Schlangenblut-Obstler am Mekong

Redaktion, 11. März 2008, 17:00
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    foto: reuters/kham

    Diese Mokassinschlange in Vietnam schaut dem Tod ins Auge.

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    Diese hat das Zeitliche gesegnet und erfährt in einem Restaurant in Le Mat - auch "Snake Village" genannt - das gleiche Schicksal wie viele ihrer Artgenossen.

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    Sie alle enden als Hauptgericht auf dem Teller. Oder sie werden zum Zwecke der Potenzsteigerung als Medizin verabreicht.

Kollege Fidler tut ja grad so, als sei in Vietnam das Essen nicht zum Fressen. Jakob Winterberger weist das zurück und verputzt viele, viele Reptile

Der Kollege fid tut ja in Mann beißt Hund grad so, als sei in Vietnam das Essen nicht zum Fressen: Die Schlange "kein wirklicher Höhepunkt", der Hund "zähes Schwein".

 

Einspruch! Alle, die zumindest in einschlägigen Lokalen in Wien zu Gast waren, wissen, wozu die Vietnamesen fähig sind. Wer das Land und vor allem seine Märkte bereisen durfte, wird das, zumindest kulinarisch gesehen, ohnehin nie vergessen.

Tote Hose, lebender Hund

Wobei, zugegeben: Hund hat unsereins in Hanoi – wo die Hundeesser fröhliche Urständ’ zu feiern pflegen – nie gegessen. Das ist irgendwas mit den Mondphasen. Hund isst man nur bei ab- oder war es bei zunehmendem Mond? Die geneigten User werden es schon konkretisieren oder zumindest googeln. Und wann immer unsereins (so ein schönes Wort) das einschlägige Viertel in Vietnams Hauptstadt aufsuchte, war dort allenfalls tote Hose zu finden, aber kein toter Hund, zumindest wurde keiner kredenzt.

Aber die Schlangen! Und, noch einmal zugegeben: Die folgenden Aufzeichnungen basieren nur auf sehr vagen (wenn auch guten) Erinnerungen. Trara, es folgt: Schlangendinner in Ho-Chi-Minh City, Winter 2002.

Vietnams Spittelberg

Die erste kulinarische Bekanntschaft mit der Schlange mochte auch mich nicht überzeugen: Ein Touri-Lokal in Hoi-An, Vietnams Spittelberg quasi („Oh, look, Jason! Those cuuuute houses!“), kredenzte uns zähe Fleischbrocken, gewürzt offenbar mit Kotanyi-Currypulver, als Beilage überkochter Reis und dazu, von einer Bier-Hostess eifrig angepriesen, „Tiiigeeer Beeer“. Man sollte halt bei „333“, vulgo „Bia Ba Ba“, bleiben.

Aber kein Grund zur Kapitulation. Wenn die Vietnamesen dauernd von Schlange reden, meinen sie sicher keine Kotanyi-Pampe. Also heißt es, die Einheimischen unseres Vertrauens beim Wort zu nehmen (kleiner arroganter Einschub: keine Hoteliers oder Tour-Operators, sondern Verwandte von vietnamesischen Freunden in Wien) und sich von ihnen ins Schlangenlokal ihres Vertrauens führen zu lassen.

Schlangenschlachtung

Das liegt am Wasser. Keine Ahnung mehr, wo. Mekong, we suppose. Jedenfalls sehr idyllisch nahm man auf einer gedeckten Terrasse Platz, und als Störfaktoren kamen nur 1) der Käfig mit lebenden Schlangen unterschiedlicher Größe gleich hinter der lieblichen Hong-Mai und 2) der Tisch mit einer sehr aufgeräumten, waschechten vietnamesischen Familie gleich nebenan, die irgendetwas intensiv feiern wollten, in Frage.

1) War im Laufe des Abends kein Problem, weil die Schlangen, die 2) serviert bekam, nicht dem nämlichen Käfig entnommen wurden. Nein, jene Tiere, die nur wenige Meter von uns vor den Augen aller aufgeschlitzt wurden, auf dass ihr Blut gründlich mit Schnaps vermischt werde, den die Herren des aufgeräumten Tisch runterkippten wie einen X-beliebigen Obstler, jene Tiere jedenfalls, die kamen von irgendwo anders. Wir hingegen verzichteten auf den Schlangenblutbranntwein (was ich heute ein wenig bedaure – man lebt wahrscheinlich nur einmal), griffen aber zum opulenten Schlangenmenü. Eine Show war die Schlangenschlachtung aber allemal.

