Ludwig Adamovich - Loyaler Diener der Republik als Aufklärer

16. April 2008, 09:53
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Der 75-Jährige scheint die Idealperson zu sein, um die heikle Schnittstelle zwischen Polizei und Politik, Beamtenkaste und Buberlpartie auszuleuchten

"Schwieriger wird die Sache, wenn Manager, Politiker, hohe und höchste Beamte irgendwie zusammengehören. Die Verhaberung ist zweifellos ein österreichisches Phänomen." Fast prophetisch lesen sich die Worte von Ludwig Adamovich in einem Presse-Interview vom Oktober 2007.

Jetzt wurde der frühere Präsident des Verfassungsgerichtshofs (er schied 2002 mit Erreichen der Altersgrenze von 70 Jahren aus dem Amt) zum Vorsitzenden jener Kommission bestimmt, die den Entführungsfall Kampusch, etwaige polizeiliche Ermittlungspannen und mögliche politische Vertuschungsaktionen danach aufklären soll.

Der 75-Jährige scheint die Idealperson zu sein, um die heikle Schnittstelle zwischen Polizei und Politik, Beamtenkaste und Buberlpartie auszuleuchten. Der nunmehrige Berater von Bundespräsident Heinz Fischer, der Adamovich "keine besondere Dickfelligkeit" zuschrieb, muss keine Rücksichten nehmen. Er kann das tun, was er 46 Jahre lang als Spitzenjurist fast archetypisch verkörpert hat: der Republik dienen. 25 Jahre im Verfassungsdienst, von Kreisky geholt trotz damaliger ÖVP-Mitgliedschaft, die Adamovich 1983 aber beendete, dann 19 Jahre als VfGH-Präsident.

Adamovich beschreibt sich selbst als "im Prinzip Konservativen". Juristische Wegbegleiter heben neben fachlichen Superlativen ("einer der besten Kenner der Verfassung", "juristische Fundgrube") immer wieder sein habituelles Beamten-Ethos hervor. "Er vereint alle guten Beamteneigenschaften in sich. Loyal, verlässlich, korrekt. Kein Schlitzohr. Was er nicht ist, ist entscheidungsfreudig. Er ist eher ein Zauderer." Was man auch positiv interpretieren könne, wendet ein anderer Jurist ein: "Er ist sehr kultiviert, ein zurückhaltender Mensch und dadurch nicht immer so durchschlagskräftig."

Distinguierte Haltung bewies der Sohn des legendären Ludwig von Adamovich sen., der 38 Jahre vor dem Junior selbst Präsident des VfGH war, auch, als er 2002 nach dem Ortstafel-Erkenntnis persönlichen An- und Untergriffen des Kärntner Landeshauptmanns ausgesetzt war. Der in Innsbruck in eine väterlicherseits aus Slawonien in Ostkroatien stammende Familie Geborene musste sich etwa anhören, wie Jörg Haider im Rieder Bierzelt nach seiner Aufenthaltsgenehmigung fragte - "wenn einer schon Adamovich heißt".

Parteipolitische Tiefen hat Adamovich hinter sich gelassen. Ein literarischer Exkurs über Kafkas "Prozess" reizt den verheirateten Musikliebhaber viel mehr, oder Hirnforschung, die er "faszinierend" findet. Was er nicht über alles sagen kann: "Wenn ich heute vor der Frage stünde, ob ich in den öffentlichen Dienst gehen soll, würde ich es nicht mehr tun", sagte Adamovich in seinem letzten Amtsjahr. Sechs Jahre später hat ihn der öffentliche Dienst wieder eingeholt. (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD, Printausgabe, 12.2.2008)

  • Der frühere VfGH-Präsident Ludwig Adamovich ist Kommissionsvorsitzender.
    foto:der standard/ corn

    Der frühere VfGH-Präsident Ludwig Adamovich ist Kommissionsvorsitzender.

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