Magistrat genehmigt Aufenthaltstitel - Botschaft verweigert Visum

22. April 2008, 17:10
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Unterschrift zum Glück - Für den "Aufenthalts-Titel" müsste Frau Rana zum Magistrat Linz. Was nicht geht, da ihr die österreichische Botschaft kein Visum gewährt

Linz - Nein, arbeiten kann Riaz Muhammad Rana in seinem Textilgeschäft an der Linzer Landstraße im Moment nicht. "Ich bin mit den Nerven am Ende, kann nicht mehr schlafen und bin völlig verzweifelt", erzählt der Österreicher . Sorgen bereitet dem gebürtigen Pakistani eine durchaus kuriose Behörden-Odyssee. Ranas Frau lebt mit den drei gemeinsam Kindern in Islamabad. Regelmäßig besucht der Linzer Geschäftsmann seine Familie in Pakistan, 2003 beschließt Rana einen Antrag auf Familienzusammenführung zu stellen: "Es hat mich fertig gemacht, ständig von ihnen getrennt zu sein".

"Ein komischer Fall"

Riaz Rana wendet sich an das Linzer Magistrat als zuständige Inlandsbehörde. Die Abteilung Fremdenrecht nimmt das Leben des Pakistani genau unter Lupe. Und entscheidet positiv: "Für Frau Yasmeen Zubia Rana könnte ein Aufenthaltstitel erteilt werden", heißt es in einem Magistratsschreiben.

Kein Visum

Könnte. Für die Ausstellung eines "Aufenthaltstitels in Kartenform" müsste Frau Rana zwecks Unterschrift beim Magistrat Linz persönlich vorstellig werden. Was nicht geht, da die österreichische Botschaft in Islamabad Frau Rana kein Visum gewährt. "Der Herr Rana ist sicher kein leichter Typ und steht sicher nicht unter den Top 100 der Botschafts-Beliebtheitsliste. Warum man seiner Frau kein C-Visum für drei Monate gibt ist mir aber völlig unverständlich. Herr Rana erfüllt alle Kriterien", entgegnet Walther Wohlfartstädter, Leiter der Abteilung Fremdenrecht im Linzer Magistrat, auf Standard-Anfrage.

Vor allem käme die im Fall Rana "schriftlich und völlig korrekt" an das österreichische Außen- und Innenministerium sowie die Botschaft in Islamabad ergangene Verständigung der Inlandsbehörde fast schon einem Aufenthaltstitel gleich. "Wenn die Inlandsbehörde zustimmt, gelten auch für ein Visum lockere Bestimmungen", so Wohlfartstädter. Es trennt Frau Rana also nur eine Unterschrift von einem, wenn auch auf ein Jahr begrenztes, legalen Leben in Österreich.

Verständigung des Linzer Magistrats

In der österreichischen Botschaft in Islamabad gibt man sich auf Standard-Anfrage zu geknöpft: "Wir dürfen dazu nichts sagen. Nur so viel: Es ist ein bisschen ein komischer Fall". Eine offizielle Verständigung des Linzer Magistrats sei im Übrigen "nie eingetroffen", heißt es aus der Botschaft. Auch beim österreichischen Außenministerium weiß man nichts von solch einem behördlichen Schreiben aber man werde der Botschaft zu einem "Gespräch mit dem Linz Magistrat" raten. "So ein Blödsinn, natürlich gibt es dieses Schreiben", entgegnet Wohlfartstädter.

Riaz Ranna versteht die (Behörden-)Welt nicht mehr: "Was kann ich noch tun. Ich bin doch kein Krimineller, ich will nur zu meiner Familie". (Markus Rohrhofer/ DER STANDARD Printausgabe 14.2.2008)

  • Riaz Rana will ein Familienleben in Österreich
    foto: rohrhofer

    Riaz Rana will ein Familienleben in Österreich

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