Adobe macht Microsoft zunehmend Konkurrenz

24. Februar 2008, 18:21
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Adobe-Chef Shantanu Narayen im Standard-Gespräch: "Das Beste von Online- und Offlinewelt kombinieren"

Obwohl sie dem ersten Augenschein nach in getrennten Feldern tätig sind, reiben die beiden Softwarekonzerne Adobe und Microsoft immer wieder die Hörner aneinander. Adobe für die Kreativen, Microsoft Office fürs Büro - dennoch wachsen die Konkurrenzfelder, wie beim neuen Adobe-Produkt Air, das Software sowohl online als auch offline zur Verfügung stellt und damit zu einer direkten Microsoft-Konkurrenz werden könnte.

Kein Kommentar

"Es wäre verfrüht, wenn wir die geplante Übernahme von Yahoo durch Microsoft kommentieren", sagt Adobe-Chef Shantanu Narayen im Gespräch mit dem Standard beim Mobile World Congress in Barcelona. "Es geht dabei mehr um die Konkurrenz mit Google und um den Anzeigenmarkt", spielt er die Auswirkungen einer möglichen Fusion auf Adobe herunter.

Online

Aber Adobe hat vielfältige Onlineinteressen, die von einer Übernahme Yahoos durch Microsoft berührt wären. Zuletzt kaufte Adobe das Startup "Buzzword", das auf Basis von Adobe Flash eine Art Online-Office entwickelte, ergänzt durch eine Off-line-Version, damit man auch weiterarbeiten kann, wenn der PC nicht online ist. Dies wird auf Basis von Adobes jüngster Entwicklung "Air" programmiert, die bis zum Sommer auf den Markt kommen soll und damit ein direkter Konkurrent für Microsofts "Silverlight" ist.

Angebot

Bisher sei Software entweder am Desktop zur Verfügung gestanden oder nur online. "Mit Air können dagegen sehr leistungsfähige Applikationen gebaut werden, indem wir das beste beider Welten kombinieren", sagt Narayen. "Ein gutes Beispiel dafür ist der Ebay-Desktop: Der ist immer am eigenen PC-Schreibtisch, aber seine Informationen bekommt er online zugespielt."

Anteile

"Silverlight ist ein Konkurrent für Flash und Air", räumt Narayen ein, "aber wir haben mit Flash 70 Prozent Marktanteil. Durch Verbesserungen wie HD-Video (High Definition), Kopierschutz oder den Adobe Media Player wollen wir diese Stellung halten", erklärt Narayen.

Partner

"Yahoo ist ein sehr großer User von Flash-Video", sagt Narayen, "aber auch MSN (Microsoft Network) ist ein großer Partner", beschreibt er potenzielle Konkurrenzfelder.

Anwendung

Auch wenn Adobe mit Buzzword, "der besten Textverarbeitung da draußen", selbst eine Anwendung für Endverbraucher anbietet, sei es das Ziel von Air und Adobe, "eine Plattform zu sein. Buzzword ist ein großartiger Showcase, wie es funktioniert. Aber Air ist erst dann erfolgreich, wenn es hunderte andere Anwendungen hervorbringt wie im Bereich sozialer Netzwerke, B2B-Anwendungen, wie sie von Salesforce.com und SAP entwickelt werden."

Mobil

Ein weiteres Hoffnungsfeld von Adobe, bei dem es gleichfalls Microsoft ins Gehege kommt, sind Handys. Während Microsoft hier mit Windows Mobile das Betriebssystem liefert, will Adobe mit einer Mobilversion von Flash für die leichtere Bedienbarkeit sorgen und Multimedia-Inhalte aufs Handy bringen.

Umsetzung

"Das Prada-Phone von LG ist komplett mit Flash programmiert, auch das Samsung D900", erklärt Narayen. "Adobe will das vom PC gewohnte Interneterlebnis auch am Handy ermöglichen", und viel Multimedia-Content wie zum Beispiel YouTube beruht auf Flash.

Interaktion

"Nicht immer ist der Browser das beste Vehikel für die Interaktion." Dabei hat Barcelona mit Nokia jetzt den größten Handyhersteller für sich gewonnen: Das kommende N96 wird mit Flash voll kompatibel sein. Und Apples iPhone, das derzeit kein Flash verwendet? "Wir arbeiten mit Apple daran", sagt Narayen, "aber wir können natürlich ihren Zeitplan nicht kommentieren. (Helmut Spudich / DER STANDARD Printausgabe, 15.02.2008)

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Adobe

  • Adobe-Chef Shantanu Narayen
    foto: adobe

    Adobe-Chef Shantanu Narayen

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