Sängerknaben befürchten Verzögerungen beim Baubeginn

31. März 2008, 15:55
1 Posting

Bürgerinitiative plant weitere Protestaktionen unter dem Motto "Augarten statt Baugarten" - Bauverhandlungen drohen in die Länge gezogen zu werden

Wien - Die Wiener Sängerknaben rechnen mit Verzögerungen rund um die geplante Errichtung einer Konzerthalle am Augarten-Spitz (Ecke Castellezgasse/Obere Augartenstraße): "Es steht zu befürchten, dass sich durch Einsprüche der Anrainer die Bauverhandlungen in die Länge ziehen werden", sagte Sprecherin Anna Weingant. Die Einreichung der Baugenehmigung, die dem Start von Verhandlungen vorausgehen muss, sei noch nicht erfolgt, hieß es.

Ursprünglich war die Einreichung der Baugenehmigung für Februar vorgesehen. Ob dieser Zeitplan eingehalten werde, könne man derzeit noch nicht sagen: "Es gibt jedenfalls noch keinen Termin", so Weingant. Darüber, wie lange sich etwaige Verzögerungen bei den darauffolgenden Verhandlungen gestalten könnten, wollte die Sprecherin keine Schätzung abgeben. "Die Sängerknaben haben herzlich wenig Erfahrungen mit derart großen Bauprojekten", betonte sie.

Das Wirtschaftsministerium hatte Mitte Dezember den Sängerknaben grünes Licht gegeben, einen eigenen Konzertsaal in das Areal des Augartens (2. Bezirk), der Bundeseigentum ist, zu bauen. Das Filmarchiv und die Viennale, die sich mit einem geplanten Filmkulturzentrum ebenfalls für den Standort beworben hatten, gingen leer aus. Heftige Kritik folgte nicht nur von Teilen der Stadtpolitik, sondern vor allem von Anrainern. Eine Einigung zwischen den Streitparteien ist weiterhin nicht in Sicht.

Gemeinsamer Leitbildprozess

Der Verein "Freunde des Augartens" hält etwa an seiner Forderung fest, es dürfe keine Einreichung der Baugenehmigung erfolgen, solange der gemeinsame Leitbildprozess über den betroffenen Standort nicht abgeschlossen ist. "Da gibt es von uns sicher keine Kompromissbereitschaft", versicherte Weingant. Schließlich könne es ewig dauern, bis Ergebnisse vorlägen. Man wolle allerdings weiter an den regelmäßigen Treffen der Leitbildgruppe teilnehmen.

Bürgerinitiativen planen einstweilen weitere Protestaktionen. "Im Notfall" seien auch Besetzungen des Areals geplant. Am 17. Dezember hatten Bürgerinitiativen erstmals zu einer öffentlichen Protestkundgebung vor den Augarten-Spitz geladen. Auch rechtliche Mittel, etwa die Möglichkeit des Einspruchs während der Bauverhandlungen, würden Anrainer in Anspruch nehmen. "Aus unserer Sicht ist noch nichts entschieden", zeigte sich Daniela Kraus, Obfrau der "Freunde des Augartens", zuversichtlich.

Weniger Hoffnung macht sich Filmarchiv-Leiter Ernst Kieninger: "Die Sache scheint juristisch und politisch erledigt zu sein", meinte er zu möglichen Chancen, das Filmkulturzentrum doch noch in den Augarten zu reklamieren. Es gebe allerdings massive Bedenken seitens der Bevölkerung, und auch Fragen in Sachen Denkmalschutz seien noch zu klären. Bezüglich eines alternativen Standorts ortete Kieninger "keine operative Bewegung". Stadt und Bund übten sich in "auffälliger Zurückhaltung".

Er und Viennale-Chef Hans Hurch würden in den nächsten Wochen das weitere Vorgehen besprechen. Darüber hinaus gelte es, auch die Sponsoren von einem neuen Standort zu überzeugen. Diese hätten sich sehr enttäuscht über die Augarten-Entscheidung gezeigt, so Kieninger. Den Vorschlag von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny, das Filmkulturzentrum auf der Donauplatte zu errichten, lehne man weiterhin ab. "Dieser Standort ist ein Entwicklungsgebiet der Stadtplanung. Unser kleines Kulturprojekt ist sicher nicht geeignet, um eine völlige Neupositionierung des Areals einzuleiten", betonte der Filmarchiv-Chef. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Künstlich Welt beim Augarten? Bürgerinitiative spricht sich dagegen aus.

Share if you care.