Nachlese: Heiße Spur ohne Massen-Gentest

Redaktion
24. März 2008, 19:34
  • Im Vergiftungsfall Spitz wurden bisher keine DNA-Tests an Verdächtigen durchgeführt. Massentests lehnt auch das Ministerium ab.
    foto: apa/thieme

    Im Vergiftungsfall Spitz wurden bisher keine DNA-Tests an Verdächtigen durchgeführt. Massentests lehnt auch das Ministerium ab.

Für den Täter im "Fall Spitz" wird es enger: Am Freitag fanden Polizisten das Geschäft, wo er die Grußkarte zur Giftpraline gekauft hat

Ermittler und Ministeriumsexperten lehnen Massen-DNA-Tests weiterhin strikt ab

* * *

Wien/Spitz an der Donau - Die Gruppe der Verdächtigen müsse überblickbar groß sein, um einen Massen-DNA-Test zu rechtfertigen, sagt Ernst Schuch, leitender Ermittler im Fall des Giftanschlags gegen den Spitzer Bürgermeister Hannes Hirtzberger: "Hätten wir den Kreis der Verdächtigen auf rund 20 Männer eingegrenzt, würde so ein Test Sinn machen", widerspricht er Medienberichten, die mit baldigen Massenscreenings spekulieren.

Beim derzeitigen Ermittlungsstand hingegen müssten "tausende männliche Bewohner der Wachau" zum Mundabstrich verdonnert werden, gibt Schuch zu bedenken. Um "vielleicht" zu ermitteln, wer die Mon-Chéri-Praline, die Hirtzberger vergangenen Samstag aß, mit Strychnin vergiftet und auf seinem Auto deponiert hat: "Ich glaube, das würde kein Staatsanwalt unterschreiben".

Höchstens "50 bis 100" Tests Christian Pilnacek, Leiter der Abteilung für Strafrecht im Justizministerium, bestätigt dies. "Alles, was in einem solchen Fall über 50 bis 100 DNA-Tests hinausgeht, ist auch laut der seit 2008 neuen heimischen Rechtslage unzulässig." Erst müsse der Täter mit klassischen Ermittlungsmethoden näher eingekreist werden. Hier - so Pilnacek - unterscheide sich das österreichische Gesetz von jenem in Deutschland.

Mit herkömmlichen kriminalistischen Mitteln fanden Polizisten des niederösterreichischen Landeskriminalamts Freitagnachmittag jenes Geschäft in einem Ort im Raum Krems, in dem die Grußkarte an den mutmaßlichen Täter verkauft worden ist. "Wir haben die Listen des Karten-Generalimporteurs durchforstet und das richtige Geschäft anhand eines Zusatzmerkmals auf der Karte ausfindig gemacht", schildert Schuch im Standard-Gespräch. Aufgrund dieses verräterischen "Zusatzmerkmals" - angeblich zwei aufgedruckte Bären - habe man die Karte bisher nicht in der Öffentlichkeit hergezeigt: Der Täter hätte gewarnt sein können.

"Strychninspur"

Neben der "Kartenspur" verfolgen die Kriminalisten auch die sogenannte Strychninspur. Dieses Gift ist in Österreich seit 20 Jahren nicht mehr frei erhältlich, also werden Personen gesucht, die Restbestände besitzen. In Frage kommen Jäger und Bauern im Wachauer Raum, die Strychnin einst in Giftfallen eingesetzt haben: "Ja, wir ermitteln in diese Richtung", bestätigt Schuch.

Überdies werden Fälle und Prozesse überprüft, mit denen Hirtzberger als Rechtsanwalt zu tun hatte. Bisher sei man nicht fündig geworden, sagt Schuch, der große Hoffnungen in ein Gespräch mit dem Vergiftungsopfer setzt. Doch damit muss er noch zuwarten. "Herr Hirztberger befindet sich nach wie vor in Lebengefahr . Er wird wohl auch übers Wochenende im künstlichen Tiefschlaf bleiben", sagt Monika Gstöttner vom Landesklinikum Krems. (Irene Brickner/DER STANDARD – Printausgabe, 16./17.2.2007)

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conrad und pröll sollten keine pralinen essen

conrad und pröll sollten keine pralinen essen

im antrunk leichter mandel geschmack

im antrunk leichter mandel geschmack
im finish modrig und erdig.
Riede mon....

