Bei einer Landesumfrage gaben nur 13 Prozent der Eltern an, ihr Kind in die Neue Mittelschule schicken zu wollen - SPÖ wirft ÖVP vor, Studie "vergeudet zu haben"
Linz - In der oberösterreichischen Bevölkerung gibt es keine Mehrheit für die Einführung der Gesamtschule. Das erklärte der Schulreferent Landeshauptmann Josef Pühringer in einer Pressekonferenz unter Berufung auf eine Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstitutes "market" im Auftrag des Landes, deren Ergebnisse er in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer am Montag in Linz veröffentlichte.
"Schulversuche herzlich willkommen"
Pühringer verwehrte sich gegen den Eindruck, er sei ein "Reformverweigerer" und sagte: "Schulversuche sind herzlich willkommen, wenn Eltern, Lehrer und Schüler vor Ort sie wollen. Aber sie sollen nicht von oben initiiert oder verordnet werden". Die Umfrage habe jedenfalls ergeben, dass 59 Prozent der 1.000 repräsentativ für die Gesamtbevölkerung ab 18 Jahren befragten Personen und auch 63 Prozent der 500 befragten Eltern mit Kindern bis 15 Jahre die Einführung der Gesamtschule ablehnten.
Entsprechend sei die Schultypenwahl der Befragten ausgefallen. 36 Prozent der Eltern würden ihr Kind in eine Hauptschule schicken, 31 Prozent in ein Gymnasium und 13 Prozent in eine Gesamtschule. Werner Beutelmeyer vom market-Institut machte aufmerksam, dass laut Umfrageergebnis der Anteil der Befürworter der Gesamtschule doppelt so hoch sei, wie jener der Eltern, die ihr Kind dorthin schicken würden. Pühringer konnte sich dabei den Einwurf nicht verkneifen: "Da unterscheidet sich der Durchschnittsbürger nicht von den Spitzen der Politik".
Ausländeranteil beschränken
Der Landeshauptmann sieht sich bei seinem Vorschlag bestätigt, den Anteil von Kindern mit Sprachdefizit in Klassen auf maximal 30 Prozent zu beschränken. Das begrüßen laut Umfrageergebnis 90 Prozent der Eltern. Das sei nicht ausländerfeindlich oder diskriminierend, stellte Pühringer fest. Es gehe darum, Integration zu ermöglichen und zu vermeiden, dass Inländer Schulen mit höherem Anteil an Schülern mit Sprachschwierigkeiten ausweichen und dort der Anteil dadurch noch höher werde. Ein Drittel Ausländeranteil sei auch für inländische Schüler eine Chance. Da könne Integration gelingen, bei 70 oder 80 Prozent Anteil nicht mehr.
Die Umfrageergebnisse sind für Pühringer auch ein Argument für seine Haltung, wenn Schüler vom Religionsunterricht abgemeldet werden, sollten sie verpflichtend an einem Ethikunterricht teilnehmen. Denn 74 Prozent der Befragten ist der Religionsunterricht an den Schulen wichtig. 72 Prozent bewerten einen verpflichtenden Ethikunterricht als Alternative positiv.
Vergeudet
Der Klubobmann der SPÖ im oberösterreichischen Landtag Karl Frais kritisiert Pühringer, die Landesstudie für ÖVP-Propaganda-Fragen "vergeudet" zu haben. Pühringer und Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer hätten mit Landesmitteln eine Studie in Auftrag gegeben, deren Fragestellung im wesentlichen darauf aufgebaut sei, gängige ÖVP-Argumentationen zu stützen. Damit hätten sie bewiesen, dass es ihnen nicht ernsthaft um die notwendige Weiterentwicklung des Schulsystems, sondern um die Fortführung des Streits am Bildungssektor gehe, erklärte Frais.
(APA)