Anleitung für die Steuererklärung

24. April 2008, 15:48
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Der Kampf mit der Steuererklärung ist hart. Gerade bei Zertifikaten ist die Frage nach der Steuerpflicht nicht leicht zu beantworten

Wien - Wer seine Arbeitnehmerveranlagung macht und verschiedene Anlageformen - etwa Aktien, Fonds und Zertifikate - besitzt, der kommt mitunter ins Schwitzen. Denn die steuerliche Situation für diese Wertpapiere ist unterschiedlich geregelt. Der kleinste gemeinsame Nenner ist die Behaltefrist von einem Jahr (Spekulationsfrist). Hält man diesen Zeitraum ein und verkauft seine Wertpapiere erst nach dieser Behaltefrist, muss für erzielte Gewinne keine Steuer abgeführt werden.

Andernfalls sind etwaige Kursgewinne im Zuge der jährlichen Veranlagung mit dem Einkommenssteuersatz zu versteuern. Realisierte unterjährige Kursgewinne können jedoch um - unterjährige - Kursverluste des gleichen Kalenderjahres reduziert werden. Aber nun der Reihe nach:

  • Aktien Gewinne, die mit Aktien erwirtschaftet werden (Substanzgewinne), sind von der Kapitalertragssteuer (Kest; 25 Prozent) befreit, wenn die Wertpapiere länger als ein Jahr behalten werden. Lediglich die Erträge aus Dividenden müssen steuerlich berücksichtigt werden. Der Kest-Abzug erfolgt meist beim ausschüttenden Unternehmen oder durch die depotführende Bank. Durch den Abzug ist der Privatanleger hinsichtlich der Einkommenssteuer endbesteuert, er muss diese Dividendenerträge nicht mehr in seine Steuererklärung aufnehmen.

  • Fonds Fondsbesitzer sind hinsichtlich der Erträge aus inländischen Aktien sowie in- und ausländischen Anleihen durch den Einbehalt der Kest ebenfalls endbesteuert. Im Privatvermögen unterliegen nur 20 Prozent der realisierten Substanzgewinne der Kest in Höhe von 25 Prozent - effektiv beträgt die Steuerbelastung somit nur fünf Prozent.

    Kest auch bei Auslandsfonds

    Seit dem 1. April 2004 unterliegen auch ausländische Dividenden der Kest, womit in- und ausländische Fonds gleich behandelt werden. Auch bei Auslandsfonds darf die depotführende österreichische Bank die Kest automatisch abziehen. Allerdings gilt dies nur für Fonds, die bestimmte Informationsverpflichtungen ("blütenweiß") erfüllen.

    Für "blütenweiße Fonds" müssen die Zinserträge täglich gemeldet werden, ausschüttungsgleiche Erträge müssen einmal im Geschäftsjahr bekanntgegeben werden. Nur Fonds, die diesen Informationsverpflichtungen nachkommen, sind steuerlich gleichgestellt. Wird die Informationspflicht nicht eingehalten ("weiße" oder "schwarze" Fonds), darf die depotführende Bank die Kest nicht automatisch einbehalten. Anleger müssen die Erträge dann in ihrer Einkommenssteuererklärung angeben.

  • Zertifikate Die Besteuerung von Zertifikaten erfolgt ebenfalls durch die Kest, ist aber komplizierter geregelt. Als Steuerbemessungsgrundlage wird der positive Unterschiedsbetrag zwischen Emissionskurs und Tilgungs- bzw. Verkaufskurs herangezogen (siehe Rechenbeispiele in der Grafik). Zusätzlich ist zu beachten, welchen Typ Zertifikat man gezeichnet hat und wann das Papier aufgelegt wurde. Die einjährige Spekulationsfrist gilt auch für die Zertifikate.

    Grundsätzlich ist festzuhalten: Zertifikate mit einer Kapitalgarantie von mehr als 20 Prozent, die vor dem 1. März 2004 begeben wurden, unterliegen der Kest und sind damit endbesteuert. Liegt die Kapitalgarantie unter 20 Prozent und wurden die Papiere vor dem 1. März 2004 begeben, entfällt die Kest-Pflicht.

    Die Einteilung nach Kest-Freiheit oder Kest-Pflicht wird auch aufgrund des Hebels bei Zertifikaten vorgenommen. Liegt der Hebel bei der Emission bei oder über fünf Prozent, ist das Zertifikat Kest-frei, liegt der Hebel unter fünf Prozent, fällt das Papier in die Kest-Pflicht.

    "Bei Anlegern löst die unterschiedliche steuerliche Behandlung innerhalb der Zertifikate Kopfschütteln aus", sagt Philipp Arnold, vom Team strukturierter Produkte der Raiffeisen Centro Bank. Das Zertifikate Forum kämpft für eine steuerliche Gleichstellung der Zertifikate mit Aktien und Fonds. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.2.2008)

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