Galaxie ohne Dunkle Materie - Astronomen sind ratlos

25. Februar 2008, 13:00
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Der 15 Millionen Lichtjahre entfernte Spiralnebel NGC 4736 kommt offenbar gut ohne sie aus, warum das so ist, bleibt aber unklar

Krakau/Wien - Eine Galaxie ohne Dunkle Materie stellt Wissenschafter derzeit vor ein großes Rätsel. Völlig abweichend von den "üblichen" Verhältnissen im restlichen Weltall konnten bei dem rund 15 Millionen Lichtjahre entfernten Spiralnebel NGC 4736 (M 94) keine Anhaltspunkte gefunden werden, die auf Vorhandensein jenes ominösen Nichts' hindeuten.

Die Astronomen Joanna Jalocha, Lukasz Bratek and Marek Kutschera von der polnischen Akademie der Wissenschaften in Krakau bestätigten auf der Grundlage verschiedener Messungen zwar, dass die Galaxie offenbar bloß aus sichtbaren Sternen und Staub besteht. Was hinter dem Phänomen steckt, ist jedoch auch ihnen unklar.

Die Annahme, dass ein erheblicher Teil der Materien im Universum unsichtbar ist, ergibt sich unter anderem aus Beobachtungen von fernen Galaxien. Berechnungen zeigen für die meisten Systeme, dass vor allem die Sterne in den äußeren Bereichen eigentlich davon fliegen müssen, da die Schwerkraft der sichtbaren Masse rein rechnerisch nicht ausreicht, um die Fliehkraft der Sterne zu kompensieren.

Dunkle Materie notwendig

Die Wissenschafter haben dafür die Dunkle Materie postuliert, die sich nur durch ihre Schwerkraft bemerkbar macht. Auch für die Entstehung von Galaxien dürfte neuen Annahmen zufolge die Dunkle Materie verantwortlich zeichnen.

Im Falle von NGC 4736 liegen die Verhältnisse aber anders. In dieser Galaxie nimmt die Rotationsgeschwindigkeit vom Zentrum nach außen hin deutlich ab, die Masse des sichtbaren Materials reicht als Gegengewicht für die Fliehkräfte aus.

Unerklärlich

Die polnischen Astronomen haben alternative Berechnungen angestellt, bei der auch die Dichte des Wasserstoffes als Basis diente. Selbst dabei kamen die Wissenschafter zu dem Ergebnis: NGC 4736 enthält keine Dunkle Materie. Eine Erklärung für das offenbar fehlende Material in der Galaxie steht bisher aus.

Der Astrophysiker Jürg Diemand von der University of California in Santa Cruz, USA, bleibt vorerst skeptisch: "Wenn das Papier korrekt ist, könnte diese Galaxie tatsächlich keine oder nur sehr wenig Dunkle Materie aufweisen. Aber das wäre sehr überraschend." Diemand verweist auf zahllose Berechnungen und Beobachtungen, die die Existenz Dunkler Materie in Galaxien beweisen würden.

"Die momentane Annahme ist die, dass sich Galaxien im Inneren von Halos aus Dunkler Materie entwickeln. Die Gravitation dieser Materie zieht normales Gas an, das sich schließlich zu Sternen formiert," meint Diemand. "Ohne diese Dunkle Materie ist die Entstehung einer Galaxie nach aktuellem Wissenstand nicht erklärbar; ebenso wenig, wie die Dunkle Materie verschwinden kann, ohne dass die Galaxie dabei zerstört wird. Eine Galaxie ohne Dunkle Materie passt einfach nicht in unser momentanes kosmologisches Verständnis." (APA/red)

  • NGC 4736 ist offenbar anders, als die übrigen Galaxien. Das Fehlen der Dunklen Materie bringt die Kosmologen in Erklärungsnotstand.
    foto: wikipedia

    NGC 4736 ist offenbar anders, als die übrigen Galaxien. Das Fehlen der Dunklen Materie bringt die Kosmologen in Erklärungsnotstand.

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