Rufe nach Offensive werden lauter

18. Februar 2008, 14:55
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Bewohner von Sderot fordernd nach anhaltenden Raketenangriffen Großoffensive im Gazastreifen - Livni: Ohne Stopp der Raketenangriffe kein Frieden

Wegen der anhaltenden Raketenangriffe forderten die Bewohner der israelischen Stadt Sderot eine Großoffensive der Armee im Gazastreifen. Israels Premier Olmert blockte vorerst ab. Seine Minister drängen ihn aber zu einem härteren Vorgehen.

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Der fortwährende Hagel palästinensischer Raketen aus dem Gazastreifen treibt die Bewohner der israelischen Grenzorte zur Verzweiflung, die sich in wütenden Protesten gegen die Regierung entlädt. Durch einen Einschlag in der Stadt Sderot hat am Samstagabend ein achtjähriger Bub ein Bein verloren, und auch sein 19-jähriger Bruder wurde sehr schwer verletzt.

Die israelische Armee flog im Gegenzug zwei Angriffe. In Rafah wurde ein Mitglied der Hamas nach Angaben der Organisation durch eine israelische Rakete getötet. Ein zweiter Angriff galt einer Hamas-Basis im Süden des Küstenstreifens, dabei soll es keine Verletzten gegeben haben.

Verteidigungsminister Ehud Barak, der zu einem Solidaritätsbesuch nach Sderot eilte, wurde mit feindseligen „Geh heim“-Rufen empfangen. Allein am Freitag und Samstag waren rund 40 Kassam-Raketen und Mörsergranaten in Südisrael niedergegangen. Doch auf eine große Militärkampagne, wie die betroffene Bevölkerung sie fordert, will Premier Ehud Olmert sich aus Furcht vor hohen Opferzahlen auf beiden Seiten nicht einlassen, und alle anderen Maßnahmen wie etwa die Wirtschaftssanktionen haben bisher kaum Wirkung gezeigt. Verbitterte Bewohner von Sderot blockierten Straßenkreuzungen und formierten sich Sonntagvormittag zu einem Protestkonvoi nach Jerusalem.

Zu Beginn einer Kabinettssitzung sagte Olmert aber, dass Israel bei seiner bisherigen Politik bleiben werde: „Der Zorn ist verständlich und natürlich, aber der Zorn ist kein Aktionsplan – wir müssen systematisch und geordnet über längere Zeit so handeln wie bisher.“ Auch mehrere von Olmerts Ministern forderten ein härteres Vorgehen gegen die Hamas. Olmert deutete an, dass ab jetzt nicht nur die Raketenwerferkommandos, sondern auch Hamas-Führer Ziele israelischer Luftschläge sein könnten: „Wir werden alle Terrorelemente erreichen und die, die sie losschicken – wir werden auf niemanden Rücksicht nehmen.“

Ohne Stopp der Raketenangriffe kein Frieden

Innenminister Meir Schitrit hatte im Radio sogar gefordert, man müsse Viertel in Gaza, aus denen Raketen abgeschossen werden, „ausradieren“. Außenministerin Zipi Livni sagte unterdessen im Hinblick auf die in Annapolis gestarteten Verhandlungen zwischen der Fatah und Israel, dass es keine Hoffnung für eine Zwei-Staaten-Lösung gebe, solange die Angriffe aus dem Gazastreifen fortdauerten.

Die Tageszeitung Ha’aretz berichtete gestern, die Frage des Umgangs mit Gaza habe am vergangenen Dienstag in Jerusalem beim Treffen zwischen Olmert und Außenministerin Ursula Plassnik zu einem „schroffen und sehr gespannten“ Dialog und zu einer „diplomatischen Verlegenheit“ geführt. Plassnik habe Olmert vorgehalten, dass die „Zivilsanktionen nur die Menschen in Gaza und nicht die Terrororganisationen treffen“ würden. Olmert habe „sarkastisch“ geantwortet und gesagt, Israel habe „nicht die Absicht, in Gaza eine humanitäre Krise auszulösen“. Unmittelbar nach dem Treffen hatte es in Plassniks Umfeld bloß geheißen, das Gespräch mit Olmert sei „ohne konkreten Inhalt“ gewesen. (Ben Segenreich aus Tel Aviv/DER STANDARD, Printausgabe, 11.2.2008)

  • Nach dem israelischen Luftangriff: Palästinenser bei den Trümmern einer Hamas-Basis im südlichen Gazastreifen. Der Druck auf Israels Premier Ehud Olmert, eine Großoffensive zu starten, wächst.
    foto: reuters/ibraheem abu mustafa

    Nach dem israelischen Luftangriff: Palästinenser bei den Trümmern einer Hamas-Basis im südlichen Gazastreifen. Der Druck auf Israels Premier Ehud Olmert, eine Großoffensive zu starten, wächst.

  • Hunderte Demonstranten aus der israelischen Stadt Sderot, die vom Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen besonders betroffen ist, forderten am Sonntag in Jerusalem eine Großoffensive der Armee gegen die Hamas, sie trugen dabei Teile von Kassamraketen mit sich. Am Wochenende waren vierzig Raketen in Südisrael niedergegangen. Israel antwortete mit Angriffen, ein Angehöriger der Hamas wurde getötet.
    foto: apa/epa/jim hollander

    Hunderte Demonstranten aus der israelischen Stadt Sderot, die vom Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen besonders betroffen ist, forderten am Sonntag in Jerusalem eine Großoffensive der Armee gegen die Hamas, sie trugen dabei Teile von Kassamraketen mit sich. Am Wochenende waren vierzig Raketen in Südisrael niedergegangen. Israel antwortete mit Angriffen, ein Angehöriger der Hamas wurde getötet.

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