Nachlese

Betreuter Ausgang mit Folgen

von Redaktion  |  15. Februar 2008, 21:25
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    Eine Psychiatrie-Patientin des Otto-Wagner-Spitals soll bei einem Ausgang in viel zu großen Schuhen gestürzt sein.

Ein Wohnungsbesuch in angeblich viel zu großen Schuhen endete für eine Psychiatrie-Patientin mit Kopfverletzungen - Ihr Sohn wartet seit Monaten auf Rat vom Patientenanwalt

"Sie hat ausgesehen wie nach einem Boxkampf", sagt Peter K. über seine Mutter Helene K. Die Bilder von den Hämatomen im Gesicht der 83-Jährigen gehen ihm nicht mehr aus dem Kopf. Helene K. war zu dem Zeitpunkt Psychiatrie-Patientin am Wiener Otto-Wagner-Spital (OWS). Am 23. Oktober fuhr eine Schwester des Psychosozialen Dienstes Wien (PSD) mit Helene K. in ihre Wohnung, um festzustellen, ob sich die Frau dort zurechtfinde. Laut Peter K. habe die Pflegerin die Patientin vor ihrem Haus aussteigen lassen und sei einen Parkplatz suchen gefahren. In der Zwischenzeit dürfte Helene K., die seit Monaten nicht mehr alleine auf der Straße gewesen sein soll, gestürzt sein und sich den Kopf verletzt haben. Nach Peter K.'s Angaben hatte seine Mutter bei dem Ausgang Schuhe an, die ihr um vier Nummern zu groß gewesen seien. Ihre eigenen Schuhe seien verschwunden.

Birgit Wachet, Sprecherin des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV), sagt: "Das ist für uns nicht nachvollziehbar. Es gibt häufig Patienten, die nicht vollständig gekleidet kommen. Für diese Fälle haben wir einen Fundus." Es sei aber nicht ganz auszuschließen, dass Helene K.'s Schuhe im OWS verlorengegangen seien. "Das ist auch mit Zähnen der Bettnachbarin meiner Mutter passiert", sagt K. Die Pflegebedienstete soll nach Helene K.'s Sturz mit ihr in die Wohnung gegangen und dann wieder zurück ins OWS_gefahren sein. Stefan Rudas, Chef des PSD, sagt, man werde prüfen, ob ein Versäumnis vorliege. Der Sturz allein sage noch nichts aus, so etwas könne auch im Spital passieren.

"Keine Auffälligkeiten"

Nach Angaben des KAV hat die diensthabende Ärztin im OWS nach Helene K.'s Sturz keine Auffälligkeiten festgestellt, weshalb erst am nächsten Tag im Wilhelminenspital ein Röntgen gemacht worden sei, das keine schwere Verletzung gezeigt habe. Peter K. ist dennoch aufgebracht. Er hat sich bereits im Oktober an den Wiener Patientenanwalt Konrad Brustbauer gewandt, der ihn bisher aber vertröstet habe. Erst Ende Jänner sind die Unterlagen über Helene K. vom KAV an Patientenanwalt Brustbauer weitergeschickt worden.

"Das hat wirklich etwas lange gedauert, das tut dem Spital leid, was auch mitgeteilt wurde", sagt Wachet. Brustbauer konnte am Freitag noch nicht genau abschätzen, wann sein Team die "sehr umfangreichen Unterlagen" durchgearbeitet haben werde, um Peter K. beraten zu können. "Weitere Monate werden es aber sicher nicht sein", betonte er. Die lange Warterei hatte Peter K. nun satt, weshalb er die Grüne Gesundheitssprecherin Sigrid Pilz kontaktierte. Diese wittert einen "neuen Fall der Vernachlässigung aus Personalnot am Otto-Wagner-Spital" und Mängel in der "Übergangspflege". SP-Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely warnt erneut davor, "bedauerliche Einzelfälle zu skandalisieren" und dadurch Patienten zu verunsichern. Dankesbriefe von Patienten und Angehörigen blieben unerwähnt, kritisiert sie.

"Mehr Personal"

Mängel in der Übergangspflege hat aber auch das Kontrollamt bereits 2006 festgestellt. Laut Rudas ist ein neues Konzept und flächendeckendes Entlassungsmanagement in Arbeit. Zum konkreten Fall meint Werner Schöny, ärztlicher Direktor der Wagner-Jauregg-Nervenklinik in Linz: "Als Außenstehender könnte man sagen: Da hätten zwei Leute mitfahren sollen." Doch das sei eine Frage des "Nahtstellenmanagements" zwischen den Spitälern und den Sozialdiensten. Der Psychiater zeigt Verständnis: "Vonseiten der Dienste gibt es den Druck, Personal zu reduzieren, das ist eine Schere, in der wir alle stecken. Mehr Personal wäre immer besser". Für Peter K. ist klar, dass seine Mutter nie mehr im OWS behandelt werden soll. Einmal sei er vom OWS gefragt worden, ob er Helene K. nach der Untersuchung bei einer anderen Abteilung abholen und in ihren Pavillon zurückfahren könne. Der Krankentransport des Spitals sei dann nicht mehr unterwegs. Wachet dazu: "Wir haben am Otto-Wagner-Spital 24 Stunden am Tag einen Transportdienst." (Marijana Miljkoviæ, Gudrun Springer/DER STANDARD – Printausgabe, 16./17.2.2007)

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19 Postings
Alex M
17.02.2008 18:38
Der liebe Herr Sohn hätte seiner Mutter auch ...

