"Die kleinen KMUs hat man vergessen"

12. Februar 2008, 20:05
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Die Forschungsförderung darf sich nicht auf Großbetriebe konzentrieren, meint VTÖ-Präsident Wolfgang Rupp im STANDARD-Interview

Die Forschungsförderung darf sich nicht auf Großbetriebe konzentrieren, sagt Wolfgang Rupp. Der Präsident des Verbands der österreichischen Technologiezentren (VTÖ) will Klein- und Mittelunternehmen wettbewerbsfähig machen. Jutta Berger sprach mit ihm.

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STANDARD: Es gibt insgesamt neunzig regionale Impulszentren in Österreich. Was haben die Regionen davon?

Rupp: Technologiezentren in den Regionen erbringen für innovative Gründer und Klein- und Mittelunternehmen Dienst- und Beratungsleistungen. Beim Technologietransfer zwischen Universitäten und KMUs treten die Zentren als Mittler und Dolmetscher auf.

STANDARD: Lässt sich der Nutzen für die Regionen eigentlich quantifizieren?

Rupp: Das kann man am Beispiel Oberösterreich aufzeigen. Eine Studie über die volkswirtschaftliche Bedeutung der Technologiezentren des Linzer Ökonomen Friedrich Schneider belegt, dass durch die Investitionen in die Zentren 1600 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Das oberösterreichische BIP wurde um 180 Millionen Euro erhöht.

STANDARD: Oberösterreich ist eines von neun Bundesländern. Wie sieht die Situation in den anderen acht aus?

Rupp: Die Szene in Österreich ist eine sehr heterogene. Das reicht von reinen Immobilienprojekten bis zu sehr engagierten Zentren, etwa in der Steiermark, wo über 50 Prozent der Mieter Gründer sind.

STANDARD: Der VTÖ fordert eine einheitliche regionale Innovationsstrategie. Wie könnte die aussehen?

Rupp: Wir wünschen uns von der Politik, dass die vielen einzelnen Strategien abgeglichen werden. Es muss nicht unbedingt eine einheitliche Strategie sein, weil sich die Bundesländer doch stark in ihrer Wirtschaftsstruktur unterscheiden.

STANDARD: Gibt es länderübergreifende Zusammenarbeit?

Rupp: Der VTÖ hat ein Pilotprojekt mit acht Zentren aus Tirol, Oberösterreich, Steiermark und Burgenland gestartet. Mit dem Projekt wollen wir zeigen, dass wir mindestens 30 kleine und mittlere innovative Unternehmen, die bislang noch keinen Kontakt zu Forschungseinrichtungen hatten, in die nationalen und europäischen Programme einbringen können. Ziel ist, dass sie ihre Innovationsprojekte gefördert umsetzen können. Das ist mehr als die reine Schnupperaktion des Innovationsschecks.

STANDARD: Was kann das VTÖ-Projekt besser als der ministerielle Scheck?

Rupp: Innovationsschecks sind als kleine Appetizer sehr gut. Man muss aber sehen, dass ein Kleinunternehmen keine Forschungsabteilung, selten eigene Experten für Innovation und Technologietransfer hat, sich also bei der Umsetzung schwer tut. Da können die Technologiezentren mit ihren gut ausgebildeten TZ-Managern helfen.

STANDARD: Muss sich außer der Forschungspolitik auch die Wirtschaftspolitik ändern?

Rupp: Der alte Lissabon-Prozess ist unter anderem deshalb gescheitert, weil man sich viel zu sehr auf die Förderung von Hightech konzentriert hat, die vielen kleinen KMUs hat man vergessen. Sogar die Europäische Kommission hat letztes Jahr festgestellt, dass die KMUs 99 Prozent der Betriebe ausmachen, aber nur zwölf Prozent der staatlichen Beihilfen bekommen. Den Großteil bekommen Großbetriebe und die nationalen Forschungschampions. Wir brauchen nicht nur Exzellenz an der Spitze, sondern auch Qualität in der Breite. Momentan lässt sich aber Hightech besser verkaufen als inkrementelle Innovationsprozesse zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit bei KMUs.

