Strom aus Kleidung gewinnen: Neue Nanotechnik macht's möglich

25. Februar 2008, 17:14
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US-Forscher entwickeln spezielles Gewebe, das genug Energie erzeugen würde, um etwa ein Mobiltelefon zu betreiben

London - Kleidung, die von sich aus elektrischen Strom erzeugt: Dieser Errungenschaft sind US-amerikanische Wissenschafter einen deutlichen Schritt näher gekommen. Die Forscher haben dazu ein spezielles nanotechnisches Verfahren entwickelt. Schon der Herzschlag des Trägers, Schritte oder ein leichter Wind würden ausreichen, um winzige, an textilen Mikrofasern angebrachte Nanodrähtchen zu bewegen und aus deren Verformung Strom zu gewinnen. Die Wissenschafter haben ihre Entwicklung in der aktuellen Ausgabe des britischen Fachjournals "Nature" (Bd. 451, S. 809) veröffentlicht.

Mechanische Energie wird zu Strom

Zhong Lin Wang und Kollegen vom Georgia Institute of Technology in Atlanta (US-Staat Georgia) ließen für das Verfahren Zinkoxid-Nanodrähte sternförmig an Textilfasern wachsen und verarbeiteten diese Fasern dann zu Garn. "Indem zwei Fasern sich verhaken und die Nanodrähte bewegen, wird mechanische Energie mittels eines piezo-elektrischen Halbleiter-Prozesses in Elektrizität umgewandelt", erläutern die Forscher.

Der bereits Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte Piezoeffekt beschreibt die Eigenschaft mancher Kristalle, bei Verformungen eine elektrische Spannung zu erzeugen. Das wird heute in zahlreichen Geräten ausgenutzt, darunter Tintenstrahldrucker, Quarzuhren und elektrische Feuerzeuge.

Ein Quadratmeter erzeugt 80 Milliwatt

Etwa ein Quadratmeter ihres Stoffs würde ausreichen, um bis zu 80 Milliwatt Strom zu erzeugen - genügend für elektronische Kleingeräte wie Handys, berichten die Wissenschafter. Aber auch kleine militärische Sensoren seien denkbar. Das Verfahren sei so robust, dass die damit ausgerüsteten Stoffe hochbeweglich, faltbar und vor allem - etwa als "Power-Shirt" - tragbar seien. Eine weitere mögliche Anwendung dieser Technik wären Zeltleinwände, die Strom für Camper produzieren. (APA/red)

  • Mikroskopische Aufnahme der Nanofasern, deren Verformung Strom liefert.
    foto: georgia institute of technology/zhong lin wang and xudong wang

    Mikroskopische Aufnahme der Nanofasern, deren Verformung Strom liefert.

  • Schematische Darstellung des textilen Nanogenerators.
    foto: georgia institute of technology/zhong lin wang and xudong wang

    Schematische Darstellung des textilen Nanogenerators.

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