Plädoyer für Weißburgunder

14. Februar 2008, 13:19
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Weißburgunder ist eine internationale Sorte und wurde als Underdog-Rebsorte an vielen Plätzen von Chardonnay in den Hintergrund gedrängt. Völlig zu Unrecht

Die Rebsorte kommt aus Burgund, eine Hochburg ist das Elsass in Nordostfrankreich, aber auch in Deutschland, Nordtirol speziell in Südtirol und in Österreich kann Weißburgunder (frz. Pinot Blanc, it. Pinot Bianco) sehr beeindruckende, runde, körperreiche Weine ergeben. Charakteristisch für die Sorte ist ein eher zurückhaltendes Aroma, das jetzt nicht auf den ersten Riecher Stachelbeeren oder Pfirsich / Marille zugeordnet werden kann, aber angenehm duftig sein kann, einen leichtfüßigen Mix aus frischen hellen Früchten verströmt und vor allem im reiferen Zustand mit einem zarten Aroma nach geschälten Mandeln unterlegt ist. In Zeiten wo Auffälligkeit ein Asset ist, tut sich eine zurückhaltende Rebsorte leider schwer. Weißburgunder, vor allem wenn er mit Ambition und Anspruch gemacht wurde, verdient sich in jedem Fall ein mehrmaliges Hineinriechen und Genießen in aller Ruhe. Speziell diese Sorte stand sehr lange im Schatten vom wesentlich trendigeren Chardonnay und findet erst seit der weltweiten ABC-Welle („Anything but Chardonnay“) wieder ganz langsam Anhänger.

Ein Weißburgunder, der in unseren Breiten auch etwas körperreicher ausfallen kann, verdient sich - auch in einem Jungwein orientierten Land wie Österreich - Reifezeit in der Flasche: Die Aromatik wird runder, ausgewogener und legt an Komplexität zu. Gereifter Wein bedeutet nicht, dass die Frische verloren geht, vorausgesetzt es war bei der Produktion Ambition dabei und er ist in der Oberliga angesiedelt. Die Sorte gilt als Universalist, wenn man ihn mit Speisen kombiniert, da er aufgrund seiner Unaufdringlichkeit zu vielen Kochstilen passt. Die Einordnung als „guter Speisenbegleiter“ ist übrigens als Auszeichnung für die hohe Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten zu sehen und keinesfalls als Verlegenheits-Beschreibung für einen Wein, mit dem man wegen seiner zurückhaltenden Eleganz nur wenig anzufangen weiß.

Weißburgunder Seeberg vom Weingut Prieler in Deutsch-Schützen am Leithagebirge zählt zu den herausragenden Vertretern österreichischer Provenienz. Jahrgang 2004 begleitete unlängst die Vorspeisen und den Hauptgang eines Mittagessens im Mesnerhaus in Mauterndorf (schwer zu empfehlen, originell verfeinerte österreichische Küche z.B. Meeresfrüchte-Consommée mit Flusskrebseinlage, Wachtel, Bio-Schweinebauch mit Forellen-Kaviar und Zitronen-Chutney) und schmeckte extra frisch und ausgewogen mit eleganter, zurückhaltender Fruchtigkeit nach Birnen, Zitrusfrüchten und feiner, aber sehr schön wahrnehmbaren mineralischen Aromen. Weißburgunder, als Teil der umfangreichen Burgunderfamilie mag kalkreiche Böden. Seeberg der Prielers ist eine sehr magere Lage, deren sandiger Muschelkalk und Schieferboden sich in den Weinen aus diesem Weingarten, es gibt auch einen reinsortigen Chardonnay, in eleganter Mineralität ausdrückt. Idealtypisch sozusagen. (Luzia Schrampf)

Weißburgunder Seeberg 2004 ist noch im Handel oder in den Weinkarten guter Restaurants zu finden. Der aktuelle Jahrgang 2007 kommt in Kürze auf den Markt. 8 € ab Hof.

Weingut Prieler, Hauptstraße 181
A-7081 Schützen am Gebirge
prieler.at
Mesnerhaus, A-5570 Mauterndorf 56
mesnerhaus.at
  • Weißburgunder Seeberg vom Weingut Prieler in Deutsch-Schützen am Leithagebirge zählt zu den herausragenden Vertretern österreichischer Provenienz.
    foto: prieler

    Weißburgunder Seeberg vom Weingut Prieler in Deutsch-Schützen am Leithagebirge zählt zu den herausragenden Vertretern österreichischer Provenienz.

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