Vom Surfen und von einer neuen Art des Tabus

27. Februar 2008, 12:50
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Die Nordküste Oahus ist einer der besseren Surfspots dieser Welt und nichts für Anfänger

Haleiwa - Naturgemäß kamen die Polynesier, mit dem Ozean seit alters her auf du und du, auf die Idee, mit Brettern die mächtigen Wellen des Pazifiks abzureiten. Zur Perfektion brachten es die Besiedler Hawaiis, was schon Captain James Cook faszinierte. Surfen war ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens. Doch jene Strände, an denen die besten Wellen heranrollten und immer noch rollen, waren den Königen vorbehalten und für das gemeine Volk tabu. König Kamehameha I., der 1819 das Zeitliche segnete, war der Topstar, quasi der Kelly Slater seiner Epoche. Seine Landsleute sangen hymnische Lieder über ihn, und in den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts benannte die US Navy gar ein Atom-U-Boot nach Kamehameha, was freilich eine andere Bewandtnis hat, nämlich sein wehrhaftes Auftreten gegen die Briten.

Den Missionaren jedoch taugte das Surfen gar nicht, sie trieben den Hawaiianern nicht nur diesen heidnischen Brauch aus. Nicht nachhaltig genug. Im vorigen Jahrhundert spielten die Zivilisierten quasi den Ball weiter. Und heute stehen Warnschilder an der Nordküste Oahus. Denn heute wie damals ist dieses Gewässer den Chefs vorbehalten und tabu für das gemeine Volk. (bez, DER STANDARD Printausgabe 16.02.2008)

  • Surfen im Waimea Beach Park.

    Surfen im Waimea Beach Park.

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