Das Gift is wahrscheinlich die bessere Spur, wenns seit 20 Jahren nicht mehr erhältlich ist.

Vielleicht hat der Bürgermeister nicht mehr leben wollen

und das Gschichtl erfunden, damit jemand seine Lebensversicherung kassieren kann. Alles schon dagewesen.

Nachdem ja angeblich keine Fingerabdrücke auf der Karte waren, hat er Handschuhe benutzt.

Auswertung

Die Polizei kennt die Papierhandlung, in der die Grußkarte verkauft wurde. Aber sie braucht jetzt einige Tage, um die Scannerrolle der Kasse auszuwerten, wann genau die Karte verkauft wurde....

Denkste!

Energieferien

Vielleicht sperrt das Geschäft erst am Montag wieder auf.

Würde zusätzlich bedeuten, dass jetzt jemand überlegt wie er vorher zu der Rolle kommt oder wie er sie wenigstens vernichten könnte.

Warm abtragen? Aber daran werden die Kibara ja auch denken, nehme ich an.

Mon Cheri

Na bin ich froh, daß es eine Praline eines Mitbewerbers war ... nicht auszudenken, wenn es eines unserer Produkte erwischt hätte. Ist nicht gerade eine gute Werbung ... wer schenkt im Moment noch Mon Cheri ??? Aber die Italiener haben zum Glück ja eh noch andere Spitzen-Marken.

Hab welche zum Valentinstag bekommen. Zugegeben, beim ersten Stückerl hatte ich schon ein komisches Gefühl - aber mittlerweile ist das ganze Schachterl leer und ich lebe noch.

...der Apotheker

war's sincerly I.N.
Alles Gute Hannes!!!

Ich finde das so traurig, dass jemand Schenken so pervertiert...

Trojanische Pralinen sind aber nicht wirklich eine Erfindung der Neuzeit.

Traurig ists trotzdem. Weil so intime Dinge wie Freude und Liebe mißbraucht werden... und es uns zu Mißtrauen gegenüber anderen zwingt. (Denke auch: Rasiermesser-Halloween-Süßigkeiten-Urban-Legend)

wenn freude und liebe

für sie nur intime dinge sind, dann frage ich mich
warum sie sich beschweren.

Tut mir leid, das versteh ich jetzt nicht. (Abgesehen davon beschwere ich mich nicht)

ehemaliger chef hat uns immer eingeschärft ja...


...keine verdächtigen emails zu öffnen.
eines tages dann gegrummel und schließlich verzweiflung aus richtung chefschreibtisch: '...wos is mit mein recher?'

ein opfer des I-LOVE-YOU-virus - was haben wir gelacht. :-)))

Geschlechtsverkehr und AIDS nicht zu vergessen

Ja ok, aber bei STDs und AIDS gibts ja keinen Vorsatz.

Wenn man als"Herr Schmirl" manchmal zu ironisch postet, mag es sein, dass

die p.t. MitposterInnen denken, dies müsste immer so sein.

Ihr angegebener Link auf "Welt Online" beschreibt das erschreckende neue Phänomen des "Bug chasing" und weist auf einen Film hierüber hin, welcher den sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch bedeutsamen Titel

"THE G I F T" trägt !

Da sollten die Ermittler durchaus auch ERNSTHAFT nachhaken.

Allerdings kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass die Person des Täters nicht nur die Person des Opfers sondern auch deren -als harmonisch geltendes- Familiengefüge gezielt zerstören wollte und beim Legen falscher Fährten umtriebig und detailverliebt zu Werke gegangen sein kann...


finds

ja erschreckend, dass es reicht den taeterkreis auf ("nur") 20 einzuschraenken. gar ned gewusst, dass wir schon soweit sind.

Na, das ist dann ganz okay...

Hier gehts ja nicht darum, Daten zu sammeln, sondern ein echtes Verbrechen aufzuklären. Wer unschuldig ist, macht da wahrscheinlich auch freiwillig mit, um die Ermittlungen voranzutreiben.

Wer unschuldig ist wird es auch weiter bleiben wollen und nicht als Datensetz in irgendeiner "Ermittlungskartei" dahindümpeln wollen; auch wenn die Erbgutinfo wieder gelöscht wird.

Gegen DNA-Massentest ist man nur, wenn man ein schlechtes Gewissen oder was zu verbergen hat^^

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