Semmeln im Tank

Redaktion, 19. Februar 2008, 00:39

Wie Getreide zu Semmeln, zu Ethanol, zu Treibstoff wird

Nach stufenweiser Erhöhung der Biokomponenten bei herkömmlichem Diesel und Benzin (Beimengung von Rapsmethylester zu Diesel bzw. Ethanol zu Benzin) sind bereits weitere Kraftstoffe im Gespräch, die deutlich höhere Anteile an Biokraftstoffen enthalten als derzeit üblich. Die Sache hat aber einen Haken: Heutige Motoren vertragen bis rund fünf Prozent Ethanol bzw. Rapsöl im Benzin bzw. Diesel. Wird deren Anteil höher, müssen die Motoren konstruktiv speziell dafür ausgelegt werden.

Vom Schluckspecht zum Saubermann

Für Deutschland etwa ist geplant, ab 1. Jänner 2009 sogenanntes E10 einzuführen, in Österreich soll es sogar heuer noch erhältlich sein. Das ist Benzin mit zehn Prozent Ethanolanteil. E10 macht keine völlige Neuauslegung des Motors notwendig, wie das etwa bei E85 mit 85 Prozent Ethanolanteil notwendig ist, aber die Kraftstoff- und Einspritzleitungen müssen dem schärferen Alkoholgemisch standhalten.

Dies ist bei der überwiegenden Zahl der heutigen Autos ohnehin so. Es gibt aber Ausnahmen, weshalb man auf jeden Fall beim Fahrzeughersteller nachfragen sollte, bevor man beispielsweise Super E10 in den Tank schüttet. Es ist auch anzunehmen, dass herkömmliches Superbenzin dann von unseren Tankstellen verschwinden wird. Dann wird man gezwungen sein, mit einem Auto, das E10 nicht verträgt, das viel teurere Super Plus zu tanken.

Kleiner Schritt für die Umwelt, großer Schritt für die Politik

Der vielgepriesene Vorteil für die Umwelt ist allerdings marginal. Denn Biokraftstoffe der heutigen Generation haben in ihrer Gesamtbilanz nur einen ganz geringfügigen Vorteil. Im günstigsten Fall in modernsten Anlagen und bei optimaler Rohstofflogistik kann man unter Einsatz von einem Liter Erdöl 1,3 Liter Ethanol gewinnen.

Dagegen ist die politische Dimension schon größer: Was die EU wirklich in diese Richtung treibt, ist die Verringerung der Abhängigkeit von Erdöl und die Neustrukturierung der Landwirtschaft. Den ehemaligen Überschussmarkt in einen Nachfragemarkt umzukehren, ist ja bereits gelungen, wie man an den rapid steigenden Lebensmittelpreisen sieht. Das Konkurrenzverhältnis zwischen Energie- und Nahrungsmittelproduktion ist also mittlerweile bereits Realität. (rs, AUTOMOBIL, 15.02.2008)

Leserfragen an:

Rudolf Skarics

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    Elektrische Spannungen und Ströme, aber auch die Elektromotoren selber bergen hohe Risiken

  • Konflikt Fahrrad versus Auto [268]

    Die Trennung von Rad- und Autoverkehr funktioniert nicht wirklich. Radwege mögen das richtige Symbol sein, aber nicht immer die richtige Lösung

  • Vom autonomen Autofahren [42]

    Autofahren ist vor allem in Ballungsräumen nicht mehr lustig und um das erste verdiente Geld auszugeben gibt es genügend Alternativen zum Auto

  • Start-Stopp: Es gibt längst Besseres [86]

    Die Zukunft gehört Systemen mit Starter-Generator, der unauffällig zwischen Stillstand, Elektro- und Verbrennungsmotorbetrieb wechselt

  • Verkehr in Megacitys [3]

    Die Autoindustrie liefert Konzepte für den Autoverkehr in künftigen Megacitys und denkt über besonders kleine und smarte Fahrzeuge nach

