Wie Getreide zu Semmeln, zu Ethanol, zu Treibstoff wird
Nach stufenweiser Erhöhung der Biokomponenten bei herkömmlichem Diesel und Benzin (Beimengung von Rapsmethylester zu Diesel bzw. Ethanol zu Benzin) sind bereits weitere Kraftstoffe im Gespräch, die deutlich höhere Anteile an Biokraftstoffen enthalten als derzeit üblich. Die Sache hat aber einen Haken: Heutige Motoren vertragen bis rund fünf Prozent Ethanol bzw. Rapsöl im Benzin bzw. Diesel. Wird deren Anteil höher, müssen die Motoren konstruktiv speziell dafür ausgelegt werden.
Vom Schluckspecht zum Saubermann
Für Deutschland etwa ist geplant, ab 1. Jänner 2009 sogenanntes E10 einzuführen, in Österreich soll es sogar heuer noch erhältlich sein. Das ist Benzin mit zehn Prozent Ethanolanteil. E10 macht keine völlige Neuauslegung des Motors notwendig, wie das etwa bei E85 mit 85 Prozent Ethanolanteil notwendig ist, aber die Kraftstoff- und Einspritzleitungen müssen dem schärferen Alkoholgemisch standhalten.
Dies ist bei der überwiegenden Zahl der heutigen Autos ohnehin so. Es gibt aber Ausnahmen, weshalb man auf jeden Fall beim Fahrzeughersteller nachfragen sollte, bevor man beispielsweise Super E10 in den Tank schüttet. Es ist auch anzunehmen, dass herkömmliches Superbenzin dann von unseren Tankstellen verschwinden wird. Dann wird man gezwungen sein, mit einem Auto, das E10 nicht verträgt, das viel teurere Super Plus zu tanken.
Kleiner Schritt für die Umwelt, großer Schritt für die Politik
Der vielgepriesene Vorteil für die Umwelt ist allerdings marginal. Denn Biokraftstoffe der heutigen Generation haben in ihrer Gesamtbilanz nur einen ganz geringfügigen Vorteil. Im günstigsten Fall in modernsten Anlagen und bei optimaler Rohstofflogistik kann man unter Einsatz von einem Liter Erdöl 1,3 Liter Ethanol gewinnen.
Dagegen ist die politische Dimension schon größer: Was die EU wirklich in diese Richtung treibt, ist die Verringerung der Abhängigkeit von Erdöl und die Neustrukturierung der Landwirtschaft. Den ehemaligen Überschussmarkt in einen Nachfragemarkt umzukehren, ist ja bereits gelungen, wie man an den rapid steigenden Lebensmittelpreisen sieht. Das Konkurrenzverhältnis zwischen Energie- und Nahrungsmittelproduktion ist also mittlerweile bereits Realität. (rs, AUTOMOBIL, 15.02.2008)