... passende Schuhe vorbeibringen können.

khaleb
24.04.2008 22:43
Das ist eindeutig Folge von Kostensenkung

1)Wenn die Betreuerin gleichzeitig Chaufeurin spielen muss, ist vorherzusehen, dass entweder die 83-Jährige Frau von einem gefunden Parkplatz, der nicht vor dem Haus ist, länger gehen muss, was ihr offensichtlich nicht zuzumuten war, oder aber alleine vor dem Haustor warten muss. Mit einem Taxi oder Fahrer wäre das zu lösen gewesen. Eventuell wäre sie auch mit eigenen Schuhen alleine gestürzt.
2) Sachen kommen im OWS weg, weil Abteilungen zusammengelegt wurden, Drogenpatienten + Alkolkranke +psychisch Kranke, zusätzlich sind die gleichen Pavillions noch für die Aufnahmen (Akutfälle, meist zuerst unter starken Medikamenten) und für Tagespatienten (die dann beim Besuch was mitgehen lassen) zuständig.
3)ausbaden dürfen das Patienten + Pfleger

eze eze
17.02.2008 18:41

Woher hätte er denn wissen sollen, dass die Schuhe seiner Mutter abhanden gekommen waren? Sie hatte ja offenbar ursprünglich eigene gehabt.

Alex M
17.02.2008 18:53
Es gibt auch Menschen die trotz passender Schuhe ...

... und ohne psychischer Probleme stürzen.

khaleb
24.04.2008 22:55
weil sie alt und gebrechlich sind

und man daher immer überlegen muss, ob sie noch ohne fremde Hilfe fortgehen können/sollen.

Alex M 
17.02.2008 18:37
Wie wärs wenn man auch die andere Seite zu ...

... Wort kommen lässt bevor man sich ein Bild macht.

Tino1967 
17.02.2008 11:09
Ich würde der Frau Pilz einmal empfehlen

selbst eine Woche Dienst am OWS zu machen. Ob sie sich dann immer noch groß aufspielt, wage ich zu bezweifeln!

Kapitalismus Luege
16.02.2008 19:05
mit einer 24 Std Pflege waere das nicht passiert

denn Slovakinnen kuemmern sich gut.

Ja, dem "Staat" ausgeliefert zu sein wird in immer mehr Lebensbereichen eine immer groessere Gefahr.

dieBestatter   
16.02.2008 22:52

Die Leistung des Staates kostet dafür auch das dreifache.

meineMeinung1969  
17.02.2008 07:57
Aber leisten ...

... tut der Staat nicht mal die Hälfte dafür. Sonst wären ja die ganzen Unsinnigkeiten nicht zu finanzieren ...

mM

patchbay
16.02.2008 13:40
und so wird alles zur story

ja...also übertreiben kann mans dann auch mit den ach so interessanten geschichten...nichts gegen seriöse berichterstattung über etwaige missstände am ows. aber lieber standard bitte morgen kein "gabel am ows hatte nur zwei zinken"-artikel!

dieBestatter   
16.02.2008 22:53

Ja, schade das die Patientin noch lebt.

siliconvalley
16.02.2008 05:18
Roentgen am naechsten Tag?

nach einem Sturz einer 83-jaehrigen (aeltere Herrschaften haben ja etwas bruechigere Knochen als ein junger Spund) wartet man bis zum naechsten Tag mit Roentgen, "weil sie keine Auffaelligkeiten zeigt"? Au Backe. Der Sohn eines Kollegen ist mit Ende 20 beim Mountainbiken gegen einen Baum gefahren, aufgestanden, nach Hause geradelt und hat sich ins Bett gelegt. Ganz ohne Auffaelligkeiten. Er ist aber nicht mehr aufgewacht, da er im Schlaf an einer Gehirnblutung verstarb.
Ein bissl schneller haette man sich um die alte Dame schon kuemmern koennen, auch wenn alte Menschen in unserer Gesellschaft offenbar keinen Wert mehr haben.

Lana2005
16.02.2008 21:21

nun ja sry, aber ich fahr auch nmicht gleich nach jedem Treppensturz ins AKH und lass mich ganzkörperröntgen. ja blöde zufälle wie den mit dem sohn ihres freundes gibt es, aber gleich immer und ohne beschwerden zu röntgen find ich nicht gut und auch ungesund,

eze eze
17.02.2008 18:42

Du bist aber auch nicht über 80! In so einem hohen Alter gehört ein Röntgen nach Stürzen wohl zu den aus gutem Grund üblichen Standardmaßnahmen - denn es ist äußerst unwahrscheinlich, dass bei so betagten Menschen in solchen Fällen wirklich gar nichts passiert ist.

Balrok Gauron-Therohrist
16.02.2008 19:04

Solange jemand Rechnungen schreiben kann, haben alte Menschen in Österreich einen Wert.

dieBestatter   
17.02.2008 08:12

Solange wer Miete zahlt darf er/sie in Österreich wohnen.
Auch wenn er verstorben ist.
Erst wenn Miete nicht mehr bezahlt wird wird er/sie gefunden.

Erzsébet Lucas
15.02.2008 23:54

Wesehly wäre es natürlich am liebsten, sie könnte über die gesamte Bevölkerung einen Maulkorberlass verhängen.
Die übliche Einstellung dieser Politfiguren.

Erwin Wolfram
15.02.2008 22:54

komisch nur das solche einzelfaelle andauernd passieren. ist das ein zeichen davon, dass wir in einer diktatur leben, weil man muss ja annehmen, das sich niemand davon zu sprechen getraut.

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