"Verzerrung und Propaganda": "Guardian"-Autor rechnet ab

29. Februar 2008, 21:07
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Die Erde ist eine Scheibe: Nachrichten dieser Qualität attestiert Nick Davies der Zeitungsbranche in "Flat Earth News"

Die Erde ist eine Scheibe: Nachrichten dieser Qualität attestiert Journalist Nick Davies der Zeitungsbranche in seinem neuen Buch "Flat Earth News". Untertitel: "Falschheit, Verzerrung und Propaganda in den Medien".

"Nie waren die Medien perfekt", schrieb Davies in einem Kommentar zu seinem Buch im Guardian, dessen Sonderkorrespondent er ist: "Journalisten haben immer mit zu wenig Zeit und zu wenig Sicherheit gearbeitet, mit Eingriffen von Eigentümern und Regierungen, mit Gesetzen, die die Suche nach Wahrheit verhindern oder zumindest die Suchenden einschüchtern. Aber die Tendenz ist schlimmer denn je, Ignoranz zu recyceln."

Davies ließ "Spezialisten" der Uni Cardiff 2000 Artikel aus vier britischen Qualitätszeitungen ("Times", "Daily Telegraph", "Guardian", "Independent") sowie "Daily Mail" untersuchen: Nur zwölf Prozent der Stories bestanden ganz aus selbstrecherchiertem Material.

"Second-Hand-Material"

Bei acht Prozent waren die Wissenschafter unsicher. 80 Prozent bestanden aus "Second-Hand-Material" von Nachrichten- oder PR-Agenturen. In zwölf Prozent dieser Artikel hätten die Redaktionen die Fakten geprüft. Ein Hinweis auf den Unterschied zwischen redaktionell betriebenen Nachrichten und auftraggebergetriebenen PR-Agenturen fehlt im Kommentar freilich. Statt zu recherchieren, verarbeiteten Journalisten PR-Material. Woher das kommt, erklärt Davies ebenfalls mit einer Statistik über den ökonomischen Druck: Laut Uni Cardiff müsse der Londoner Journalist im Schnitt heute dreimal mehr Platz in Zeitungen füllen als 1985. (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 12.2.2008)

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    "Flat Earth News": "Guardian"-Autor Nick Davies rechnet in seinem Buch mit der Zeitungsbranche ab.

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