Verrückendes im Stadtraum

17. Februar 2008, 18:34
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"Respektiere mich" im Rahmen von "city of respect" im Linzer Kunstraum Goethestraße

Augenhöhe ist der Idealzustand, den es zu erreichen gilt - Dialog ist ein Weg dorthin. "Respektiere mich", fordern im direkten Augenkontakt sechs Linzer ein. Im Rahmen von "city of respect", dem Motto des Kunstraums Goethestraße für 2008, zieren ihre Porträts Citylights und Plakate, Bus- und Bimstationen, Auslagen von Lokalen und Geschäften. "Im Wort Toleranz ist eine Asymmetrie drinnen. Damit wollen wir absolut nicht arbeiten", erklärt Susanne Blaimschein, die gemeinsam mit Beate Rathmayr den Kunstraum Goethestraße leitet. Eine city of respect, wie sie der Kunstraum 2008 mit Eingriffen im Stadtraum umreißen will, ist eine Stadt, die ihren Bewohnern zubilligt, die Möglichkeiten zur Lebensgestaltung mündig zu nutzen. - Als nächste Aktion sollen Freiräume in der Stadt regelrecht erschrien werden. Schauspieler Thomas Pohl wird ab März mit Schülern ausrücken, um Dinge und Denken zu ver-rücken, genauer gesagt, um neue Sichtweisen auf das "Ver-rücktsein" im Vergleich zum "Norm-alsein" anzubieten.

Psychosoziale Themenstellungen sind für den Kunstraum nicht ungewöhnlich, denn er ist kein Raum für Kunst im "klassischen" Sinn, sondern eine zu 70 Prozent vom oberösterreichischen Sozialverein pro mente (Gesellschaft für psychische und soziale Gesundheit) geförderte Einrichtung. Heuer - im zehnten Jahr des Bestehens - setzten die Kulturwissenschafterin Blaimschein und die Künstlerin und Kuratorin Rathmayer nun aber die 2006 begonnene Neupositionierung in die Tat um. Früher sei man zwischen reinen Kunstprojekten und der Kunst im sozialen Feld, dem kreativen Output von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen "hin- und hergehoppelt". Nun ist die Zweigleisigkeit zugunsten einer "Schnittmenge, die bei allen Projekten mitgedacht wird" endgültig aufgelöst.

Engagierte und intelligente, gesellschaftspolitische Statements, die sich bewusst im mit vielen Migranten belebten und in Verruf geratenen Neustadtviertel verorten und die mehr - unter anderem mediale - Aufmerksamkeit verdienen. (kafe / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.2.2008)

Kunstraum Goethestraße Goethestraße 30, 4020 Linz

Link: www.kunstraum.at

  • Eines von sechs Citylight- und Postkartenmotiven, die Respekt im Miteinander einfordern: Augenhöhe bedeutet mehr als Toleranz.
    foto: kunstraum goethestraße

    Eines von sechs Citylight- und Postkartenmotiven, die Respekt im Miteinander einfordern: Augenhöhe bedeutet mehr als Toleranz.

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