Mobilfunkbetreiber planen Kinderporno-Filter

21. Februar 2008, 10:16
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Internet Watch: Rund 1.500 Webseiten auf "schwarzer Liste"

Mehrere europäische Mobilfunkbetreiber werden Filter in ihren Netzen installieren, die den Zugang zu Kinderpornographie unterbinden sollen. Hinter den Plänen, die heute, Montag, im Rahmen der Mobile-World-Mobilfunkmesse in Barcelona offiziell bekannt gegeben wurden, steht dabei eine Initiative des Branchenverbandes GSMA. Dieser will mit Hilfe einer von der Internet Watch Foundation (IWF) erstellten Blacklist, die aktuell rund 1.500 unerwünschte Webseiten enthält, den Zugriff auf Kinderpornographie-Angebote verhindern. "Wir überwachen nicht das Netz. Das ist ein anderes Thema. Hier geht es um illegale Inhalte", zitiert die britische Tageszeitung "The Times" eine GSMA-Sprecherin. An der Initiative beteiligen sich bislang unter anderem die Mobilfunkkonzerne Vodafone, Orange und der UMTS-Betreiber Hutchison 3G. Unterstützung erhält die GSMA-Initiative auch von EU-Kommissarin Viviane Reding.

"Dort, wo wir als Mobilfunkbetreiber die Verantwortung für Inhalte haben, gehen wir sehr sensibel damit um", erklärt Berthold Thoma, CEO des Mobilfunkkonzerns "3", auf Anfrage von pressetext. Jeder Inhalt, den das Unternehmen auf seinen Handys anbiete, werde genau überprüft. Einen generellen Content-Filter gebe es zur Zeit allerdings nicht. "Es gibt jedoch beispielsweise dort, wo die 3-Community aktiv werden kann - etwa in Chats oder Blogs - eine Redaktion, die darauf achtet, dass der Inhalt in einem akzeptablen Bereich bleibt", schildert Thoma. Erst nach genauer Prüfung werde solcher "user generated content" den eigenen Kunden am Portal zur Verfügung gestellt. "So können wir sicherstellen, dass keine pornographischen Inhalte, gewaltverherrlichenden Beiträge oder ähnliches verbreitet werden", betont Thoma. Erotische Inhalte, zum Beispiel im Rahmen des eigenen Mobile-TV-Portfolios, seien gemäß den gesetzlichen Bestimmungen so ausschließlich volljährigen Personen auf deren ausdrücklichen Wunsch hin zugänglich. "Auf diese Weise stellen wir sicher, dass dieser Content nicht in falsche Hände gelangt", fasst Thoma zusammen.

Zufällig

Nach Angaben der IWF, die gezielt nach Webseiten mit illegalen Inhalten sucht und deren Betreiber bei den jeweils zuständigen Behörden anzeigt, ist jeder zwanzigste Internetnutzer bereits zufällig während des Surfens auf Darstellungen von Kindesmissbrauch gestoßen. Die Strafverfolgung und die Abschaltung solcher Seiten gestalte sich laut IWF allerdings schwierig. Die bürokratischen Mühlen in den einzelnen Staaten würden den Betreibern solcher Webseiten viel zu viel Zeit lassen, um auf Server in anderen Ländern auszuweichen. Mit der Einführung des Filter-Systems soll sich das aber künftig ändern. Nutzer, die eine in der Blacklist enthaltene Seite über das Mobiltelefon aufrufen wollen, erhalten entweder eine Fehlermeldung oder werden direkt auf Warnhinweise der Polizei weitergeleitet. Außerdem wollen die teilnehmenden Mobilfunkanbieter eine Hotline einrichten, bei der Nutzer Seiten mit kinderpornographischen Inhalten melden können.

Negativtrend

In Europa hat sich insbesondere im vergangenen Jahr ein deutlicher Trend zu pornographischen Inhalten auf dem Handy abgezeichnet. So erzielten Pornos im Mobilfunkbereich 2007 ein Marktvolumen von 775 Mio. Dollar. In Anbetracht solcher Zahlen nimmt der Druck auf Mobilfunkbetreiber stark zu, mehr für den Schutz von Kindern und Jugendlichen zu tun. (pte)

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