  • Zugfahren als Schnäppchenjagd [185]

    Die Bahn hält Neukunden konsequent fern. Alternativen sind die neue Westbahn - oder der private PKW

  • Radfahren: Fit, aber tot? [256]

    Je mehr Radfahrer sich auf den Straßen tummeln, umso mehr Unfälle gibt es auch

  • Autosalon als Spiegelbild [3]

    Die heurige Automobilausstellung in Frankfurt kehrt auf den ersten Blick wieder ziemlich auf den Boden der Tatsachen zurück

  • Das Auto braucht Straßen [86]

    Das Auto braucht eine Infrastruktur, nämlich Straßen, und die schenken uns die Autohersteller nicht dazu

  • Autofahren mit Biogas [39]

    Biogas wird im Wesentlichen aus landwirtschaftlichen "Abfällen" hergestellt, tritt also nicht in unmittelbare Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion

  • Pendlerpauschale ade? [379]

    Eine hohe Mobilität von Arbeitskräften ist eine Grundlage unseres Wirtschaftslebens. Die CO2-Diskussion betrifft vor allem auch die Pendler

  • Mit den Waffen der Gegner [99]

    Gijs Mom macht sich schon lange Gedanken, warum der Elektromotor vor 100 Jahren den Wettlauf mit dem Verbrennungsmotor verlor

  • Abgas-Erregungsakrobatik [19]

    Bis heute spielen die kompromisslosen Autoverteidiger eine lautstark polternde, aber ziemlich nutzlose Rolle

  • Feinstaubalarm beim Ottomotor [81]

    Die Regelung Euro 5 sieht eine Begrenzung der Partikelmasse vor. Aber nur mit der Partikelmenge lässt sich der Feinstaubanteil erfassen

  • Feindbild Automobil (III) [20]

    Die Existenz zu vieler Autos wird zwar beklagt, als Jobmoter sind Autofabriken aber nach wie vor gerne gesehen

  • Feindbild Automobil (II) [103]

    Fahrrad- und Automobilfahrer waren einst Freunde. Die Freundschaft hatte ein Ende, als das Auto dem Rad davonfuhr

  • Feindbild Automobil (I) [71]

    Das Auto hatte es Anfangs ganz und gar nicht leicht, sich durchzusetzen

  • Porsche-Preis fürs Lichtsparen [21]

    Der Prof.-Ferdinand-Porsche-Preis der TU Wien geht dieses Jahr an Wolfgang Huhn (Audi) und Kamislav Fadel (Automotive Lightning)

  • Gasgeben wörtlich genommen [12]

    Mit steigenden Kraftstoffpreisen werden Alternativen zu Benzin und Diesel zusehends interessanter, insbesondere Erdgas

  • Gummi braucht Straße

    Die Hoffnung der Autobranche lautet, in den derzeit noch weniger entwickelten Ländern im Laufe der Zeit auf über 500 wie bei uns aufschließen wird

  • Elektromotor rettet Verbrennungsmotor [41]

    Das diesjährige Wiener Motorensymposium prophezeite revolutionäre Zeiten im Automobilbau

  • Flexibler Motorenpapst [43]

    Es werden nur jene technischen Lösungen kommen, für deren Erforschung und Umsetzung in die Praxis sehr viel Geld ausgegeben wird

  • Auf ins Energiesparadies [8]

    Wahrscheinlich befinden wir uns jetzt im letzten Drittel des Erdölzeitalters - und auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger

  • Mit dem Rotstift durch die Verbrauchstabelle [60]

    Mercedes senkt mit Akribie den CO2-Ausstoß seiner E-Klasse, jedenfalls auf dem Papier

  • Automatik ohne Mehrverbrauch [197]

    Mit manuellem Schaltgetriebe, automatischem Doppelkupplungsgetriebe und Wandlerautomatik werden heute in etwa die gleichen Verbrauchswerte erzielt

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