Redezwang eines Rasen-Rambos

12. Februar 2008, 18:17
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Er labert eine Sie mit seinem verpfuschten Leben voll - Theater praesent Innsbruck

Er labert eine Sie mit seinem verpfuschten Leben voll. Diese wenig nennenswerte Konstellation erhält in Albert Ostermaiers Ersatzbank Konturen dadurch, dass die Frau ein Stück Klebeband überm Mund und der Mann eine Schusswaffe zur Verfügung hat, sowie durch Lebensweisheiten vom Schlage: "Wenn du verletzt bist, musst du bei Bayern sein."

Das Baudrillard- und Tertullian-gestählte gescheiterte Fußballtalent hält seine Schalterhallen-Betty-Boop im Schwitzkasten, und das Bedürfnis, sich auszubreiten, ist größer als jenes nach Abzugsverhandlungen: Der Klingelton der Außenwelt wird weggedrückt. Erst noch muss Uwe (Harald Haller) die Fouls seines Lebens nachspielen. Kurze Störmanöver wie jenes, wenn die geistesgegenwärtige Geisel (Agnieszka Wellenger) sich einen Moment der Waffe bemächtigt, irritieren den Erzähler kaum. Dasselbe gilt für die Streifschüsse, die gegen Ende des Stücks (Regie: Susi Weber, theater praesent) lautlos, aber Blut fließen lassend, von draußen eintreffen. Erst als die Übertragung eines fatalen Matchs beendet ist, geht der ramponierte Rasen-Rambo zu Boden: mitten in der wirklichen Bank-Austria-Creditanstalt-Filiale, zwischen Kassaraum und "Betreuungscenter 1", zwischen den Ständern mit den tiefroten Prospekten "Sparen ohne Buch" und "Je früher, desto besser die Pension". (pen, DER STANDARD/Printausgabe, 13.02.2008)

>> Theater praesent in der BA-CA Maria-Theresien-Straße 36, Innsbruck. Nächste Vorstellung: 18. 2. Bis 28. 2.
  • Reden hilft. Das verhinderte Fußballtalent Uwe (H. Haller) gesteht seiner Geisel (A. Wellenger) Lebensfouls.
    foto: theater praesent

    Reden hilft. Das verhinderte Fußballtalent Uwe (H. Haller) gesteht seiner Geisel (A. Wellenger) Lebensfouls.

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