Neues Quartier für Notschlafstellen

11. Februar 2008, 21:32
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Befreiung vom "Damoklesschwert" - Vinzibett möchte auch den alten Standort in der Boltzmanngasse behalten

Wien - Zwischen einem Geschäft für Autozubehör und einem Café mit billigen Alkoholangeboten wird eine Notschlafstelle für Obdachlose eingerichtet: das Vinzibett in der Ottakringer Straße 20. Derzeit ist die Einrichtung für Obdachlose in der Boltzmanngasse. Das Haus soll aber abgerissen werden. Der geschäftsführende Direktor des Eigentümers Immo-Convert, Andreas Nittel, lässt keinen Zweifel offen: "Das Haus wird abgerissen. Wir bauen ein nettes Wohn- und Geschäftshaus". Vinzibett müsse Ende April ausziehen.

Abriss geplant

Die Obfrau von Vinzibett, Antonia Schubert, habe er "vor drei bis vier Wochen" informiert. Schubert wiederum spricht von "widersprüchlichen Aussagen", und will den Standort in der Boltzmanngassse noch nicht aufgeben. Dass Nittel erkläre, das Haus werde abgerissen, ist laut Schubert "eh klar", denn "so arbeiten die". Durch das neue Objekt sei aber "der Druck genommen, jeden Tag ausziehen zu müssen." Der Sprecher von Vinzibett, Michael Bachler, kann sich vorstellen, an beiden Standorten eine Notschlafstelle zu führen. "Vielleicht verzögert es sich", sagt Bachler zum geplanten Abriss. Er sei aber froh, den neuen Standort gefunden zu haben und somit das "Damoklesschwert" los zu sein.

Vorm Einziehen müssen die Räumlichkeiten einer ehemaligen Hosenfabrik noch "hergerichtet und adaptiert" werden. "Angeboten" hat sie der Rechtsanwalt Thomas König. Bis September 2007 war dort das Evangelische Hilfswerk untergebracht. Ab 1. April sollen Obdachlose einziehen. Bedarf gebe es in Wien genug. Denn das Vinzibett habe niedrigere Aufnahmekritierien für Leute "direkt von der Straße" als andere Einrichtungen. Auch Obdachlose mit Hunden werden aufgenommen, Alkoholkonsum wird toleriert. (Stefan Hayden, DER STANDARD Printausgabe, 12.2.2008)

  • Pfarrer Wolfgang Pucher vor der neuen Notschlafstelle im 16. Bezirk. Auf 540 Quadratmetern sollen Obdachlose einen Platz finden
    foto: standard/fischer

    Pfarrer Wolfgang Pucher vor der neuen Notschlafstelle im 16. Bezirk. Auf 540 Quadratmetern sollen Obdachlose einen Platz finden

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