"Teilzeitstudium Sache der Unis"

13. Februar 2008, 18:52
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Wissenschaftsminister Hahn im STANDARD-Interview: Unis müssen Halbe-Halbe selbst finanzieren

Johannes Hahn (ÖVP), Wissenschaftsminister, will keine niedrigeren Studiengebühren für Berufstätige politisch von oben festlegen. Jeder Uni sei freigestellt, Teilzeitstudien anzubieten, sagt er zu Lisa Nimmervoll.

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Standard: Welche Form des Teilzeitstudiums mit reduzierten Teilgebühren wollen Sie denn nun wirklich?

Hahn: Ich habe einen relativ simplen Vorschlag gemacht, dem man folgen kann oder auch nicht, weil es schon jetzt in der Kompetenz jeder einzelnen Universität liegt, auf Teile der Studiengebühr zu verzichten, wenn man will. Das passiert ja schon heute bei Behinderten oder fallweise bei Drittstaatenstudierenden. Die Idee war, wer nur halb studiert, zahlt nur die Hälfte der Studiengebühr. Das ist organisatorisch relativ leicht zu erfassen. Die berufstätigen Studierenden müssen sich vorab entscheiden, ob sie Teilzeit studieren oder nicht. Man kann nicht während des Semesters hin- und herhupfen und sagen, jetzt hab ich grad mehr Zeit, jetzt bin ich doch Vollzeitstudierender.

Standard: Heißt das, Sie wollen die Frage "Teilzeitstudium, ja oder nein?" in die Autonomie der Unis verlagern?

Hahn: Natürlich. Es ist eine Sache der einzelnen Unis. Das ist ja auch eine Austauschrelation zwischen Studierenden und Universität. Es wird weniger Leistung in Anspruch genommen, also war die Idee, dass man dafür auch weniger zahlt. Ich weiß schon, das ist mein tägliches Brot: Kaum mache ich einen Vorschlag, heißt es, ja, das ist gut, aber nur wenn ich ihn bezahle. Aber ich lasse mir meine Kreativität nicht nehmen.

Standard: Zur Präzisierung: Sie streben keine Lösung an, die für alle Unis gilt, sondern sie wollen Einzellösungen, wo jede Uni für sich entscheiden kann, ob sie ein Teilzeitstudium mit Teilgebühren anbieten will oder nicht.

Hahn: Genau das ist der Punkt. Wir werden im Zuge der nächsten Leistungsvereinbarungen als Schwerpunkt auch formulieren, dass die Universitäten eine höhere Attraktivität entwickeln müssen, was berufsbegleitendes Studieren anbelangt. Bei den Fachhochschulen sind wir da schon sehr erfolgreich, das ist ja ein dezidierter Schwerpunkt, mit der Konsequenz, dass mittlerweile ein Drittel aller Fachhochschulstudierenden berufsbegleitend studiert. Und wenn ich die Bologna-Architektur ernst nehme und konsequent weiterverfolge, dann geht das ja auch stark in die Richtung, dass zwischen Bachelor und Master durchaus berufliche Erfahrung stehen kann und soll. In diese Richtung sollten sich unsere Universitäten entwickeln.

Standard: In welcher Hinsicht?

Hahn: Das fängt an bei organisatorischen Angeboten, geht über zusätzliche Qualifizierung der Lehrenden, weil es einen Unterschied macht, ob ich 40-Jährigen vortrage oder 20-Jährigen, und dazu gehört logischerweise auch die Frage der Studiengebühr. Darum kann ich den Horrorziffern über Einnahmenausfälle nicht folgen, weil ich das ja auch als Chance der Universitäten auf zusätzliche Einnahmen sehe. Aber das soll jede Uni für sich entscheiden.

Standard: Es wird also kein politisch festgelegtes Teilzeitstudium geben?

Hahn: Nein.

Standard: Die Uni, die es anbieten will, kann es tun, muss aber auch in Kauf nehmen, dass Sie den Einnahmenentfall nicht ersetzen werden?

Hahn: So ist es.

Standard: Rektorenchef Badelt forderte im Standard, dass den Unis das fehlende Geld durch Teilzeitstudien aber ersetzt werden muss. Von Ihnen wird sicher kein Ausgleich finanziert?

Hahn: Nein, weil es wird ja auch weniger Leistung angeboten, denn Badelts Betreuungsverhältnisse an der WU, die er immer anführt, beziehen sich ja immer auf Professoren. Wenn er alle seine Lehrenden nimmt, kommen wir schon auf eine sehr ordentliche Größenordnung von 1 zu 19. Der OECD-Schnitt ist 1 zu 17. So gesehen steht auch die WU nicht so schlecht da.

Standard: Die Rektoren sagen, die Unis würden mit halber Studiengebühr für Berufstätige "nur verlieren", weil sie ja trotzdem nicht weniger Lehrveranstaltungen anbieten könnten, die Studierenden würden nur auf die günstigere Gebühr umsteigen. Darin bestehe Ihr "großer Denkfehler".

Hahn: Das wissen wir erst, wenn wir es ausprobiert haben. Die Betreuungsrelationen würden sich ja verbessern. Wie gesagt, mein "Denkfehler" bestand vielleicht darin, dass ich geglaubt habe, ich kann eine Idee haben, die ich nicht selber zahlen muss.

Standard: Finden Sie diese Zersplitterung nicht bedenklich, dass Teilzeitstudien dann völlig autonom angeboten werden? Oder sehen Sie darin ein Wettbewerbsinstrument der Unis?

Hahn: Es kann ja auch Teil der Profilbildung sein. Wir haben eine Universität, die Donau-Uni, die eine Weiterbildungsuniversität ist. Und vielleicht kristallisieren sich noch Universitäten heraus, die sich von ihrer Profilbildung her besonders für Weiterbildung empfehlen, und andere, denen das nicht so wichtig ist. (DER STANDARD Printausgabe, 14. Februar 2008)

  • "Kaum mache ich einen Vorschlag, heißt es, ja, das ist gut, aber nur, wenn ich ihn bezahle", sagt Wissenschaftsminister Johannes Hahn. Etwa halbe Studiengebühr für Berufstätige. Die wird er sicher nicht zahlen.
    foto: standard/hendrich

    "Kaum mache ich einen Vorschlag, heißt es, ja, das ist gut, aber nur, wenn ich ihn bezahle", sagt Wissenschaftsminister Johannes Hahn. Etwa halbe Studiengebühr für Berufstätige. Die wird er sicher nicht zahlen.

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