"Neue Weltordnung" für nächstes Jahr

Redaktion
29. Februar 2008, 15:25

Bruce Jackson, Ideologe der "farbigen Revolutionen" in den Ex-Sowjetrepubliken, im STANDARD-Interview

Europa und die USA bereiten eine gleichberechtigte Aufteilung der militärischen Aufgaben vor, glaubt Bruce Jackson, Ideologe der "farbigen Revolutionen" in den Ex-Sowjetrepubliken, im Gespräch mit Markus Bernath.

*****

STANDARD: Was läuft schief in der Nato?

Jackson: Die Nato ist in einer Übergangsphase mit allen Spannungen, die eine solche Phase begleiten. Sie steckt in einem großen "Out of area"-Einsatz in Afghanistan - wie US- Senator Lindsey Graham hier gesagt hat -, den wir derzeit nicht gewinnen und der lebensbedrohlich für die Allianz ist. Dazu kommt der Druck, den Balkan komplett zu integrieren, und der postsowjetische Raum, der mindestens zwei Kandidaten hervorgebracht hat.

Mehr Truppen in den Süden Afghanistans zu schicken ist nur die eine Debatte über die Aufteilung der Lasten im Bündnis. Die andere, größere, die dahintersteht, geht um die "neue Weltordnung", über die Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy in seiner Rede vor dem US-Kongress gesprochen hat und wo die Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik ein gleichberechtigter oder gar größerer Partner der Nato sein wird statt wie bisher ein Stiefkind. Aber das betrifft die Zeit nach dem Vertrag von Lissabon. Die wirkliche Debatte findet nächstes Jahr statt, nicht jetzt. Präsident Bush wird in den letzten sieben, acht Monaten seiner Amtszeit nichts mehr an seinem Verhältnis zu Europa verändern.

STANDARD: Sie sind in John McCains Team als außenpolitischer Berater. Was würde seine Außenpolitik als US-Präsident unterscheiden von der einer Präsidentin Clinton oder einem Präsidenten Obama?

Jackson: McCain hat sehr deutlich Stellung bezogen gegen Folter und die Inhaftierungen durch die CIA. Er war der erste führende Politiker, der Donald Rumsfelds Rücktritt gefordert hatte. Er selbst hat lange militärische Erfahrung, er hat sich früh für Maßnahmen gegen den Klimawandel ausgesprochen, war weitsichtiger als andere beim Thema Einwanderung, er wird nicht aus dem Irak abziehen, bis die Iraker wirklich in der Lage sind zu übernehmen.

Und McCain studiert als Mitglied des Kongresses Europa seit mehr als 20 Jahren. Sehen Sie, Obama hat keine Erfahrung in diesen Angelegenheiten, und Clinton - ihre Themen sind innenpolitisch und maßgeschneidert. Aber alle drei Kandidaten sind Internationalisten, Pro-Europäer, kritisch gegenüber Russland. McCain wegen Moskaus Verhalten bei den Fragen von Abrüstung und Weiterverbreitung von Atomwaffen, Obama vermutlich mehr wegen der Lage der Menschenrechte.

STANDARD: Waren Sie persönlich enttäuscht, als in Georgien im vergangenen November wegen Demonstrationen der Opposition plötzlich der Ausnahmezustand verhängt wurde?

Jackson: Oh, ich war sehr kritisch. Als NGO muss man kritisch sein. Ich verbringe die Hälfte meiner Zeit, Länder im Übergang wie Georgien, die Ukraine, Serbien, Polen zu ermahnen. Georgien ist eine zerbrechliche Demokratie, und eben das ist ein Grund, das Land mitzunehmen ...

STANDARD: In die Nato beim nächsten Gipfel in Bukarest in zwei Monaten?

Jackson: Nicht gleich in die Nato. Die Georgier sollten den Aktionsplan für Mitglieder erhalten, sodass sie eine Schule haben, in der sie lernen können. Die Idee, einen Staat einfach zu isolieren, wie wir es mit Serbien getan haben, bis er jeden möglichen Standard erreicht hat, den wir auch haben, ist falsch. In Serbien haben wir heute mehr Probleme als vorher. Moldau zu isolieren hat gar nichts gebracht. Berg-Karabach ins Kühlfach zu schieben war Unsinn. Lässt man diese Länder in einem Vakuum, gibt man Russland die Chance, sich einzumischen, oder Kriminellen. Das ist gefährlich für sie, es ist gefährlich für uns. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.2.2008)

Zur Person
Bruce Jackson leitet das "Project on Transitional Democracies", arbeitete für den Rüstungskonzern Lockheed-Martin und im Pentagon und galt als einer der einflussreichen Wortführer eines revolutionär-demokratischen Wandels in Osteuropa und den früheren Sowjetrepubliken in den Jahren von George W. Bush.
Share if you care
Posting 1 bis 25 von 34
1 2

"kritisch gegenüber Russland. McCain wegen Moskaus Verhalten bei den Fragen von Abrüstung und Weiterverbreitung von Atomwaffen,"

ich glaube der lügenbaron bruce jackson ist noch nicht einmal rot geworden als er das sagte.....

das ist die totale verdrehung der realität.....

neue weltordnung: KEIN MENSCHENWERK

etwas, was sich ereignet,
niemals nie nicht gestaltet werden kann: weder von Stinkern noch von Amerikanern.

Leider.
Schluchz!

Richtig

wenn schon Teufelswerk!


Nur was aus dem Menschen herauswächst, wozu er wirklich bereit ist, hat auch Bestand!

Deshalb scheitern auch Demokratisierungsversuche, wenn es nicht vom Volk selbst mitgetragen wird!

naja bin gespannt wie sich die gnze geschichte auf die wirtschaft auswirkt und wie die wählerschft drauf reagiert

besteht den die sogenannte neue weltordnung nur aus europa und amerika????

