Ein Haus mit Innenleben: "Das Waisenhaus/El orfanato"

18. Februar 2008, 11:56
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Langfilmdebüt des jungen Spaniers Juan Antonio Bayona, produziert vom Gruselspezialisten Guillermo del Toro

Die Geschichte folgt alten Genrevorgaben: Eine Kleinfamilie bezieht ein neues Domizil. Es ist ein ehemaliges Waisenhaus, großzügig und nahe am Meer gelegen, in dem die Mutter (Belén Rueda) selbst als Kind gelebt hat, bevor sie adoptiert wurde. Sie möchte hier ein neues Kinderheim errichten. Bald hat Sohn Simón (Roger Príncep) neue, unsichtbare Freunde. Eine mysteriöse alte Frau macht ihre Aufwartung.

Die Vorgeschichte des idyllischen, doch entlegenen Hauses scheint ein dunkles Geheimnis zu inkludieren. Eigenartige Vorfälle häufen sich, und schließlich verschwindet das Kind und bleibt auch noch nach Monaten unauffindbar. Die verzweifelte Mutter will die Suche jedoch nicht aufgeben. Das Waisenhaus/El orfanato heißt das Langfilmdebüt des jungen spanischen Regisseurs Juan Antonio Bayona, das mit Guillermo del Toro (zuletzt Pans Labyrinth) auch ein Gruselspezialist produziert hat.

Die fantastische Genreerzählung wird darin – über weite Strecken schlüssig – mit einem realistisch gefärbten psychologischen Drama verknüpft (nicht von ungefähr werden sowohl Parapsychologen als auch Psychotherapeuten zu Rate gezogen). Insofern hält sich auch der visuelle Horror in Grenzen, die wenigen drastischen Schreckmomente sind tatsächlich punktuell und effektiv gesetzt, vor allem wird hier über atmosphärische Komponenten Unruhe verbreitet. (irr / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.2.2008)

Jedem sein Element
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US-Schauspielerin Katherine Heigl, bekannt als Assistenzärztin Isobel Stevens aus der TV-Serie "Grey's Anatomy", gibt es in ihrem jüngsten Hollywood-Film leider recht billig: 27 Dresses (Regie: Anne Fletcher) ist eine einfallslose Romantic Comedy, die außer der finalen Verehelichung der Heldin wenig im Schilde führt. Außerdem neu: das erstklassige französische Gesellschaftsdrama Der Wert des Menschen/La question humaine von Nicolas Klotz sowie Paul Thomas Andersons wuchtiges Leinwandepos There Will Be Blood, in dem Daniel Day-Lewis nach einer Romanvorlage von Upton Sinclair den profitablen Verheißungen des Ölgeschäfts erliegt; die altbackene Komödie Mein bester Freund/Mon meilleur ami von Patrice Leconte, in der sich Daniel Auteuil einen solchen erst suchen muss, und der US-Thriller Mr. Brooks - Der Mörder in dir (Regie: Bruce A. Evans) mit Kevin Costner sowie das letzte Aufgebot für John Rambo - von und mit Sylvester Stallone. (irr)
  • Eine verzweifelte Mutter muss sich der eigenen Vergangenheit stellen: "Das Waisenhaus" von Juan A. Bayona.
    foto: senator

    Eine verzweifelte Mutter muss sich der eigenen Vergangenheit stellen: "Das Waisenhaus" von Juan A. Bayona.

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