Mariniert auf Lotussprossen

Welche Tiere sie uns da auftischten, und woher sie kamen – im Käfig hinter Hong-Mai blieb der Abend ohne weitere Ereignisse – wir haben es nie herausgefunden (oder auch nicht gefragt – woher soll man auch wissen, dass Jahre später ein Fressblog dräut?). Unvergesslich aber bleibt etwa der Salat von roh marinierter Schlange mit (an? auf?) Lotussprossen: So etwas isst man hier allenfalls mit Flusskrebserln und anderem Grünzeugs, aber sicher nicht so zart säuerlich-pikant. Selten ist ein Stück Fleisch so widerstandslos auf der Zunge zergangen.

Es folgten mehrere deftige Gänge Schlange, mehr oder weniger durchgegart, immer zart bis zum Abwinken, reichlich mit frischem Grünzeug garniert und so subtil gewürzt, dass man sich den Geschmack nicht einmal durch eine Kühlbox Bia ba ba (die Vietnamesen haben im Event-Restaurant ihre Flüssignahrung gern unter dem Tisch stehen) verderben lassen wollte.

Diskreter Schlangenrülpser

Was man an diesem Abend auch lernen konnte: Der Vietnamese schmatzt beim Essen – wenn es ihm denn gut schmeckt. Frauen, egal welcher Nationalität, sollten das indes lieber lassen. Die würden aber auch nie Schlangenblutschnaps trinken. Oder?

Der Abend fand dann noch ein grandios-postkoloniales Ende: Im Liegestuhl unter Vollmond (hätte man in Hanoi Hund bekommen?), mit einer Kokosnuss plus Strohhalm in der Hand, der Mekong plätscherte dahin, und aus den Lautsprechern säuselten französische Chansons ("Paroles!"). "We like it here", raunte Hong-Mai, diskret einen Schlangenrülsper unterdrückend. Oh, so did we. Und wenn der Mond mal richtig steht, werden wir auch noch die Hunde-Vorurteile des Kollegen fid widerlegen.

*) Anm. des Redakteurs: Der Plural Reptile (statt Reptilien) ist laut Duden Fremdwörterbuch selten, aber zulässig.

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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hapalo
11

habs leider erst jezt gesehen ein selten verantwortungslose und erbaermlicher artikel ueber die kulinarischen heldensagen uebersaettigter europaer... neben tierschutz problemen ist vorallem auch die enorme entnahme von schlangen aus der natur in asien ein riesen problem... auch schon zu zeiten der reise bekannt

herr hofrat
00
schlangen lebendig aufschlitzen und schnaps drüber giessen!

was für ein genuss!

bei manchen menschen ersetzt der mageninhalt offensichtlich das gehirn.

thalia wars
00
30.5.2008, 10:09
ja wenn die dummheit grenzen setzt...

dann fängt das krank-sein an...
wie zivilisiert ist mensch wenn er neben allen köstlichkeiten die ihm zur verfügung gestellt werden zur schlange greift...das ist echt nur mehr bobo oder schlechter standard journalisten sch***...

wie wärs nächstes mal mit etwas das bitte nichts mit TIERQUÄLEREI zu tun hat. !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Pyotr Alexeyevich
11
15.3.2008, 21:05
Tierleid vs. Kotany-Curry

Schön, dass es den Herrn Winterberger und seinen Tischgenossen kein "Störfaktor" war, dass die Tiere unter Höllenqualen zu Tode kommen, bevor sie "widerstandslos auf der Zunge zergangen" sind.

Möglichst exotische hinige Viecher fressen, das zählt in der Bohème. Da erregt Kotany-Curry mehr Unmut als Tierleid.

herr hofrat
00
ja, so ein echter gourmet

braucht halt nicht nur gaumenkitzel.

da müssen schon lebende tiere möglichst bestialisch und grausam zu tode gequält werden, sonst schmeckt es den feinspitzen nicht.

vorschlag: warum nicht gleich lebende tiere reissen und reinbeissen, wie die hyänen es tun?

das wär doch erst richtig nach feinschmecker art!

mikromalist
 
00
12.3.2008, 19:12
Kommt eine Vietnamesin nach AT.

