Teilzeitstudium: McJob und McStudy

15. Februar 2008, 14:49
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Halbe Bildung - halbes Geld für die Uni: Rektor Mayr über die Kreativität des Ministers in Sachen Teilzeitstudium

Nach jüngsten Medienberichten hat Österreich bei Teilzeitbeschäftigungen einen Spitzenplatz in der EU. Das schönt die Statistik der Erwerbstätigkeit, freut die ArbeitsmarktpolitikerInnen und schafft Flexibilität in Familien, oft allerdings auf Kosten gemeinsamer Zeitfenster. Die sozialen Folgen aber sind katastrophal: denn immer weniger Menschen können genügend Mittel für die staatliche, geschweige denn ihre private Vorsorge aufbringen.

Von Teilzeitbeschäftigung zu Teilzeitstudien ist der Weg nicht weit, jedenfalls nicht, wenn sich Wissenschaftsminister Johannes Hahn "seine Kreativität nicht nehmen lässt". Wobei die Kreativität in der Annahme zu bestehen scheint, die Universitäten hätten nur den halben Aufwand, wenn manche Studierende nur halb studieren. Weshalb Halbstudierende dann auch nur die Hälfte der Studiengebühren entrichten sollen: Halbe Bildung, halbes Geld für die Universitäten?!

Leider müssten die Universitäten aber dennoch fast ihr gesamtes Lehrangebot aufrechterhalten; denn die dann wenigeren Vollzeitstudierenden sollen ihren Stu-dienabschluss ja trotzdem in möglichst kurzer Zeit machen können, wie Politik und Wirtschaft dies immer fordern. Es könnten also höchstens ein paar Parallel-Lehrveranstaltungen im Übungsbetrieb entfallen – die es ohnehin nur bei den großen Studien gibt; umgekehrt müssten womöglich den in Teilzeitjobs beschäftigten Studierenden flexiblere „Ladenöffnungszeiten“ geboten werden, damit sie überhaupt voran kommen.

Wir haben das für unsere Universität ausgerechnet und kommen auf ein Minus von rund 1,2 Mio Euro pro Jahr – eine Katastrophe angesichts chronischer Unter-finanzierung seit der Ausgründung; denn die Universitäten erhalten ja im Gegen-satz etwa zu den Fachhochschulen keine zusätzlichen Mittel für ihren Lehrbetrieb aus Steuergeldern von Ländern und Gemeinden.

Die Einführung der Studiengebühren brachte seinerzeit für die meisten Unis keinerlei finanziellen Vorteil; denn sie war verbunden mit einem entsprechend verringerten staatlichen Finanzierungsbeitrag: also ein Nullsummenspiel. Wenn daher der Wissenschaftsminister für "seine Idee nicht selber (wirklich er?) zahlen will", dann heißt das, dass die Universitäten real noch weniger Mittel zur Verfü-gung hätten. Also Leistungen einschränken müssten.

Mc Jobs mit Mc Study zur schönen neuen Bildungswelt kombiniert und mit geringerem Angebot garniert - damit hätten wir zumindest gute Chancen auf einen weiteren Spitzenplatz: nämlich noch länger noch weniger Akademikerinnen und Akademiker im Land zu haben. Ob Gugging das alles wettmachen kann? (derStandard.at, 15. Februar 2008)

  • Heinrich C. Mayr ist Rektor der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt.
    foto: maurer/uniklu

    Heinrich C. Mayr ist Rektor der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt.

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