Es wäre sehr zu hoffen das sie von den Demokratien (USA, Europa, Japan, Indien) gestaltet wird und nicht von Rußland, China und den Despoten der Dritten Welt.

ganz ihrer meinung,

aber wo sind japan und indien in dieser weltordnung?

was ich sagen wollte: eu und usa sollen nicht zu überheblich agieren, denn das bewirkt eine stärkung der besagten despoten.

Die USA möchten ja die NATO zum Bündnis aller Demokratien ausbauen.

sie ...

... verstehen da so einiges miß: die usa verstehen die nato als vorfeldorganisation, als glacis, als hinterherräumer, als brosamen-fresser, als dummen der die suppe auslöffelt!

got it?

fast...

eigentlich besteht die neue weltordnung nur aus den usa.

Wer für uns ist.....

Wer gegen uns ist!

Bush hats ja klar und deutlich gesagt!

Und Papa Bush an einem 9/11 öffentlich als Präsident der USA die NWO ausgerufen!

Da gibts nichts zu deuteln, sie sagen ja, was sie seit Jahren machen!

?

europa und usa hätten es gerne so.....

"Die andere, größere, die dahintersteht, geht um die "neue Weltordnung" .. wo die Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik ein gleichberechtigter oder gar größerer Partner der Nato sein wird statt wie bisher ein Stiefkind."

im klartext: europa möchte endlich auch selbständig angriffskriege führen dürfen, um seine wirtschaftlichen interessen durchzusetzen. auch wenn es die masse der antiamerikaner natürlich nie zugeben wird, denn sie sind nur die steigbügelhalter des europäischen imperialismus, die andauernde propaganda gegen die USA steht im dienst europäischer kapitalinteressen. europa treibt ja schon lange handel mit diktaturen wie iran, warum also nicht auch bomben für europäische profite?

Die USA haben eine Menge neuer Feinde produziert

und nun sind sie pleite - jetzt dürfen die Europäer "ihre Pflicht erfüllen"

selbst das "alte" europa darf/muss wieder ran......

genau, wenn die amis genug geld und ressourccen hätten, dann würden sie alles ohne absprache mit irgendwem niederwalzen. die europäer sollten sich nur nicht kompromitieren lassen - aber auf jeden verantwortungen wahrnehmen.

Europa bekommt Gleichberechtigung bei den Kriegstoten

Die Gewinne aus den diversen Kriegen, seien es strategische, politische oder wirtschaftliche Vorteile gehen natürlich zu 100% an die USA.

Oder verkauft der "befreite" Irak sein Öl deswegen wieder in Dollar weil er so großes Interesse an den Abwertungsverlusten hatte?

Ob ich jetzt mit einem Diktator ins Bett gehe und dadurch, Leid prolongiere oder zur abwechslung eine andere Strategie fahre nämlich Sturz von Regimen und mit Nachfolgeregime "handelseins" werde, scheint mir fast schon gleich moralisch.

Ich halte sogar Sturz, wenn gut gemacht, für die bessere Variante.

Wir sehen ja derzeit sehr schön beide Varianten.
Ami-Irak (Sturz)
China-Afrikanische Diktatoren (Beischlafvariante, wird und wurde eh auch von anderen Staaten betrieben, aber grundsätzlich wird hier im an Anseitigkeit leidenden Forum nur mögl. westl. Staaten ob solchen Verhaltens kritisiert.)
Es gäbe dann auch noch die 3 Hauptinteraktionskategorie, paradoxerweise totale Nichteinmischung (ist in heutiger globalen Welt sehr schwer möglich)

"aber grundsätzlich wird hier im an Anseitigkeit leidenden Forum nur mögl. westl. Staaten ob solchen Verhaltens kritisiert"

weil die anderen länder sich zumindest nicht als "die" moralische oberinstanz auf unserer welt aufführen...

und anderen vorwerfen, was sie selbst praktizieren....

die machen einfach ihr ding...

was allerdings nicht weniger verwerflich ist.....

das hat ja auch mit macht des faktischen zu tun.

ein kleines land ist halt weniger glaubwürdig/laut in der durchsetztung ansichten.

die udssr behielt sich z.B noch vor 20 jahren das recht vor für viele hundert mio menschen zu sprechen -> 2.welt. so wie das auch die usa schon seit je her (ab ende 1. weltkrieg) für sich mehr und mehr in anspruch nahm.

außerdem dürfte es glaube ich eher auch ein mentalitätsproblem sein. die chinesen sehen in den nichtchinesen eher "barbaren" mit denen sie eher nichts zu tun haben wollen so lange sie ihr ding, drehen können. so wirklich stellt sich den chinesen eh niemand in den weg.
genau so gibt es große wichtige länder die großen einfluß in der islamischen welt haben.

England hat sehr wohl profitiert. Und indirekt noch viel mehr andere Länder.

Ihr Post ist ein Unfug.

Stimmt, England und Israel profitieren auch, da haben Sie mich eiskalt erwischt.

Das was Sarkozy sollte allen EU Freunden endlich die Augen öffnen. Diese europäische Verteidigungspolitik von der er spricht ist genau jene in die uns unsere Politiker im Rahmen der EU langsam aber sicher unter Abschaffung der Neutralität reinpressen.
Irgendwann werden die EU-hanseln Österreicher wieder in den Krieg schicken, diesmal weltweit.

zwansverpflichtete

habens vergessen

Die Österreicher sind bereits
in Afghanistan und im Tschad im Krieg .

Besatzung wird im Neusprech eben
Humanitärer Einsatz genannt

Und die ungewählte eu wird uns noch jede Menge
humanitäre Militäreinsätze bringen

Posting 1 bis 25 von 34
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.