Provinz zu vertreiben? Noch ein mal: nur weil Frau Seyr etwas geschrieben hat, muss das noch lange keine Wahrheit sein.
Und noch etwas: wennn diese Ortstafeln so unwichtig sind, warum kann man das in Kärnten nicht durchsetzen?
Ist ein guter Grund, die Unabhängigkeit eines Gebietes zu erklären. Umso unverständlicher darin keinen Präzedenzfall sehen zu wollen, denn mit gleichem Recht können dies Palästinenser, Kurden, Basken etc. fordern, die alle unterdrückt wurden und manche auch heute noch werden. EU-Diplomatie hat nach allgemeinen Grundsätzen zu handeln bzw. zu entscheiden und soll nach Recht vorgehen. Also keine willkürlichen Einzelfallentscheidungen treffen, wo dann auch noch ausdrücklich festgehalten wird, daß dies nur für den Kosovo gilt. Jedenfalls wäre von Rechtsstaaten das Völkerrecht zu beachten.
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