Sechs Tote nach Amoklauf an US-Universität

17. Februar 2008, 18:32
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Amokläufer schoss im Hörsaal um sich, 18 Verletzte, Täter beging Selbstmord - Soziologie-Student suchte sich Opfer gezielt aus

DeKalb/USA - Wieder ist eine Universität in den USA zum Schauplatz eines Blutbads geworden: Mitten in einer Vorlesung an einer Hochschule im Bundesstaat Illinois hat ein junger Mann am Donnerstag das Feuer eröffnet und fünf Menschen sowie anschließend sich selbst getötet. Mindestens 18 weitere Menschen seien bei der Bluttat an der Northern Illinois University in DeKalb, rund 100 Kilometer westlich von Chicago, verletzt worden, meldete der Fernsehsender CNN unter Berufung auf die Polizei.

Nach dem "Valentins-Massaker" haben die Behörden die Zahl der Opfer auf fünf nach unten korrigiert. Zuvor war von sechs Opfern die Rede gewesen. Auch gehen die Ermittler inzwischen davon aus, dass er insgesamt vier Waffen bei sich hatte: drei Pistolen und eine Pumpgun. Von zwei der Waffen wisse man, dass sie legal erworben worden seien, sagte der Chef der Campuspolizei der Northern Illinois University in DeKalb, Donald Grady, am Freitag.

Ehemaliger Student der Uni

Nach Angaben von Universitätsdirektor John Peters eröffnete der Schütze kurz vor dem Ende der Vorlesung im Fach Meereswissenschaften am Nachmittag gegen 15.00 Uhr Ortszeit das Feuer. Er sei durch einen unverschlossenen Seiteneingang in den Saal gelangt. Etwa eine Stunde später fand die Campuspolizei die Leiche des Amokläufers. Nach ersten Erkenntnissen handelte es sich bei dem Täter um einen ehemaligen Soziologie-Studenten der Universität. Über das Motiv gab es weiterhin keinerlei Erkenntnisse. "Er war ein hervorragender Student, der von Kommilitonen bewundert wurde", so die Polizei. In den Wochen vor der Tat soll der Amokläufer "launisch" gewesen sein, nachdem er Medikamente abgesetzt hatte.

Der Schütze habe sich seine Opfer anscheinend gezielt ausgesucht, berichteten Zeugen. Unter den Toten sind vier Frauen. "Er war still, er stand einfach vor uns allen da und begann zu feuern", sagt die Studentin Sheila, dem Rundfunksender WBBM. "Ich sah, wie er die Waffe hielt - sie war riesig", fügt sie hinzu. Zunächst habe sie geglaubt, die Waffe sei nicht echt: "Dann habe ich begriffen, dass er wirklich auf Leute schoss, und mich auf den Boden geworfen."

Auch Mitstudentin Kristina Balluff dachte zuerst, es handle sich um eine Waffen-Attrappe. Dann aber habe sie ein gleißend helles Licht an der Mündung gesehen, "wie Feuer", sagte sie der "Sun-Times" aus Chicago. Sie sei zu Boden gestürzt, dann seien ihre Kommilitonen in Panik weggerannt. "Viele schrien laut, alle rannten zum Ausgang", berichtete Zach Seward bei CNN: Beim Wegrennen habe er noch mehr Schüsse gehört. "Ich dachte, vielleicht kriege ich einen Schuss in den Rücken - ich bin so schnell ich konnte in mein Wohnheim zurückgerannt."

Täter besaß drei Schusswaffen

Zunächst wurden nur wenige Einzelheiten über den Täter bekannt, darunter der Bestand seines Waffenarsenals: ein Jagdgewehr und zwei Handfeuerwaffen. "Es war noch Munition da, er hat nicht alles aufgebraucht", sagte der Chef der Campus-Polizei, Donald Grady, vor Journalisten: "Wir haben noch kein mögliches Motiv für die Tat." Der Attentäter war im vergangenen Jahr im Fach Soziologie an der Universität eingeschrieben, wechselte dann aber an eine andere staatliche Bildungseinrichtung, wie Universitätspräsident John Peters sagte. Es gebe keinen Hinweis, dass er bereits auffällig geworden sei.

Vierter Vorfall in einer Woche

Es war bereits die vierte Schießerei an einer amerikanischen Schule binnen einer Woche. Die Universität, die rund 100 Kilometer westlich von Chicago liegt und von etwa 25.000 Studenten besucht wird, war im Dezember für einen Tag geschlossen worden, nachdem die Campus-Polizei rassistische Drohungen und Hinweise auf den Amoklauf an der Universität Virginia Tech aufgetaucht waren. Dort waren im vergangenen April 32 Opfer von einem Amokläufer getötet worden.

Erst am vergangenen Freitag hatte eine Studentin im College von Baton Rouge (Louisiana) zwei Kommilitoninnen erschossen und sich dann selbst getötet. In den USA kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Schießereien und Amokläufen an Schulen und Universitäten, was jedes Mal eine Debatte über die nach Ansicht von Kritikern viel zu laschen US-Waffengesetze auslöste.(APA/AP/dpa)

  • Unter den Toten sind vier Frauen, die sich der Täter offenbar gezielt ausgesucht hat. 18 Menschen wurden verletzt

    Unter den Toten sind vier Frauen, die sich der Täter offenbar gezielt ausgesucht hat. 18 Menschen wurden verletzt

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