"Hausschwein der Botanik"

10. Februar 2008, 18:46
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In "Weiße Plantagen" begibt sich Autor Erik Orsenna auf die Reise in das Reich der Baumwolle

Hunderte Millionen Menschen auf der Erde leben von ihr, die der französische Autor Erik Orsenna auch als "Hausschwein der Botanik" oder "Weißes Gold" bezeichnet: der Baumwolle. In mehr als neunzig Ländern werden weltweit 35 Millionen Hektar Land mit Baumwolle bewirtschaftet. Führend in der Produktion sind China, Indien, Pakistan und die USA, die zusammen 70 Prozent der Malvengewächse anbauen. Brasilien, die Türkei, Westafrika und Usbekistan holen jedoch bereits rasant auf.

Mehr als ein Drittel der Baumwollestauden auf der Erde ist heute bereits gentechnisch verändert - und dieser Anteil steigt jährlich.

Der Autor, für dieses Buch mit dem "Lettre Ulysses Award" für literarische Reportage ausgezeichnet, hat sich auf die Reise ins Reich der Baumwolle begeben. Sieben Länder (Frankreich, Mali, die USA, China, Brasilien, Ägypten und Usbekistan) hat er besucht. Er sprach mit Plantagenbetreibern, Arbeitern, Wissenschaftern.

Nicht selten verliert der Berichterstatter sein eigentliches Thema, die Baumwolle, aus den Augen und gleitet in einen Reisebericht ab. Ob er damit den Konnex zwischen Globalisierung und Baumwolle, wie es sein Anspruch ist, hinlänglich erklärt, sei hingestellt.

Wer sich vor allem Fakten, Daten und Zahlen erwartet, ist hier falsch aufgehoben: Orsenna ist viel mehr Poet als trockener Wirtschaftsberichterstatter. (baf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.02.2008)

Zum Buch
Erik Orsenna. Weiße Plantagen. Eine Reise durch unsere globalisierte Welt. C.H.Beck-Verlag, München 2007. Preis: 19,90 Euro
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