Die Idee zur hohen Trefferquote

13. Februar 2008, 17:30
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Immer mehr private Bauträger führen Architektur- Wettbewerbe durch. Immorent-Vorstand Gerald Antonitsch erklärt im Interview seine Beweggründe

Das Gespräch führte Gerhard Rodler.

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STANDARD: Die Immorent ist privater Bauträger und führt dennoch Architektenwettbewerbe durch. Warum?

Antonitsch: Wir haben in der ersten Hälfte der Neunzigerjahre herausgefunden, dass private Bauträger in der Regel je nach Lage den jeweils passenden Architekten zum Bauen auswählen. Das Ergebnis sieht dann notgedrungen so aus: In den teuren Lagen wird anspruchsvolle Architektur realisiert, während in den billigen Lagen eher einfache Lösungen umgesetzt werden. Das war fast schon so etwas wie vorauseilender Gehorsam. Uns hat das nicht gefallen. Wir haben daher 1993 mit geladenen Architektenwettbewerben begonnen. Wir bezeichnen sie als sogenannte Ideenfindungen.

STANDARD: Wie hoch ist der Aufwand einer solchen Ideenfindung?

Antonitsch: Bei kleineren Projekten mit bis zu 30 Wohneinheiten wird die Jury im Normalfall intern besetzt. Sie setzt sich dann aus Vertretern aus Verkauf, Technik und Projektentwicklung sowie aus dem Immorent-Vorstand zusammen. Bei größeren Projekten binden wir darüber hinaus Vertreter des Bezirkes bzw. der Stadt sowie befreundete Architekten mit ein.

STANDARD: Nach welchen Kriterien wählt die Jury aus?

Antonitsch: Wir sind ein gewinnorientiertes Unternehmen, daher stehen die Vermarktungschancen ganz klar immer ganz oben. Bei größeren Projekten spielt auch die stadtplanerische Komponente eine wichtige Rolle. Aber letztlich geht es darum, mit den geschaffenen Wohneinheiten den Bedarf unserer Kunden bestmöglich zu treffen.

STANDARD: Welche Erfahrungen hat die Immorent in den letzten Jahren mit den Wettbewerben machen können?

Antonitsch: Es handelt sich bei uns immer um eine bodenständige Jury, und natürlich achten wir auch bei der Auswahl der eingeladenen Architekten darauf, dass diese einen marktnahen Zugang haben. So gesehen haben die in Wettbewerben gesammelten Erfahrungen gezeigt, dass sich die Trefferquote, was unseren Kundenkreis betrifft, seither deutlich erhöht hat. Wir haben kürzere Vermarktungszeiten und - noch erfreulicher -, wir produzieren keine Ladenhüter mehr.

STANDARD: Gab es die Ladenhüter früher?

Antonitsch: Ladenhüter wäre übertrieben, aber wir hatten durchaus schwierig zu vermarktende Projekte. Ganz konkret hatten wir einmal ein architektonisch hochwertiges Projekt in einem eher günstigen Bezirk realisiert. Das Projekt war zwar in vielen Architekturzeitschriften und -büchern vertreten, bei der Verwertung haben wir uns aber letztlich sehr schwergetan. Eine Designerwohnung im 16. Bezirk - das wollte das Publikum offenbar nicht. Heute sind alle Einheiten verkauft.

STANDARD: Es fällt auf, dass in Ihren Jurys relativ wenig Architekten und praktisch nie Vertreter der Architektenkammer zu sehen sind. Warum?

Antonitsch: Ich halte es nicht für klug, wenn Architekten über andere Architekten urteilen - meist ist damit nur eine Gedankenwelt abgedeckt. Jedes gute Immobilienprojekt ist ein Seiltanz zwischen Sendungsbewusstsein und werthaltiger Nutzenorientierung.

STANDARD: Welche Aspekte kommen erfahrungsgemäß zu kurz?

Antonitsch: In vielen Fällen ist es die Kundenorientierung eines Objektes, die zu wünschen übrig lässt. Aber auch die Energieeffizienz wird unbefriedigend abgehandelt. Wir müssen endlich weg von der Betrachtung des reinen Verkaufspreises hin zu Lebenszykluskosten, wo sich neben dem Erhaltungsaufwand vor allem auch die Energiekosten niederschlagen. In diesem Punkt tun sich viele Architekten noch schwer. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9./10.2.2008)

  • Gerald Antonitsch: "Die in Wettbewerben gesammelten Erfahrungen haben gezeigt, dass sich die Trefferquote, was unseren Kundenkreis betrifft, seither deutlich erhöht hat."
    foto: immorent

    Gerald Antonitsch: "Die in Wettbewerben gesammelten Erfahrungen haben gezeigt, dass sich die Trefferquote, was unseren Kundenkreis betrifft, seither deutlich erhöht hat."

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