STANDARD: Wer soll umdenken?

Rupp: Auf europäischer Ebene beginnt man bereits umzudenken, auch die OECD denkt um. Ich hoffe, dass man auch auf nationaler Ebene reagiert. Zur Illustration Zahlen aus Deutschland: Siemens hat seit den 1970er-Jahren 2,4 Milliarden Euro an nationalen Förderungen bekommen, Daimler Chrysler 351 Millionen Euro, Infineon 245 Millionen. Aber wo bleiben die KMUs? Mein großer Vorwurf an die Politik ist: Für wenige KMUs wird sehr viel getan, für die große Masse aber zu wenig.

STANDARD: Welche Rolle könnten da Technologiezentren spielen?

Rupp: Wir müssen KMUs wettbewerbsfähiger machen. Das geht nur in kleinen Schritten. Ich kann sehr schwer ein dreijähriges Forschungsprojekt im 7. Rahmenprogramm mit einem KMU machen. So ein Unternehmen hat nicht die Kapitaldecke dazu. Die meisten KMUs sind Familienunternehmen, die glauben, dass sie weder externe Investoren noch Venture Capital brauchen. Also müssen sie weiter mit Krediten finanzieren. "Basel II" ist da zur österreichischen Steuergesetzgebung noch eine weitere Draufgabe.

STANDARD: Ist Kritik an der betriebswirtschaftlichen Effizienz mancher Technologiezentren berechtigt?

Rupp: Eine Studie über die betriebswirtschaftliche Nachhaltigkeit wird Ende März fertig sein. Ich kenne die Ergebnisse nicht. Was man aber sagen kann: Zentren, die weit weg von Metropolen sind, tun sich schwerer.

STANDARD: Weil sie unterfinanziert sind?

Rupp: Wahrscheinlich.

STANDARD: Wer soll das ändern?

Rupp: Die Gesellschafter der Zentren und die regionale Wirtschaftspolitik. Es reicht nicht, Zentren hinzustellen. Man muss ihnen auch über nationale Ausschreibungen die Chance geben, an Programmen teilzunehmen. Das BMVIT hat momentan das Gegenteil vor. Die Aktion REGplus, mit der Geld über die Zentren in die Regionen gekommen ist, läuft aus. Dieses Wettbewerbsverfahren hat sehr gut funktioniert, man will es aber nicht verlängern. Da schaut es für manche Zentren schlecht aus. Die Länder, aber auch der Bund, werden sich überlegen müssen, was sie tun werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.2.2008)

Zur Person
Wolfgang Rupp (53), gebürtiger Burgenländer, ist Vorstandsvorsitzender des Verbands der Technologiezentren Österreichs (VTÖ) und geschäftsführender Gesellschafter der Firma Pannonian Development Partners in Neusiedl, eines Beratungsunternehmens, das sich als virtueller Inkubator versteht und vor allem Klein- und Mittelbetriebe bei der Umsetzung neuer Geschäftsideen begleitet. Als akkreditierter "Basel II"-Berater hat er sich auf Unternehmenssicherung und Risk-Management spezialisiert.

Rupp war 1997 für die Errichtung des Technologiezentrums Eisenstadt und für die Gründung des Business and Innovation Center (BIC) Burgenland verantwortlich und bis 2007 auch dessen Geschäftsführer.

Zuvor war der Physiker (TU Wien) am Atominstitut der österreichischen Hochschulen und bei internationalen Medizintechnik-Firmen tätig. (jub)
  • Abwarten, bis sich für Klein- und Mittelbetriebe die Situation ändert, will Wolfgang Rupp, Technologie- und KMU-Experte aus dem Burgenland, nicht. Er bietet mit dem VTÖ Forschungs- und Entwicklungshilfe an.
    foto: lisi gradnitzer

    Abwarten, bis sich für Klein- und Mittelbetriebe die Situation ändert, will Wolfgang Rupp, Technologie- und KMU-Experte aus dem Burgenland, nicht. Er bietet mit dem VTÖ Forschungs- und Entwicklungshilfe an.

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