Trifft den gstandenen Erwin. "Du musst mit mir zu Blunzen-Essen gehen. Ganz frisch. Wir schauen auch beim Schlachten zu". Sie zu Hause. "Wow, was ich in AT gegessen habe!". Keinen sanft gedämpften See-Saibling, keine Hechtnockerl, keinen Zander in leichter Paprikasauce, kein Tauernlamm im Kräutermantel, keine Kalbsbsleber in Kirschsauce, kein Bries, kein...
Warum auch Gio Lua, Chao Tom, Bnah Tom, Cha Ca,... Aber Schlange! Wow!

ubu roi
00
13.3.2008, 09:16

kalbsleber in kirschsauce, wo gibts das (bzw wie geht das)? ich denke bei leber immer an äpfel.

mikromalist
 
00
17.3.2008, 08:49
Gestern bei Rachinger,

die Apfelvariante. Ganz leichter Jus mit Apfel-Balsamico (wirklich nur ein Hauch, nicht die inflationäre Balsamico...). Dazu karamelisierter Apfel.
Sie haben recht, dazu müsste Kirsche sich schon sehr, sehr anstrengen.

mikromalist
 
00
13.3.2008, 09:44
Feinsinnig analysiert!

Kl und Kirsch ist nicht sooo österreichisch, aber bei uns in OOe gibt es gute Schartner Kirschen, die Köche, zB Rachinger im "Mühlltalhof", anregen.
Kl mit Apfel, Quitte, aber auch Kirsche, Brombeere,.. gehören zu meinen Favoriten.
Wichtig ist, dass die Sauce nicht reduziert, sondern ganz leichtfüssig, gegeben wird.
(der Kl Geschmack ist fein, und darf nicht zugedeckt werden?)


ubu roi
00
13.3.2008, 14:20

da werden kindheitserinnerungen wach - dass da keiner auf die idee kommt, aus den kirschen einen runden kuchen mit lustigem namen draus zu machen... für mich klingt das ohnehin mehr elsässisch, aber nur, weil gans mit kirschen von dort kommen soll. ansonsten: rundherum d'accord, schade, dass die qu-saison vorbei ist, man kriegt kaum genug davon. wie von der kl.

A Voice
00
12.3.2008, 18:53
Vielen Dank

für einen vergnüglich zu lesenden Beitrag :-)

travelmike
00
12.3.2008, 16:00
Hund hat er wohl deswegen nicht gegessen,

weil das eine absolute Spezialität und sehr, sehr teuer ist. Daher ist auch die Gefahr, daß man in einer Bude irrtümlich Hund essen wird in Vietnam oder auch in China gleich null.
Und was soll das besondere an Schlangenfleisch oder dem Schnaps sein? Den abgefüllten Schnaps gibts in jedem Laden und im Delta, etwa in MyTho oder CanThot auch offen. Schlangenfleisch schmeckt nicht besonders, ist aber für dortige Verhältnisse auch relativ teuer.

Winni Wahn
00
12.3.2008, 13:01
und frauen tun es doch!

ich hab in Indonesien (mit Indonesiern) einen Cobrablutschnaps getrunken und das war tatsächlich lecker.
und ja: der cobra wurde vor meinem angesicht der kopf abgehackt und dass blut gleich dirket in meine trinkschale gepresst. danach mit scharfen gewürzen und arrak gemischt!
dort gabs übrigens eine frauen-und eine männermischung!

bixente uhudla
 
00
12.3.2008, 12:58

für alle nicht-vegerl mit starkem magen...

http://www.youtube.com/watch?v=ovwj0FYN0Qg

joseba beloki
00
12.3.2008, 11:13

heißt das nicht "ba ba ba bia" (ba = 3, bia = bier, möglicherweise eine einvietnamesung aus dem französischen, so wie bahnhof = ga).
immerhin steht auf der dose "333"

zaunkönig
00
12.3.2008, 11:11

prinzipiell wurde von a.neumeister und trifasciata schon alles gesagt ... mir fiel spontan als erstes gerhard polts menschenfresser ein .. ein reisebericht vom "gastronomic adventure trip" ... leider nicht im netz zu finden, sonst hätte ichs verlinkt, dehalb nur die schlußsätze ebendiesen stücks ....

