"Die Firefox-Gemeinschaft kann niemand kaufen"

1. April 2008, 11:51
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Spiegel: Mozilla-Boss Baker im Gespräch über Firefox und die Stiftung - "Börsengang undenkbar" - Näheres zu Firefox 3

Mitchell Baker, Vorstandsvorsitzende der Mozilla-Stiftung und Förderin des stärksten Internet-Explorer-Konkurrenten spricht im Interview mit Spiegel Online über die millionenschwere Stiftung, Zukunftspläne und Sympathisant sowie Konkurrent Google.

Firefox Mobile

Baker erklärt im Gespräch, dass sich Mozilla durchaus als Vorreiter in Sachen Datenschutz, Sicherheit und intuitiver Benutzeroberfläche sieht. Einfache aber nützliche Features und eine individuell anpassbare Addon-Funktion würden für besondere Benutzerfreundlichkeit sorgen, auch bei mobilem Internet. Seit etwa vier Monaten arbeite ein Entwicklerteam in Kopenhagen daran, erste Ergebnisse des Handybrowsers sollen der Öffentlichkeit noch dieses Jahr vorliegen. Technische Details zum Browser gibt es nur wenige, denkbar sei aber die Nutzung von Flash. Zum Einsatz kommet der schlanke Browser voraussichtlich auf Windows-Mobile- und Symbian-Plattformen.

"Wir zeigen lieber, wie Dinge funktionieren, statt sie anzukündigen."

Die Ziele für den Handybrowser wurden hoch gesteckt, Mozilla strebt einen "ordentlichen zweistelligen" Marktanteil an und sieht kein Problem in der Verbreitung. Immerhin handle es sich um ein Open-Source-System was intensiv ausgehandelte und lange Vertragsgespräche unnötig macht. "Wir zeigen lieber, wie Dinge funktionieren, statt sie anzukündigen.", führt Baker dazu aus.

Vorstandsvorsitzende Baker ist zuversichtlich, dass sich der Webbrowser auch auf Mobiltelefon schnell ausbreiten wird. Bereits 130 Millionen Nutzer würden Mozilla schon jetzt vertrauen, warum sollte das später auf dem Handy anders sein. Außerdem sehe man mit Android, ausgehend von Google, trotz Open-Source keine Gefahr. Der Browser bleibe für Entwickler und Anwender trotzdem interessant, immerhin hätte man als Stiftung künftige Probleme im Datenschutz und der Werbung voll im Griff.

Innovationen

Die großen Funktionen des kleinen Browsers werden vermutlich ausbleiben, doch möchte man Entwicklern die Möglichkeit bieten eigene Anwendungen und Services anzubieten, etwa Lesezeichen mit mehreren Geräten zu synchronisieren. Dazu könne die von Mozilla bereitgestellte Plattform "Weaves" genutzt werden. Baker sieht darin die Möglichkeit Lesezeichen zentral zu sichern und diese mit anderen Nutzern zu teilen oder gemeinsam verwalten.

Im Gespräch um Firefox 3 erklärt die Mozilla-Chefin, dass man eng mit Google und Adobe zusammenarbeite um eine neutrale Plattform für die Verknüpfung von Desktop- mit Webanwendungen zu schaffen.

"So eine Gemeinschaft kann man nicht kaufen."

Ein Problem der finanziellen Unabhängigkeit könne sich in naher Zukunft aufgrund der enormen Rücklagen der Mozilla Stiftung nicht ergeben, erklärt Baker. Als Haupteinnahmequelle gilt Google. Zwischen den beiden Parteien gibt es einen Vertrag nachdem pro Firefox-Suchanfrage bezahlt wird, dieser läuft allerdings bereits im November 2008 aus. Ob es einen neuen Vertrag geben wird wollte die Vorstandsvorsitzende nicht Preisgeben. Ein großes Lob an die Firefox-Gemeinschaft sprach Baker am Ende des Interviews als Reaktion auf die Frage aus, ob Mozilla überhaupt nur einen Gedanken daran verschwende an die Börse zu gehen. "So eine Gemeinschaft kann man nicht kaufen." konterte Baker und erklärte, dass man selbst mit den zusätzlichen Einnahmen von der Börse nicht jenen Arbeitsaufwand ausgleichen könnte den freie, unbezahlte Entwickler leisten würden. Derzeit beschäftigt man 150 bezahlte Angestellte bei einem Umsatz von 70 Millionen US-Dollar jährlich. (red)

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    foto: james duncan davidson/o'reilly
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