Handy-Boom sorgt für Umsatzrückgang bei Tele2 Österreich 2007

21. Februar 2008, 10:17
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Größter alternativer Telekom-Anbieter erreicht gerade einmal ausgeglichenes Ergebnis - Auch Mutterkonzern unter Erwartung - Analysten: Tele2 könnte Deutschland-Geschäft abstoßen

Der anhaltende Handy-Boom hat den größten Telekomanbieter in Österreich nach der Telekom Austria, die auf Festnetz fokussierte Tele2, weitere Kunden und Umsätze gekostet. Der Umsatz sei 2007 von rund 300 auf 280 Mio. Euro zurückgegangen, erklärte Tele2-Sprecher Jörg Wollmann auf APA-Anfrage. Die Zahl der Teilnehmer sank von knapp einer Million auf 900.000.

Ausgeglichen

Übrig blieb unterm Strich ein ausgeglichenes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA), nach einem leichten operativen Gewinn im Jahr davor. Dadurch, dass das Unternehmen (früher Tele2UTA) einige ausgelagerte Bereiche wieder ins Unternehmen zurückgeholt hat, ist die Zahl der Mitarbeiter dennoch von 370 auf über 400 gestiegen.

Im österreichischen Mobilfunk ist Tele2 zwar mit eigener Vorwahl "0688" präsent, tritt dabei aber nur als Wiederverkäufer auf, als sogenannter Mobile Virtual Network Operator (MVNO) - und das wenig erfolgreich. Wie aus der am Dienstag veröffentlichten Konzernbilanz hervorgeht, hat das Unternehmen im vierten Quartal dort 50 Mio. schwedische Kronen EBITDA-Verlust verbucht. Wie berichtet, will das Unternehmen jetzt seinen Kundenstamm im Mobilfunk für 65 Mio. schwedische Kronen (6,90 Mio. Euro) an die Telekom Austria abtreten - unterm Strich wäre das dann laut Konzern ein Nullsummen-Geschäft. Die Zustimmung der Kartellwächter ist aber noch ausständig. Ein Verfahren vor dem Kartellgericht läuft.

Resale

Weiter verloren hat Tele2 in Österreich auch bei den reinen Festnetz-Resale-Kunden. Alleine im vierten Quartal ist hier die Zahl der Teilnehmer neuerlich um 34.000 zurückgegangen, die Umsätze im Segment brachen von 268 auf 180 Mio. Kronen ein, das EBITDA von 88 auf 26 Mio. Kronen. Der Unternehmenssprecher verwies dabei auch einmal mehr auf das umstrittene Festnetz-Mobilfunk-Internet-Paket des Hauptkonkurrenten Telekom Austria (TA) im Weihnachtsgeschäft. Dies habe sich massiv auf die Sparte ausgewirkt, so Wollmann. Die Alternativen hatten erfolglos eine Untersagung der TA-Aktion gefordert. Sie warfen dem ehemaligen Monopolisten Preisdumping vor. Die Aktion habe lediglich einen riesigen Kundenwechsel ausgelöst, dem Markt insgesamt jedoch "überhaupt nichts gebracht", kritisierte Wollmann.

Direkt

Wettgemacht hat Tele2 die Rückgänge zum Teil mit einer Ausweitung der Direktanschlüsse von Kunden vor allem mit Breitband-Internet-Anschlüssen. In dem Bereich sind im vierten Quartal 13.000 Neukunden dazugekommen. Auch wenn die neuen Internet-Angebote im Mobilfunk weiter boomen würden, gebe es nach wie vor eine Nachfrage nach Breitband-Anschlüssen im Festnetz. Die dafür entbündelten Kunden brächten Tele2 mehr Umsatz als die früheren Resale-Dienste, erklärte Wollmann. Daher sieht sich das Unternehmen für die Zukunft trotz des Rückgangs bei den Gesamtkundenzahlen gut aufgestellt.

Die schwedische Konzernmutter hat unterdessen im vierten Quartal weniger verdient als vom Markt erwartet. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sei um vier Prozent auf 1,564 Mrd. schwedische Kronen gestiegen, teilte Tele2 am Dienstag mit. Dies war zwar etwas mehr als im Vorjahr (1,51 Mrd. Kronen), lag aber unter den Analystenschätzungen von 1,7 Milliarden. Dürftiger als erhofft soll auch die Ausschüttung an die Aktionäre ausfallen. Tele2 will eine Dividende von 3,15 Kronen je Aktie zahlen plus eine Sonderausschüttung in Höhe von 4,70 Kronen - verbunden mit der Rückkaufmöglichkeit von zehn Prozent der Aktien. Die Tele2-Aktie rutsche am Dienstag (bis 12 Uhr) mit minus 5 Prozent auf 115,5 Kronen an das Ende des schwedischen Leitindex.

Mobilfunk

Sorgen bereite insbesondere die Margenentwicklung der Mobilfunksparte in den skandinavischen Ländern. "Nachdem sowohl TeliaSonera als auch Tele2 schwache Ergebnisse in diesem Bereich geliefert haben, sieht das nicht mehr nur nach einem schwachen Quartal aus, sondern eher wie ein negativer Trend", sagte ein Analyst. Beide konzentrierten sich stark auf das Neukundenwachstum und das gipfele in einem Preiskampf, den keiner gewinnen könne. Zudem seien auch die Probleme auf dem deutschen Markt noch weit von einer Lösung entfernt. Die Experten gehen jetzt davon aus, dass Tele2 sein Deutschlandgeschäft verkaufen könnte: "Eine Überprüfung der Sparte ist bereits angekündigt. Das Hauptproblem dürfte sein, einen passenden Käufer zu einem annehmbaren Preis zu finden." (APA)

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