Ukrainischer Befreiungs-Rock

13. Februar 2008, 13:45
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Die ukrainische Band Haydamaky gastiert am Freitag in der Szene Wien

Der Zauber der Ostromantik lässt die Welt nicht mehr aus seinen Fängen. Spätestens seit dem Erscheinen von Wladimir Kaminers "Russendisko" ist der nämliche Stil zu einem Siegeszug durch die Welt aufgebrochen, und er lässt sich wohl nur mit jenem von Sushi durch die westliche Küche vergleichen. Etwas fasziniert den Durchschnittseuropäer an der slawischen Seele, die so leicht vor Wut überkocht, wie sie vor Trauer gefriert. Nicht zuletzt ist auch ein klein wenig Neid mit im Spiel: Die mitteleuropäische Ordnung beneidet die östliche Lebensfreude.

Haydamaky, die kommenden Freitag in der Szene Wien gastieren, schlagen genau in diese Kerbe: Ska, Punk, Red Hot Chili Peppers, Stimmungsschwankungen und traditionelle ukrainische Instrumente. Gegründet kurz nach dem Fall des Realsozialismus, großgeworden in den Tagen der "orangen Revolution" in Kiew, besinnt sich die ukrainische Band auf bäuerliche Wurzeln, die zwischen Kolchosen und Fünfjahresplänen verschüttgegangen waren. Rock als Ausdruck der Befreiung - 2008 kann es das nur noch im Osten geben. Mit dem neuen, auf Eastblok Music erschienenen Album Kobzar (unter diesem Namen zogen mittelalterliche Barden durch die Orte), dessen Titel der eines ukrainischen Nationalepos ist, und ihrem von Bauernaufständischen entliehenen Namen stimmen sie durchaus nationalistische Töne an. In ihrem "Carpathian Ska" ergänzen sich die Denkweisen der Kulturen, wie es besser kaum passen könnte. (mlim, DER STANDARD - Printausgabe, 13. Februar 2008)

Szene Wien
Hauffgasse 26
1110 Wien
15.2., 20 Uhr
  • Lebens- und Spielfreude: die ukrainische Band Haydamaky, live am Freitag in der Szene Wien.
    foto: haydamaky

    Lebens- und Spielfreude: die ukrainische Band Haydamaky, live am Freitag in der Szene Wien.

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