
Eine Psychiatrie-Patientin des Otto-Wagner-Spitals soll bei einem Ausgang in viel zu großen Schuhen gestürzt sein.
Birgit Wachet, Sprecherin des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV), sagt: "Das ist für uns nicht nachvollziehbar. Es gibt häufig Patienten, die nicht vollständig gekleidet kommen. Für diese Fälle haben wir einen Fundus." Es sei aber nicht ganz auszuschließen, dass Helene K.'s Schuhe im OWS verlorengegangen seien. "Das ist auch mit Zähnen der Bettnachbarin meiner Mutter passiert", sagt K. Die Pflegebedienstete soll nach Helene K.'s Sturz mit ihr in die Wohnung gegangen und dann wieder zurück ins OWS_gefahren sein. Stefan Rudas, Chef des PSD, sagt, man werde prüfen, ob ein Versäumnis vorliege. Der Sturz allein sage noch nichts aus, so etwas könne auch im Spital passieren.
"Keine Auffälligkeiten"
Nach Angaben des KAV hat die diensthabende Ärztin im OWS nach Helene K.'s Sturz keine Auffälligkeiten festgestellt, weshalb erst am nächsten Tag im Wilhelminenspital ein Röntgen gemacht worden sei, das keine schwere Verletzung gezeigt habe. Peter K. ist dennoch aufgebracht. Er hat sich bereits im Oktober an den Wiener Patientenanwalt Konrad Brustbauer gewandt, der ihn bisher aber vertröstet habe. Erst Ende Jänner sind die Unterlagen über Helene K. vom KAV an Patientenanwalt Brustbauer weitergeschickt worden.
"Das hat wirklich etwas lange gedauert, das tut dem Spital leid, was auch mitgeteilt wurde", sagt Wachet. Brustbauer konnte am Freitag noch nicht genau abschätzen, wann sein Team die "sehr umfangreichen Unterlagen" durchgearbeitet haben werde, um Peter K. beraten zu können. "Weitere Monate werden es aber sicher nicht sein", betonte er. Die lange Warterei hatte Peter K. nun satt, weshalb er die Grüne Gesundheitssprecherin Sigrid Pilz kontaktierte. Diese wittert einen "neuen Fall der Vernachlässigung aus Personalnot am Otto-Wagner-Spital" und Mängel in der "Übergangspflege". SP-Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely warnt erneut davor, "bedauerliche Einzelfälle zu skandalisieren" und dadurch Patienten zu verunsichern. Dankesbriefe von Patienten und Angehörigen blieben unerwähnt, kritisiert sie.
"Mehr Personal"
Mängel in der Übergangspflege hat aber auch das Kontrollamt bereits 2006 festgestellt. Laut Rudas ist ein neues Konzept und flächendeckendes Entlassungsmanagement in Arbeit. Zum konkreten Fall meint Werner Schöny, ärztlicher Direktor der Wagner-Jauregg-Nervenklinik in Linz: "Als Außenstehender könnte man sagen: Da hätten zwei Leute mitfahren sollen." Doch das sei eine Frage des "Nahtstellenmanagements" zwischen den Spitälern und den Sozialdiensten. Der Psychiater zeigt Verständnis: "Vonseiten der Dienste gibt es den Druck, Personal zu reduzieren, das ist eine Schere, in der wir alle stecken. Mehr Personal wäre immer besser". Für Peter K. ist klar, dass seine Mutter nie mehr im OWS behandelt werden soll. Einmal sei er vom OWS gefragt worden, ob er Helene K. nach der Untersuchung bei einer anderen Abteilung abholen und in ihren Pavillon zurückfahren könne. Der Krankentransport des Spitals sei dann nicht mehr unterwegs. Wachet dazu: "Wir haben am Otto-Wagner-Spital 24 Stunden am Tag einen Transportdienst." (Marijana Miljkoviæ, Gudrun Springer/DER STANDARD – Printausgabe, 16./17.2.2007)
Ein Jahr U-Kommission: Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely freut sich über Kritik, sieht aber keine Missstände
Die U-Kommission zur Psychiatrie besteht größtenteils aus roten Mitgliedern - Das mutet angesichts der Wiener Verhältnisse einigermaßen absurd an - Von Martina Stemmer
Berechtigte Kritik sollte nicht diskreditiert werden - von Sigrid Pilz
Das Spitalswesen krankt an schlampigen Verhältnissen - und Problemverleugnung
Der zwangsweise Aufenthalt und die Behandlung von Patienten in einer Psychiatrischen Abteilung werden im Unterbringungsgesetz geregelt
1)Wenn die Betreuerin gleichzeitig Chaufeurin spielen muss, ist vorherzusehen, dass entweder die 83-Jährige Frau von einem gefunden Parkplatz, der nicht vor dem Haus ist, länger gehen muss, was ihr offensichtlich nicht zuzumuten war, oder aber alleine vor dem Haustor warten muss. Mit einem Taxi oder Fahrer wäre das zu lösen gewesen. Eventuell wäre sie auch mit eigenen Schuhen alleine gestürzt.
2) Sachen kommen im OWS weg, weil Abteilungen zusammengelegt wurden, Drogenpatienten + Alkolkranke +psychisch Kranke, zusätzlich sind die gleichen Pavillions noch für die Aufnahmen (Akutfälle, meist zuerst unter starken Medikamenten) und für Tagespatienten (die dann beim Besuch was mitgehen lassen) zuständig.
3)ausbaden dürfen das Patienten + Pfleger
nach einem Sturz einer 83-jaehrigen (aeltere Herrschaften haben ja etwas bruechigere Knochen als ein junger Spund) wartet man bis zum naechsten Tag mit Roentgen, "weil sie keine Auffaelligkeiten zeigt"? Au Backe. Der Sohn eines Kollegen ist mit Ende 20 beim Mountainbiken gegen einen Baum gefahren, aufgestanden, nach Hause geradelt und hat sich ins Bett gelegt. Ganz ohne Auffaelligkeiten. Er ist aber nicht mehr aufgewacht, da er im Schlaf an einer Gehirnblutung verstarb.
Ein bissl schneller haette man sich um die alte Dame schon kuemmern koennen, auch wenn alte Menschen in unserer Gesellschaft offenbar keinen Wert mehr haben.
Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.