"Keine Prügel in den Weg legen"

14. Februar 2008, 13:14
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Um vor der EU-Kommission mit einer Stimme zu sprechen, haben sich mehrere Derivate-Verbände zusammengeschlossen

Die Europäische Union will sich den Markt für strukturierte Produkte genauer anschauen. Um vor der EU-Kommission mit einer Stimme zu sprechen, haben sich mehrere Derivate-Verbände zusammengeschlossen. Das Ziel: Produkte einfach und vergleichbar machen.

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"Je mehr sich Produkte an eine breite Masse wenden, desto lauter wird der Ruf nach Regularien, sagt Friedrich Strobl, Vorsitzender des Vorstandes vom Zertifikate Forum Austria und Leiter der Abteilung für strukturierte Investments bei der Volksbank. Das sieht offenbar auch die EU-Kommission so, die sich den Markt für strukturierte Investments genauer anschauen will. Um einen ersten Überblick zu bekommen, wurde im Rahmen eines "Call for Evidence" im Jänner ein Fragenkatalog an die Emittenten verschickt, am Ende dieses Prozesses könnte eine EU-Richtlinie stehen.

"Die Regeln der EU dürfen nicht so gestaltet werden, dass das Wachstum des Marktes behindert wird", sagt Strobl zum STANDARD. Daher hat sich das heimische Zertifikate Forum mit den Derivate-Verbänden aus Deutschland, Italien und der Schweiz zusammengeschlossen, um die Interessen der Branche auf europäischer Ebene zu vertreten.

Konkret wollen die Verbände für eine faire Behandlung der Zertifikate – etwa auf steuerlicher Ebene – eintreten und Baustellen wie die derzeitige steuerliche Ungleichbehandlung, etwa von Indexzertifikaten im Vergleich zu Fonds oder ETFs, angehen. Auch das Maß an Transparenz bei Fonds und Zertifikaten soll angepasst werden.

Risikobewertung als Standard

Um strukturierte Investments besser miteinander vergleichen zu können, will Strobl die Risikokennzahl "Value at Risk" (VaR) als Standard einführen. "Damit können Anleger bewerten, wie viel Risiko ihr Portfolio auf aktueller Basis aufweist", erklärt Strobl. Auch verschiedene Assetklassen und Investmentprodukte könnten dadurch besser miteinander verglichen werden.

Bei der VaR-Methode handelt es sich um eine Methode, die aufgrund historischer Daten ermittelt, wie hoch das zukünftige Verlustrisiko eines Investments ist. Das Ergebnis ist eine Zahl, die (in Geldeinheiten) das statistische Verlustrisiko ausweist und so verschiedene Anlageprodukte vergleichbar macht. Strobl: "Der Vorteil bei der Value-at-Risk-Methode ist, dass das Risiko während der gesamten Laufzeit berechnet werden kann und nicht wie bisher nur zum Emissionszeitpunkt beschrieben wird."

Zertifikate können ob ihrer Struktur schnell zugelassen werden und Trends damit rasch handelbar machen. Das ist ein Grund dafür, warum Zertifikate sich so schnell etablieren konnten – und der Fonds-Konkurrenz ein Dorn im Auge sind. Strobl: "Zertifikate sind starre Produkte, sie werden aufgelegt und bleiben bis zum Ende der Laufzeit unverändert. Ein Fonds ist flexibel und kann laufend verändert werden. Diese Flexibilität gehört überwacht." Der Zertifikate-Markt ist in Österreich im Vorjahr stark gewachsen. Das Marktvolumen der fünf führenden Zertifikate-Emittenten Österreichs (Volksbank, Raiffeisen Centrobank, Sal. Oppenheim, Erste Bank und Bank Austria Creditanstalt) legte knapp 20 Prozent bzw. 891 Millionen Euro auf 5,6 Milliarden Euro zu. Bei einem geschätzten Marktanteil der fünf Mitglieder von 70 Prozent ergibt dies ein Gesamtvolumen bei Privatanlegern inklusive Zinsprodukten von knapp unter zwölf Milliarden Euro. Damit hat das Volumen im Vergleich zum Jahr davor um rund zwei Milliarden Euro zugelegt. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.02.2008)

  • Friedrich Strobl: "Regeln dürfen das Wachstum des Marktes nicht behindern."
    foto: standard/christian fischer

    Friedrich Strobl: "Regeln dürfen das Wachstum des Marktes nicht behindern."

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