"Rinderwahn" im Atelier

17. Februar 2008, 18:34
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Fleckvieh im Porträt: Mühlviertler Künstlerin Christa Mayrhofer malt nur Kühe

Linz - Große Augen, lange Beine und am ganzen Körper stark behaart: Die Aktmodelle der Mühlviertler Künstlerin Christa Mayrhofer sind wahre Naturschönheiten. Zugegeben, mitunter riechen die Leinwandgrößen etwas streng und verdauen Nahrung von Natur aus besonders gründlich. Doch für Bewegungsstudien gibt es, zumindest für die Haslacher Malerin, keine besseren Modelle. Christa Mayrhofer malt ausschließlich Kühe - lebensgroß in Öl auf Leinwand. Täglich mehrere Stunden macht es sich die Malerin dafür im Kuhstall der Familie Starlinger zwischen dem Mühlviertler Fleckvieh gemütlich.

"Wenn eine Kuhflade auf den Boden klatscht, dann ist das doch Leben pur. Für mich stinkt es im Stall nicht, ich brauch' diesen Geruch einfach", schwärmt Mayrhofer, während sie einer, sich sichtlich geschmeichelt fühlenden, Kuh zärtlich den Kopf krault. Die Frage nach dem Warum ist schnell beantwortet: "Schauen sie in diese Augen. Sie faszinieren mich einfach." Kuh "Wolke" schleckt anerkennend mit ihrer langen Zunge über die Hand von Christa Mayrhofer. Die Kunst sei aber nicht das fertige Bild, sondern die Arbeit im Stall. "Da tauche ich in eine Farbigkeit ein, die ich in meinem Atelier nie hinbekommen würde. So viele Details kann ich nur vor Ort richtig erkennen: Die Fell-Konturen, Farbe und Muster des Streus, die Gelassenheit der Tiere", schwärmt Mayrhofer.

Pinsel, Farbe und Mut Vegetarierin ist sie dennoch nicht. "Nur mit Kalbfleisch habe ich ein Problem. Da hört sich bei mir das Verständnis auf", sagt Mayrhofer. Wichtig sei, den Tieren mit dem nötigen Respekt entgegenzutreten. "Fakt ist, dass die Kuh vor allem unsere Ernährerin ist. Trotzdem muss man den Tieren stets mit Achtung begegnen", ist Mayrhofer überzeugt.

Bei ihrem Griff zum Kuh-Pinsel muss die Künstlerin in so manchen Kreativ-Momenten auch ordentlich Mut beweisen. "Vergangenen Sommer hat es mir ein Stier auf der Weide angetan. Ich bin mit meiner Staffelei über den Weidezaun geklettert", erzählt Mayrhofer. Und der Mut machte sich bezahlt: Stier-Model "Lancelot" nahm Mayrhofer trotz der unbotmäßigen Annäherung nicht auf seine Hörner und ist dafür heute der Star im gemalten "Kuh-Stall".

Nach einer erfolgreichen Schau in Zürich sind die Kuh-Werke Mayrhofers jetzt erstmals in Österreich zu sehen: Die Wiener Galerie Hrobsky öffnet mit einer Vernissage am 21. Februar den Stall, in der Grazer Galerie Schafschetzy wird ab 14. Februar geweidet. Der Preis pro gemaltem Fleckvieh: 3600 Euro. (Markus Rohrhofer / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.2.2008)

  • Rinderporträt: 3600 Euro kosten die im Mühlviertler Stall gemalten Bilder.
    foto: rohrhofer

    Rinderporträt: 3600 Euro kosten die im Mühlviertler Stall gemalten Bilder.

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