Office:mac 2008 im Test: Microsoft schickt PowerPoint-Folien auf den iPod

19. Februar 2008, 14:55
89 Postings

Office für den Mac von Grund auf erneuert - Oberfläche behutsamer angepasst als bei Office 2007

Mac-Fundamentalisten lassen kein einziges Microsoft-Programm auf ihren Rechner. Aber die wachsende Zahl der Mac-Umsteiger ist dankbar, dass sie auch auf dem Apple-Computer ein Word und ein Excel installieren können. Jetzt hat Microsoft eine neue Version seines Office-Pakets für den Mac aufgelegt. Die Entwicklung von office:mac 2008 belegt, dass der Software-Marktführer den Erfolg von Apple anerkennt und sich diesem Markt engagiert widmet.

Gerecht

In den fast vier Jahren seit der letzten Version hat sich auf dem Mac viel getan. Die Doppelkern-Prozessoren von Intel haben den alten G4 abgelöst, die Weiterentwicklung des Betriebssystems über "Tiger" zum "Leopard" hat neue Design-Maßstäbe gesetzt. Beiden Entwicklungen wird office:mac 2008 gerecht. Die Software wurde für die Intel-Plattform von Grund auf erneuert, und die Oberfläche der Anwendungen wurde dem veränderten Mac-Stil angepasst.

Keine radikale Radikalität

Die Änderungen in der Bedienung fallen weniger radikal aus als bei der Windows-Version Office 2007. So gibt es weiterhin eine Mac-typische Menüleiste am oberen Bildschirmrand, aber auch Ansätze für das "Ribbon"-Konzept von Office 2007 mit seinen kontextbezogenen Schaltflächen, die im Anwendungsfenster integriert sind. Zusätzlich gibt es als frei schwebendes Fenster eine "Toolbox", das unter anderem die Formatierungspalette zur Auswahl von Schriften enthält. Die Schaltflächen zur Steuerung der Programme befinden sich somit zwar an drei verschiedenen Orten. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit kann man sich aber besser orientieren als im eigenwilligen Office 2007 für Windows.

Word, Excel, PowerPoint und das E-Mail-Programm Entourage

Office auf dem Mac, das sind im Wesentlichen Word, Excel, PowerPoint und das E-Mail-Programm Entourage. Nicht mit dabei ist die Datenbankanwendung Access. Über die verschiedenen Anwendungen hinweg steht ein "Projektcenter" zur Verfügung. Dieses in Office 2004 eingeführte Planungswerkzeug eignet sich gut, um Dateien, E-Mails, Kontakte und Notizen für zeitgebundene Projekte an einem Ort zusammenzuführen. Das "Scrapbook" nimmt beliebige Grafikdateien oder Textbausteine auf und stellt diese für jede der Office-Anwendungen bereit.

Word 2008 für Mac präsentiert sich als professionelle Anwendung für die Textbearbeitung, ergänzt um einige einfach zu bedienende Layout-Funktionen. So findet sich in der Symbolleiste eine Sammlung von "Dokumentenelementen" mit unterschiedlichen Angeboten für ein Deckblatt, ein Inhaltsverzeichnis, Kopf- und Fußzeilen sowie ein Literaturverzeichnis. Mit Hilfe von "SmartArt-Grafiken" können Beziehungen von Sachverhalten anschaulich illustriert werden das "smart" bezieht sich auf die Möglichkeit, die Elemente dieser Grafiken bequem zu erweitern. Auch mit langen Texten von mehr als 100 Seiten läuft Word recht flott. Gehakt hat es im Test mit einem MacBook Pro erst bei einem langen Text mit umfangreichen Anmerkungen aus der Funktion "Änderungen nachverfolgen".

Neue Vorlagen

Excel stellt neue Vorlagen für die Verwaltung von Finanzen bereit, von der Spesenabrechnung bis zur Planung von Investmentfonds. Ein Formel-Generator vereinfacht das Rechnen mit Excel insbesondere für jene große Gruppe von Anwendern, die das Programm bisher nur dazu verwenden, Zeilen und Spalten zu füllen. Power-User und Makro-Spezialisten werden aber die fehlende Unterstützung für Visual Basic beklagen.

PowerPoint bietet eine hübsche Neuerung speziell für den Mac: Eine fertige Präsentation kann an das zum Betriebssystem gehörende Programm iPhoto geschickt werden. Diese Idee übernimmt Powerpoint für Mac vom Apple-Programm Keynote, das sich als Teil von iWork um die Erstellung von Präsentationen kümmert.

Leichte Unstimmigkeiten

Leider ist die Integration mit dem Betriebssystem nicht immer so eng wie hier. So bringt das E-Mail-Programm Entourage seinen eigenen Kalender und sein eigenes Adressbuch mit, anstatt bewährte Mac-Anwendungen zu nutzen. Leichte Unstimmigkeiten gibt es auch bei der Nutzung der "Spaces" mit dem neuen MacOS "Leopard". Bei der Platzierung auf mehreren dieser virtuellen Desktops verlieren die Office-Anwendungen mitunter die Orientierung.

Immerhin kann Entourage beim ersten Start Einstellungen und Daten vom Mac-Programm Mail übernehmen, so dass der Mail-Empfang sofort beginnen kann. Zu den Neuerungen gehört ein Kalenderplaner namens "My Day", der sich stets im Vordergrund hält und eine Tagesübersicht zu anstehenden Terminen und Aufgaben bietet. Auch E-Mails, die noch einer Antwort harren, können mit einem Mausklick in diese Tagesübersicht geschoben werden. Leider präsentiert sich My Day in einem unangenehm aufdringlichen Violett, was bisher nicht geändert werden kann.

Office Open XML

Das neue office:mac führt wie Office 2007 als Standardformat Office Open XML (OOXML) ein, kenntlich am "x" hinter den klassischen Dateiendungen doc, xls und ppt. Für den Datenaustausch mit anderen Anwendern kann man die Dokumente auch im Format der Office-Versionen 1997 bis 2004 speichern. Auch das Abspeichern im PDF-Format beherrscht office:mac von Haus aus. Bei Office 2007 für Windows muss dazu erst ein kleines Zusatzprogramm (Plugin) installiert werden.

Microsoft ist es gelungen, eine echte Mac-Anwendung zu entwickeln, auch wenn man sich an manchen Stellen eine engere Verflechtung mit dem Betriebssystem wünscht. Word, Excel und PowerPoint bieten eine größere Funktionsdichte als das preiswertere iWork oder das kostenlose Open Office. Entourage ist dann eine sinnvolle Alternative, wenn man für die Firmen-Mail auf die Verbindung zu einem Exchange-Server angewiesen ist diese Technik wird von Entourage besser unterstützt als von Mac Mail.

500 MHz

Office 2008 läuft auf aktuellen Intel-Macs wie auf älteren Rechnern mit einer Prozessortaktrate von mindestens 500 MHz und einem Arbeitsspeicher ab 512 MB. Als Betriebssystem wird mindestens MacOS X 10.4.9 vorausgesetzt. Das Paket gibt es in einer "Home and Student"-Ausgabe ohne Exchange-Unterstützung für etwa 125 Euro im Online-Handel, in einer Standardausgabe für rund 500 Euro sowie als "Special Media Edition" für 590 Euro mit einem Programm für die Verwaltung von Fotos, Videos und Musik. (Von Peter Zschunke/AP)

  • Artikelbild
Share if you care.