... wenn sie mich jetzt fragen wie schmeckts, gell, also ich würd halt sagen von der faserung her, vom ding her, es marschiert ein bißchen gegens kalbfleisch, gell ... also ich sags ganz ehrlich, ich müsste nicht jeden tag so ein menschenfleisch haben ... aber ich sag halt auf der anderen seite, wissen sie, man war halt einmal dabei, man hats einmal probiert, man kann halt doch einmal mitreden ....

Alexander Neumaier
64
12.3.2008, 08:46
Pseudoheldengschichtl

Es mag ja aus der Ferne, aus dem Bobo Wien, wie eine Heldentat aussehen, aber mehr als ein paar mal gut essen waren die Helden dieser Geschichte nicht.
Und genau dieses ist in Vietnam eher alltäglich.
Was eher betroffen macht ist die unglaublich arrogante Art der Helden.
Ganz so, als wären da ein paar Herrenmenschen unterwegs.
"Der Vietnamese tut dieses und tut jenes"
Das ist schon erstaunlich, wenn man daran denkt, wie sehr sich gerade diese "Helden" hier im Standard ach so politisch korrekt geben.
Gerade Vietnam ist eines jener asiatischen Länder, in denen traditionelle chinesische Höflichkeit im Vordergrund steht.
Das dürfte an den "Helden" dieser Geschichte aber spurlos vorüber gegangen sein.
Die sind eben Touristen und keine Reisenden.

doc w
00
13.3.2008, 20:40

die höflichkeit der vietnamesen(wie soll ich die menschen,die in dem land leben und vietnam. staatsangehörige sind sonst nennen? ich habe nicht die möglichkeit,jeden nach seiner stammeszugehörigkeit zu fragen)ist nur solange existent,solange es etwas zum abzocken gibt. ansonsten rüde und grob,bescheissend und unhöflich.
mfg
der ehemann einer hakka(die sich selbst als chinesin bezeichnet).

geilhuber
00
10.2.2009, 18:12

Ganz ähnlich wie die Wiener...ich kann ja nicht jeden nach seiner Staatsangehörigkeit fragen.

doc w
00
10.2.2009, 18:46

sie sind kein wiener,denn sonst würden sie die wiener mentalität besser kennen:der wiener raunzt und wirkt mürrisch,um im zweiten schritt hilfsbereit zu sein. aber eben ohne diese mich in vietnam und thailand störende aufdringliche,unterwürfige schleimigkeit. sehen sie jetzt den gewaltigen unterschied?
ps. waren sie schon einmal für längere zeit in so-asien? 2 wochen all-inclusive-club in pattaya zählen aber nicht.

geilhuber
00
12.7.2009, 18:15

stellen sie sich vor...ich habe in asien fast 10 Jahre studiert und gearbeitet. ich habe diese von ihnen beschriebenen Menschen getroffen, aber auch sehr nette aufrichtige.
Tut mir leid fuer sie, das sie dort nur so komische Menschen getroffen haben.

h 90
01
12.3.2008, 14:05

Lebend in Thailand muss ich sagen es gibt wahrscheinlichen "den Vietnamesen" genausowenig wie "den Thai" und es sind ja auch Oesterreicher nicht uniform und essen alle das Gleiche.
Solche Weisheiten sind aber einfach zu schwierig fuer den Standard reporter.

Alexander Neumaier
00
12.3.2008, 15:23
Ja ehh

Bobos auf Reisen sind eben ab dem Beginn des Kofferpackens überfordert ;-)

h 90
01
12.3.2008, 15:47

ja da gibts (kein Scherz) Leute die fangen 1 Woche vorher an zu packen. Ich 3 Stunden vorher wenn ich wo 3 Wochen hin muss...

thomaß hucksdeviehle
00
29.4.2008, 22:40

Und inwiefern ist das ein Problem, wenn jemand 1 Woche vor Abreise zum Packen beginnt? Kein Scherz.

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