"Menschenhandel ist Folter"

13. Februar 2008, 13:37
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Die britische Schauspielerin Emma Thompson auf der Regierungsbank in Wien - präsentiert Installation gegen Frauenhandel

Auf "Kuchenessen in Wien" freut sich die britische Schauspielerin Emma Thompson ganz besonders. Aber deshalb ist sie nicht hier. Die Oscarpreisträgerin verfolgt in Wien ein weitaus ernsthafteres Ziel: Es geht um den Kampf gegen den Menschenhandel, insbesondere gegen den Frauenhandel.

"Menschenhandel ist Folter", postuliert die renommierte Menschenrechtsaktivistin Helen Bamber. Zusammen mit ihr und Antonio Costa, dem Chef der UN-Behörde für Drogen und Kriminalität, präsentierte Thompson am Dienstag die von ihr kuratierte Installation "The Journey" auf dem Heldenplatz. Hier wird aus einer künstlerischen Perspektive die Geschichte eines Opfers in allen Etappen erzählt, vom Anfang in einem tristen moldawischen Dorf bis zum hoffnungslosen Ende in einem Bordell in Westeuropa. Die Installation, ein langer, von außen mit Graffiti besprühter Container, steht dem Publikum bis Samstag offen.

Nicht traumatisieren

Den künstlerischen Zugang findet Thompson wichtig, um "die Zuschauer nicht zu traumatisieren, sondern sie zum Engagement zu bewegen." Da es sich bei dem Opfer um eine moldawische Frau handelt, ist Thompson auf die Reaktionen der Wiener gespannt. Schließlich sei Wien näher dran am Menschenhandel aus Osteuropa als London, wo die Installation ein großer Erfolg war.

In einer von Glamour beherrschten Gesellschaft will Thompson ihren Zugang zu den Medien sinnvoll nutzen, um Opfern von Menschenrechtsverletzungen eine Stimme zu geben. Zuvor müsse man aber die Opfer angehört und verstanden haben. Thompson betonte, dass zwischen erzwungener und freiwilliger Prostitution unterschieden werden müsse. In beiden Fällen müsse jedoch der Schutz der betroffenen Frauen höchste Priorität genießen.

Vorrang für Opferschutz

Die Beratungsstelle für Migrantinnen aus Lateinamerika (LEFÖ) legt den Schwerpunkt ebenfalls auf Opferschutz. Bei einer Pressekonferenz sprach sich die frühere österreichische Frauenministerin Helga Konrad für verstärkte Zusammenarbeit zwischen NGOs und Regierungen aus. Um gute Betreuung für die Opfer zu gewährleisten, müssten die NGOs von den Regierungen mehr finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt bekommen, forderte Konrad. Grenzschutz, Ausweisungen und Polizeiarbeit, das sei nicht genug, ein umfassenderer Ansatz sei notwendig. Konrad verwies auf Italien, wo es bereits staatliche Opferschutzprogramme gebe.

Menschenhandel im Allgemeinen und Frauenhandel im Besonderen sind Themen, die am Wiener Forum zur Bekämpfung des Menschenhandels, der bisher größten UN-Konferenz zu diesem Thema, von heute, Mittwoch, bis Freitag im Austria Center Vienna aus verschiedenen Blickrichtungen diskutiert werden.

Interessierte können inzwischen die Installation "The Journey" (bis Samstag täglich zwischen 10 und 18 Uhr) besichtigen. Thompson betont: "Eine Reise wie 'The Journey' sollte niemand machen; aber den Kampf gegen dieses Verbrechen zu führen ist eine Reise, die jeder antreten sollte." (Mascha Dabic, Elizabeth Assmann/DER STANDARD – Printausgabe, 13.2.2007)

Lesen Sie weiter:
Wiener Forum zu Menschenhandel

Link zur Konferenz:

www.ungift.org

  • Antonio Costa, Chef der UN-Behörde für Drogen und Kriminalität, und die britische Schauspielerin Emma Thompson präsentierten "The Journey", eine Installation gegen den Menschenhandel.
    foto: heribert corn

    Antonio Costa, Chef der UN-Behörde für Drogen und Kriminalität, und die britische Schauspielerin Emma Thompson präsentierten "The Journey", eine Installation gegen den Menschenhandel.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Thompson fordert mehr Schutz für Mädchen und mahnt Verantwortung der Freier ein.

  • Ein Blick in eine jener Stationen, die den Leidensweg eines Opfers markierten.
    foto: standard/corn

    Ein Blick in eine jener Stationen, die den Leidensweg eines Opfers markierten.

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