"Kapital ist schnell und sucht nach Ertrag"

14. Februar 2008, 13:12
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Warum Schweizer Privatbanken von der Subprime-Krise so stark getroffen wurden, erklärt Vontobel-Österreich-Chef Marcel Landesmann im STANDARD-Interview

Der Kampf um österreichische Privatkunden wird härter. Dafür lockt das Geschäft in Osteuropa. Warum gerade die Schweizer Privatbanken von der Subprime-Krise so stark getroffen wurden, erklärt Vontobel-Österreich-Chef Marcel Landesmann. Nachgefragt hat Bettina Pfluger.

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STANDARD: Die Sorge um die Konjunktur ist derzeit omnipräsent. Fürchten sich Ihre Kunden auch?

Landesmann: Ja natürlich, wir haben gerade eine Marktsituation, wo es sehr viele Unsicherheiten gibt und noch keine klare Sicht. Wir raten unseren Kunden, gute Werte nicht zu verkaufen. Für einen Einstieg ist die Zeit aber noch nicht reif.

STANDARD: Die Schweizer UBS hat bisher den größten Verlust aus der Subprime-Krise eingefahren, auch die Credit Suisse leidet. Wie kommt es, dass die Schweizer Banken so getroffen werden?

Landesmann: Die Credit Suisse war eigentlich immer stark amerikanisiert, da verwundert es nicht, dass sie auch bei diesen Papieren stark engagiert waren. Überraschender ist eher, dass es dieses Mal umgekehrt ist und eine Bank (UBS, Anm.), die als sicherste und konservativste gilt, so ein großes Exposure hatte.

STANDARD: Wenn Privatkunden vorsichtiger werden, ist das ein Indikator für die Konjunktur?

Landesmann: Gerade wenn man es mit privatem Vermögen zu tun hat, merkt man schnell die Sorgen der Kunden. Natürlich hat man Sorge, wie weit die Finanzkrise auf die Wirtschaft umschwappt. Unser Geschäft ist von den Märkten getrieben, und Sprünge von fünf, sechs Prozent pro Tag hat es bisher nicht gegeben. Unsicherheit stört die Anleger, und noch immer ist unklar, wie viele schlechte Kredite noch ans Licht kommen.

STANDARD: Vontobel blieb von der Subprime-Krise verschont. Haben Sie diese Strukturen nicht interessiert oder einfach Glück gehabt?

Landesmann: Ein bisschen Glück ist immer dabei. Wir haben solche Produkte aber immer angelehnt. Dafür gab es keine Genehmigung von der Bank aus Zürich. Aber Kapital ist extrem schnell und sucht nach Erträgen, wir konnten uns der Entwicklung nicht ganz entziehen. Auch bei unseren Depots gibt es Verluste.

STANDARD: Die Finanzkrise dauert schon mehrere Monate. Was erwarten Sie für das laufende Jahr?

Landesmann: Dieses und das nächste Quartal werden sicher noch sehr schwierig sein. Wir warten die Bilanzen der Banken ab und hoffen, dass es gegen Ende des zweiten Quartals besser aussieht.

STANDARD: Haben Sie in dieser Zeit der Unsicherheit auch Kunden gewinnen können?

Landesmann: Ja, das Geschäft läuft gut. Dass wir jetzt aber einen massiven Zufluss von Kunden haben, wäre keine ehrliche Behauptung.

STANDARD: Die Rothschilds kommen mit einer Filiale zurück nach Österreich, Crédit Suisse startet eine Offensive auch Richtung Osteuropa. Gibt es noch Platz im heimischen Markt?

Landesmann: Ja. Aber es ist mehr ein Verteilungskampf, als dass viel neues Vermögen lukriert wird. Die Osteuropa-Komponente hat Österreich bisher schon sehr gut genutzt. Wir haben lange gesucht und jetzt auch ein Osteuropa-Team aufgestellt.

STANDARD: Wie viel Geld muss man haben, um bei Ihnen Kunde zu werden?

Landesmann: Die Durchschnittssumme liegt bei zwei Millionen Euro. Wir haben aber auch Kunden, wo der Betrag geringer ist. Das sind oft Kunden, die die Bank testen, oder Kinder von langjährigen Kunden. Als Richtlinie kann man 500.000 Euro nennen.

STANDARD: Wie groß ist die Konkurrenz zwischen den vielen Privatbanken in Österreich?

Landesmann: Enorm, es kommen ja laufend neue Banken, und damit brechen auch Strukturen auf. Immer wenn ein neuer Player auf den Markt kommt, überlegen sich Kunden, ob sie bei der richtigen Bank sind. Ich habe in den letzten Jahren viele Kunden akquiriert, die zehn, zwanzig Jahre bei einem anderen Institut waren. Viele Kunden wollen ihr berufliches und privates Geld trennen. Das Konzept der Hausbank bricht auf.

STANDARD: Matcht man sich in Ihrem Bereich auch über Konditionen und Produkte?

Landesmann: Absolut. Es kommt immer wieder vor, dass Kunden sagen, dass sie nach Strategien suchen, die wir dann nicht anbieten können – und diese Kunden verweisen wir an Kollegen. So haben wir aber auch schon viele Kunden bekommen.

STANDARD: Wie groß ist das Kundenpotenzial für Sie in Österreich?

Landesmann: Ich kenne dazu keine genauen Zahlen. In Westeuropa ist es wie gesagt mehr ein Verteilungskampf, in Osteuropa wird hingegen frisches Geld lukriert. Deswegen ist dieser Markt auch so spannend.

STANDARD: Wie schützt man sein Portfolio vor Verlusten, macht es sicher gegen die Inflation?

Landesmann: Dafür gibt es leider keine Zauberformel. Das ist alles eine Frage von Risiko und Ertrag.

STANDARD: Was macht ein Private Banker während der EURO 2008, wo doch Österreich und die Schweiz Austragungsorte sind?

Landesmann: (lacht) Wir versuchen, Karten zu bekommen und die Märkte ein bisschen zu vergessen.

STANDARD: Ihre favorisierte Partie?

Landesmann: Frankreich – Italien. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.02.2008)

Zur Person
Marcel Landesmann (41) ist seit September 2004 im Vorstand der Bank Vontobel Österreich und leitet das Private Banking in Wien. Zuvor war der Kunstliebhaber in der Wiener Repräsentanz der Bank Julius Bär, die er seit 1996 geleitet hat. Der Betriebswirt war auch als CFO in einem Familienunternehmen tätig, sowie in verschiedenen Funktionen im Private Banking von Schweizer Banken in New York.
  • Was macht ein Private Banker während der EURO 2008, wo doch Österreich und die Schweiz Austragungsorte sind? Landesmann: "Wir versuchen, Karten zu bekommen und die Märkte ein bisschen zu vergessen."
    foto: standard/regine hendrich

    Was macht ein Private Banker während der EURO 2008, wo doch Österreich und die Schweiz Austragungsorte sind? Landesmann: "Wir versuchen, Karten zu bekommen und die Märkte ein bisschen zu vergessen."

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