Bundeskriminalamt ermittelt wegen Versicherungsbetrugs

15. Februar 2008, 18:27
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16 österreichische und 15 ausländische Sportler in anonymer Anzeige namentlich genannt, darunter mehrere Olympiasieger

Wien - Das Österreichische Bundeskriminalamt (BK) ermittelt nach dem Eingang einer anonymen Anzeige wegen Versicherungsbetrugs im Zusammenhang mit Blutdoping. Diesen Auftrag habe man am Donnerstag von der Staatsanwaltschaft bekommen, sagte BK-Sprecher Gerald Hesztera am Freitag.

16 österreichischen und 15 ausländischen Sportler

In der anonymen Anzeige werden die Namen von insgesamt 16 österreichischen und 15 ausländischen Sportlern, darunter zehn aus Deutschland, genannt. Unter den Genannten befinden sich auch diverse Olympiasieger. Ins Rollen kam diese Causa durch einen Bericht der Tiroler Tageszeitung (Donnerstag-Ausgabe) sowie den freien Journalisten Gerd Millmann, an den die anonyme Anzeige per E-Mail geschickt worden ist. Der Österreicher Millmann ermittelt seit acht Monaten in dieser Sache.

Aufgrund des Versicherungsbetrugs-Vorwurfs haben Staatsanwaltschaft und BK nun die Möglichkeit, eigenständig in der Blutdoping-Causa aktiv zu werden und nicht nur aufgrund Rechtshilfeersuchen italienischer Behörden im Zusammenhang mit dem Dopingskandal bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin, in den mehrere österreichische Biathleten und Langläufer involviert waren.

"Größtmöglicher Wahrung der Rechte der Verdächtigten"

Bei der Staatsanwaltschaft verwies man am Freitag vor allem auf die laufenden Ermittlungen. Deshalb könne man nichts zum Inhalt der Anzeige offiziell sagen. Eine anonyme Anzeige habe aber generell einen anderen Stellenwert als eine, in der sich der Anzeiger namentlich als Informant deklariert, erklärte Behördensprecher Gerhard Jarosch. Insofern würden im gegenständlichen Fall die Behauptungen "unter größtmöglicher Wahrung der Rechte der Verdächtigten" geprüft.

Laut Anzeige sollen drei österreichische Transfusionsmediziner in den vergangenen Jahren in Wien (seit 2000) und Linz systematisch Blutdoping betrieben haben und dieses bis heute fortsetzen. Als Standort für das gelagerte Blut soll unter anderem das Wiener Allgemeine Krankenhaus (AKH) gedient haben. "Das Blut wurde und wird im AKH Wien für Zwecke des Tiefkühlens präpariert und im AKH Wien gelagert", heißt es in der anonymen Anzeige. "Im Gebrauchsfall wurde und wird das präparierte Eigenblut dem AKH entnommen und (...) vor Ort der Wettkämpfe wieder zugeführt."

Bezüglich des Tatbestands des Versicherungsbetrugs heißt es in der Anzeige weiter: "Gegenüber dem AKH Wien wurde und wird die Präparierung und die Lagerung der Blutbeutel via 'Privatpatient' verrechnet. Gegenüber den (Zusatz-)versicherungen wurden und werden die Kosten für Präparierung und Lagerung mit verschiedenen notwendigen medizinischen Behandlungen begründet, nicht aber mit Blutdoping."

Auch AKH Linz involviert

Dieselbe Vorgangsweise - sowohl Blutdoping als auch Versicherungsbetrug betreffend - gelte laut Anzeige auch für den Standort Linz. "Das Blut und das Plasma wird im AKH Linz präpariert und gelagert. Verrechnet wird dieses Blutdoping via (Zusatz-)versicherung", so der Wortlaut in der anonymen Anzeige, die sich auf Informationen von Athleten, die selbst dort Blutdoping betreiben bzw. betrieben haben sollen, sowie von Betreuern und ermittelnden Personen stützt.

Eine zweite Anzeige gegen einen Arzt gibt es laut Staatsanwaltschafts-Sprecherin Michaela Schnell in dieser Causa nicht. Vorliegen würde seit Donnerstag nur eben jene anonyme Anzeige, die am Mittwochabend beim Bundeskriminalamt (BK) eingegangen sei.

Damit widersprach Schnell einem Bericht der Tageszeitung "Kurier" (Freitagausgabe), der von einer Anzeige gegen einen Arzt im Zusammenhang mit Blutdoping berichtete. Es gebe gegen diesen Arzt zwar eine ältere Anzeige nach dem Arzneimittelgesetz vom Jänner. Diese habe mit dem aktuellen Fall aber nichts zu tun, betonte die Sprecherin.(APA)

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