Kunstschnee macht Pisten gefährlicher

7. April 2008, 12:17
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Ab 14 Uhr herrscht Hochbetrieb auf der Ambulanz - Vor allem schwere Kopfverletzungen nehmen zu

Skifahren ist heuer gefährlich, weil der Winter kurz, sonnig und schneearm ist

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Innsbruck - "Seit zwei, drei Wochen sind wir im Dauerstress", erzählt Erich Ladstätter von der Alpinpolizei Tirol. Derzeit ist er am Posten Seefeld stationiert. Stoßen zwei Skifahrer zusammen, packt Erich Ladstätter seine "Bretter" und fährt ins nächste Skigebiet, in dem Fall auf die Rosshütte. Dann wird auch von der Piste aus mit dem Staatsanwalt telefoniert. Sehr oft lautet der Tatbestand Fahrerflucht. "Ein Gast aus Russland fuhr etwa einen anderen Skifahrer nieder, der Mann wollte flüchten und seinen Namen nicht verraten", erzählt Ladstätter. Es folgte eine Anzeige auf freiem Fuß.

Keine Kontrollen

"Wir machen keine Alkohol- oder Geschwindigkeitskontrollen auf der Piste, aber strafrechtlich Relevantes wie etwa Fahrerflucht wird auch hier verfolgt." Generell werde aggressiver gefahren, sagt Ladstätter. Insgesamt patrouillieren 140 Alpinpolizisten in den Tiroler Bergen.

Professor Michael Blauth, Vorstand der Unfallchirurgie an der Universitätsklinik Innsbruck, teilt in den Wintermonaten an den Wochenenden mehr Unfallchirurgen zur Arbeit ein. Ab 14 Uhr herrscht Hochbetrieb auf der Ambulanz. "Vor allem schwere Kopfverletzungen nehmen zu", sagt Blauth: "Auf Kunstschnee wird schneller gefahren."

Diese Beobachtungen schlagen sich auch in den Zahlen des Kuratoriums für Alpine Sicherheit nieder. Geschäftsführer Ingo Kroath sieht eine Zunahme der Unfälle. Vor allem die Piste sei ein gefährlicher Ort, sagt Kroath: "Von den 87 Alpintoten in den Tiroler Bergen im Jahr 2006 sind mehr als die Hälfte, nämlich 48, auf der präparierten Piste gestorben." (Verena Langegger, DER STANDARD Printausgabe, 20.2.2008)

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    "Von Nasenbluten bis zum Schädel-Hirn-Trauma" - Bergrettung und Alpinpolizei sind in den Tiroler Skigebieten unterwegs

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