Mit Blau gegen Rot

15. Februar 2008, 17:00
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Kleine Modelabels haben es schwer, das gilt vor allem hierzulande - Nach einer Phase der Stagnation startet Österreichs renommiertestes Modeduo Wendy & Jim jetzt neu durch

Jude Law trägt ihre Sachen und auch Marilyn Manson. Sie zeigen auf den wichtigsten Laufstegschauen der Welt, auf jenen in Paris, und sind in den großen Magazinen vertreten. Eigentlich müsste man annehmen, Helga Schania und Hermann Fankhauser, das Wiener Duo, das hinter Wendy & Jim steckt, hätten es geschafft. Doch dem ist nicht so. Im vergangenen Jahr rutschte Österreichs renommiertestes Avantgarde-Label in die roten Zahlen - nicht unbedingt aus eigenem Verschulden.

Modemarkt Japan

Es ist der lockende, aber auch sehr schwierige japanische Markt, der den beiden seit 2005 zunehmend zusetzt. "Davor verkauften wir 90 Prozent unserer Mode nach Japan, mittlerweile hat sich das Verhältnis umgedreht." Der starke Euro, die Dominanz der großen Marken, die wirtschaftliche Angespanntheit des japanischen Marktes: Das alles ist für kleine, avantgardistische Modelabels zu einem Tanz auf dem Vulkan geworden. Nicht nur für jene aus Österreich.

Modischer Mut wird in unseren Breitengraden zwar mit symbolischem Kapital vergütet, das finanzielle Überleben muss aber anderweitig abgesichert werden. Das war bei Helmut Lang so, und das ist bei all jenen ambitionierten österreichischen Modemarken so, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Japan, also ein Markt, der extrem modeorientiert ist, sichert bzw. sicherte der Avantgarde die Lebensgrundlage - zumindest für eine gewisse Dauer. "Ist man kein Anzeigenkunde, dann landet man auch in Japan irgendwann in der Nische."

Das Problem mit der Kleine

Die finanzielle Größe, Anzeigen schalten zu können, haben Wendy & Jim nie erreicht. Als die beiden Absolventen der Modeklasse der Wiener Angewandten im Oktober 1999 ihre erste Performance-Präsentation in Paris machten, da waren sie die Ersten, die auf dieses ungewöhnliche Format setzten. Mit einem Schlag katapultierten sie sich in den Orbit der internationalen Mode. "Wir sind im genau richtigen Augenblick nach Paris gegangen." Ihrer dekonstruierten Mode wurde applaudiert, die Präsentationsform kopiert. Bald hingen ihre Kreationen in weltweit über 70 Geschäften. "In den ersten fünf Jahren", so Wendy & Jim, "ging es stetig bergauf." Aus der Nische haben sie trotzdem über all die Jahre hinweg nicht herausgefunden. Die Produktion kleiner Kleidermengen in guter Qualität bleibt das kaum zu lösende Problem, ein Investor - so wie etwa das italienische Modeunternehmen Diesel beim Langzeitradikalo Martin Margiela - ist nicht in Sicht. "In Österreich fehlt schlichtweg die internationale Medienöffentlichkeit, die uns dabei helfen würde", sind die beiden überzeugt. Kooperationen wie mit dem Sonnenbrillenhersteller Robert Laroche oder, im Falle Hermann Fankhausers, mit dem Konfektionisten Licona verliefen im Sand. Helga Schania ist seit kurzem Designverantwortliche der neugegründeten Männermodefirma Dick & Jane.

Auf eine Modeschau in Paris verzichteten die beiden bereits in der vergangenen Saison. Im Rahmen der Prêt-à-Porter-Schauen in der letzten Februarwoche werden sie dafür jetzt in Paris ihre neue Jeanslinie präsentieren. In ihr liegen die Zukunftshoffnungen von Wendy & Jim.

Jeans, zweifarbig und c-washed

Genauso wie Calvin Klein mit seiner Zweitlinie CK oder Armani mit Emporio Armani wollen sie mit "New H Denim" - so der Name der Linie - in den Massenmarkt vorrücken. Jeans erscheinen ihnen dafür das richtige Mittel zu sein. Produktionstechnisch bei weitem nicht so anspruchsvoll und vertriebsmäßig wesentlich einfacher, eröffnet sich ein ganz anderer Markt: "Neben Österreich, Deutschland und der Schweiz werden wir uns zunächst auf Italien, Frankreich, Kanada und Schweden konzentrieren." Es wird jeweils fünf Modelle für sie und für ihn geben, von der Röhre bis zur Schlaghose, sie alle sind höher geschnitten und liegen preislich zwischen 110 und 170 Euro. Die imageträchtigeren Modelle werden zweifarbig und c-washed, also marmoriert sein. In den Verkauf werden sie von Juli an kommen.

Vom Label Wendy & Jim wird es derweil nur mehr eine Art Schrumpfkollektion geben: wenige, allerdings sehr hochwertige Teile. Oder wie die beiden passionierten Formel-1-Fans sich ausdrücken: "Wir drehen eine Extra-Runde. Das Rennen aber geht weiter." (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/15/02/2008)

  • Die Jeanslinie "New H Denim" von Wendy & Jim setzt auf zwei Farben. Die ab Juli erhältlichen Hosen werden aber auch in Denim zu haben sein.
    foto: wendy & jim

    Die Jeanslinie "New H Denim" von Wendy & Jim setzt auf zwei Farben. Die ab Juli erhältlichen Hosen werden aber auch in Denim zu haben sein.

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