Der Kampf zwischen VHS und Betamax in den 1980er Jahren dauerte länger

21. Februar 2008, 16:10
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Erleichterung über nahendes Ende im DVD-Krieg - Als Sieger können sich auch die Verbraucher fühlen

Von der sich abzeichnenden Entscheidung im Formatkampf um den künftigen DVD-Standard haben am Montag sowohl der voraussichtliche Sieger Sony als auch Verlierer Toshiba profitiert. An der Tokioter Börse gewannen Sony-Aktien ein Prozent, Toshiba-Titel schnellten gar um fast sechs Prozent in die Höhe. Analysten und Anleger begrüßten Informationen aus Unternehmenskreisen vom Wochenende, wonach Toshiba seine Planungen für einen Ausstieg aus dem HD-DVD-Geschäft fast abgeschlossen habe. Damit könne der Konzern seine Verluste aus dem Geschäft verringern, hieß es. Nach wachsender Unterstützung von Filmstudios aus Hollywood hatten sich zuletzt auch der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart und die US-Elektronikkette Best Buy ins Blu-Ray-Lager geschlagen.

Der Kampf zwischen VHS und Betamax in den 1980er Jahren dauerte länger

Für Sony spricht, dass mit einem Sieg seines Blu-Ray-Systems die Unsicherheit auf dem 24 Milliarden Dollar schweren DVD-Markt schneller beendet sein dürfte als der Kampf zwischen den Video-Formaten VHS und Betamax in den 1980er Jahren. Diesen hatte Sony damals nach mehr als zehn Jahre verloren, Toshiba brachte HD DVD vor zwei Jahren auf den Markt. Die Unternehmen aus dem Blu-Ray-Lager wie Apple, Dell, Philips und die Panasonic-Mutter Matsushita werden ihre Investitionen in die neue Technik nun wohl offensiver vorantreiben.

Klarheit

Aber auch auf der Zuliefererseite sorgte die Hoffnung auf klare Verhältnisse für Erleichterung. Die Aktien des Spezialmaschinenbauer Singulus, der lange unter dem Konkurrenzkampf der beiden Formate Blu-Ray und HD DVD gelitten hatte, legten im Frankfurter TecDax mehr als fünf Prozent zu. Das fränkische Unternehmen, das Maschinen zur DVD-Herstellung fertigt, hatte sich mit der Übernahme des Blu-Ray-Geschäfts des Schweizer Konkurrenten Oerlikon bereits für einen Siegeszug des Formats in Stellung gebracht. Die Papiere des taiwanischen Konzerns CMC Magnetics, der rund ein Drittel der DVDs weltweit produziert, gewannen fast sieben Prozent.

Verbraucher

Als Sieger können sich auch die Verbraucher fühlen: Sie können hoffen, dass bald Kinofilme für zu Hause in hochauflösender Qualität und die dazugehörende Technik zu günstigeren Preisen zu haben sein werden. Bislang zeigten sich viele Kunden noch zurückhaltend, um nicht auf das falsche Format zu setzen. Allerdings müssen Marktforschern zufolge die Preise für die Blu-Ray-Player noch fallen, um für den Massenmarkt interessant zu werden. "Ich erwarte, dass die Unternehmen nun die Preise aggressiv senken werden, nachdem die Unsicherheit wegen des Formatkriegs zu Ende ist, sagte Claudio Checcia vom Institut IDC.(Reuters)

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