Mit Gravitations-Linse eine der ersten Galaxien des Universums entdeckt

25. Februar 2008, 13:00
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"Hubble"-Teleskop spürte mit A1689-zD1 zugleich eine der am weitesten entfernten Galaxien auf - Distanz: rund 13 Milliarden Lichtjahre

Garching - Mit Hilfe des Gravitationslinsen-Effektes hat das "Hubble"-Weltraumteleskop eine der ersten Galaxien des Universums aufgespürt. Die Forscher waren überrascht, als sie ein Objekt entdeckten, dessen Licht rund 13 Milliarden Jahren unterwegs war; damit dürfte die Galaxie vorerst einmal auch die fernste sein, die je beobachtet worden ist. Sie entstand etwa 700 Millionen Jahre nach dem Urknall, am Ende des sogenannten Dunklen Zeitalters im Kosmos, wie das europäische "Hubble"-Zentrum am Dienstag in Garching bei München mitgeteilt hat.

Das Weltraumteleskop konnte die ferne Sterneninsel nur dank jenes Effekts der Allgemeinen Relativitätstheorie beobachten, der bewirkt, dass elektromagnetische Strahlung von massereichen Objekten im All abgelenkt wird. Der nahe Galaxienhaufen Abell 1689 beugt mit seiner gigantischen Masse das Licht hinter ihm stehender, ferner Himmelsobjekte und vergrößert damit ihre Abbilder wie eine natürliche Lupe.

Erst diese Gravitations-Lupe rückte die Ur-Galaxie ins "Hubble"-Blickfeld. Das Infrarot-Weltraumteleskop "Spitzer" lieferte zudem starke Hinweise für ein Aufflammen zahlloser neuer Sterne in der Galaxie, die nur ein Bruchteil der Masse unserer Milchstraße hat.

Blick in die Zeit zurück

Wegen der enormen Entfernung bedeutet die Beobachtung auch einen weiten Blick zurück in der Zeit. Die ferne Sterneninsel gehörte demnach vermutlich zu jenen ersten Galaxien, mit denen das sternenlose Dunkle Zeitalter nach der Geburt des Universums zu Ende ging.

Nach den aktuell gültigen Theorien begann das Dunkle Zeitalter rund 400.000 Jahre nach dem Urknall. Durch die Ausdehnung des Alls kühlte es ab und es bildeten sich Wolken aus kaltem Wasserstoff, die wie dichter Nebel durch das Universum zogen. Nach dieser Abgekühlungsphase herrschte nach Vorstellung der Kosmologen einige hundert Millionen Jahre lang sozusagen absolute Finsternis im Weltall.

Erst danach ballten sich die Wasserstoffwolken zu ersten Sternen und in weiterer Folge zu den ersten Galaxien zusammen. Man nimmt heute an, dass das "dunkle Zeitalter" etwa eine Milliarde Jahre nach dem Urknall zu Ende war. (APA/red)

  • Der Galaxienhaufen Abell 1689 wirkt wie eine Linse. Erst durch diesen relativistischen Effekt konnte die ferne Galaxie A1689-zD1 entdeckt werden.
    foto: nasa; esa; l. bradley (johns hopkins university); r. bouwens (university of california, santa cruz); h. ford (johns hopkins university); and g. illingworth

    Der Galaxienhaufen Abell 1689 wirkt wie eine Linse. Erst durch diesen relativistischen Effekt konnte die ferne Galaxie A1689-zD1 entdeckt werden.

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