Lese-Festspiele für Salzburg

22. Februar 2008, 12:59
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Literatur in großen Häusern und kleinen Cafés von 28. Mai bis 1. Juni – bekannte Namen von Martin Walser bis Mieze Medusa

Salzburg – Mozartwoche, Osterfestspiele, Pfingstfestspiele, Sommerfestspiele, Jazz-Herbst – Salzburg ist wahrlich nicht arm an Festivals. Das weiß auch Verleger Jochen Jung. "Aber es gibt hier eine Kunst, die noch nicht den großen Auftritt hatte, den sie verdient", sagt er. Gemeinsam mit dem Buchhändler Klaus Seufer-Wasserthal und der Leiterin des Salzburger Literaturveranstalters "Leselampe", Christa Gürtler, hat Jung deshalb das erste Salzburger Literaturfest initiiert.

Von Martin Walser bis zum Poetry Slam

Das Programm, das die drei zusammengestellt haben, strotzt vor Hochkarätern der deutschsprachigen Literatur: Größen wie Martin Walser, Robert Menasse, Gert Jonke, Franz Schuh oder Michael Köhlmeier werden sich von 28. Mai bis 1. Juni ein Stelldichein an der Salzach geben. Und dabei bleibt es keineswegs bei konventionellen Lesungen: Kurzperformances von Schauspielern, die in Kaffeehäusern und Geschäften Texte von Salzburger Autoren in Szene setzen, gehören genauso zum Programm wie ein Poetry Slam oder literarische Entdeckungsreisen für Kinder und Jugendliche.

Köhlmeier-Marathon

Die Kunst der Bücher soll in die Stadt getragen werden: "Es geht uns auch darum, mit diesem Festival Leute anzusprechen, die normalerweise nicht zu Literaturveranstaltungen gehen", sagt Jung: "Das Programm soll möglichst viel von dem zeigen, was Literatur kann." Dazu gehört zum Beispiel ein Erzähl-Marathon mit Michael Köhlmeier. Der habe sich gewünscht, erzählt Jung, dass ihn einmal jemand einlädt und vier Stunden ohne Pause griechische Mythen erzählen lässt – genau diese Gelegenheit wird Köhlmeier am 31. Mai im Haus für Mozart der Salzburger Festspiele bekommen.

Viele Gratis-Angebote

Etwas lauter wird es wenige Stunden später im Republic zugehen, wenn in einem Poetry Slam mit anschließender Party Mieze Medusa oder Hans Platzgumer zeigen, was man noch alles mit Sprache anstellen kann. Auch den öffentlichen Raum wird das geschriebene und gelesene Wort während des fünftägigen Programms erobern: Hörstationen, Bücherkästen an der Salzach, Buchflohmärkte und Zitatenwege sollen auch zufälligen Passanten Literatur ein Stück näher bringen. In einer "Les:Bar" wird es täglich Gelegenheit zu Diskussionen mit prominenten Autoren geben. Der Eintritt zur "Les:Bar" ist ebenso gratis wie viele andere kleinere Veranstaltungen. Auch bei den großen Lesungen ist der Eintritt mit 10 Euro moderat. Ein Festivalpass um 33 Euro wird ebenfalls angeboten.

120.000 Euro Subventionen

Für die erste Auflage stellen Stadt und Land Salzburg, der Bund und der Salzburger Altstadtverband jeweils 30.000 Euro zur Verfügung – insgesamt stehen also 120.000 Euro bereit, dazu sollen nach den Vorstellungen des eigens gegründeten Veranstaltervereins noch 5000 bis 10.000 Euro an Eintrittsgeldern kommen. Das öffentliche Geld besteht aus – vorerst – einmaligen Sondersubventionen: "Das nehmen wir nicht anderen Institutionen weg, keine Angst", beruhigt Salzburgs Kulturlandesrat David Brenner (SPÖ).

Wirtschaftsfaktor Buch

Für die Salzburger Altstadt sei das Literaturfest auch deshalb unterstützenswert, sagt Inga Horny vom Altstadtverband, weil Bücher ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Innenstadtkaufleute seien: Allein in der Altstadt gebe es 14 Buchhandlungen, sieben Verlage, sechs Bibliotheken, zwei Buchantiquariate und eine Druckerei. Das Literaturfest wird auf Tourismusmessen in Mailand und Berlin beworben, vor allem hoffe man aber auf kulturinteressierte Gäste aus Österreich und Bayern. Unterstützt wird das Festival auch von den Freunden der Salzburger Festspiele und drei Sponsoren – einem Autohersteller, einer Brauerei und einer Bank.

"Warum haben wir das nicht jedes Jahr?"

Auch wenn Brenner von einem "wichtigen Baustein im Kulturkalender Salzburgs" spricht, ist noch keineswegs klar, ob das Literaturfest eine Eintagsfliege bleibt oder zur Dauereinrichtung wird. Für Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden wäre zumindest ein Literaturfest alle zwei Jahre "ein guter Gedanke". Jochen Jung indes versprüht Optimismus: "Wenn sie das erlebt haben, werden Sie sich fragen: Warum haben wir das nicht jedes Jahr?" (Markus Peherstorfer, derStandard.at/15.02.2008)

  • Die Initiatoren wollen Literatur in die Stadt bringen. Von links nach rechts: Buchhändler Klaus Seufer-Wasserthal, "Leselampe"-Chefin Christa Gürtler, Verleger Jochen Jung.
    foto: literaturfest salzburg

    Die Initiatoren wollen Literatur in die Stadt bringen. Von links nach rechts: Buchhändler Klaus Seufer-Wasserthal, "Leselampe"-Chefin Christa Gürtler, Verleger Jochen Jung.

  • Das Salzburger Literaturfest soll zeigen, wie farbig Sprache sein kann. Von Köhlmeier-Erzählungen bis zum Bücherwühlen an der Salzach reicht das Programm.
    foto: literaturfest salzburg

    Das Salzburger Literaturfest soll zeigen, wie farbig Sprache sein kann. Von Köhlmeier-Erzählungen bis zum Bücherwühlen an der Salzach reicht das Programm.

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