"Dunkle Wolke" über dem sonnigen Spitz

Redaktion, 24. März 2008 19:35
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    Foto: gudrun springer

    „Er hätte die vergiftetet Praline auch jemand anderem geben können“, meint Trafikantin Kirstin Mahorka und ergänzt: „Die Betroffenheit ist in ganz Spitz spürbar.“

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    Brüder des Bürgermeisters wohnen ebenfalls im Ort. Einer von ihnen, Franz Hirtzberger, ist ein weltbekannter Weinbauer.

Als beliebt beschreiben die Spitzer ihren Bürgermeister - Niemand kann sich erklären, wer den Ortschef vergiftet haben könnte

Spitz an der Donau - Idyllisch in die Weinterrassen eingebettet liegt Spitz an der Donau. Von einem strahlend blauen Himmel lacht am Montag die Sonne auf die 2000-Einwohner-Gemeinde. Trotzdem sagt eine Einheimische seufzend: "Die Stimmung ist, als würde eine schwarze Wolke über Spitz schweben."

Seit Bürgermeister Hannes Hirtzberger am Samstag wegen der Vergiftung mit Strychnin ins Landesklinikum Krems eingeliefert wurde, stehen die Bewohner der Weinbaustadt in der Wachau unter Schock. Jeder hier kennt das Anschlagsopfer persönlich. Seine drei Brüder leben auch im Ort, einer von ihnen, Franz Hirtzberger, ist ein weltberühmter Weinbauer.

"Wie bei 'Soko Donau'"

"Ganz Spitz steht kopf", sagt Trafikantin Kirstin Mahorka. "Man glaubt immer, so etwas passiert nur woanders - wie bei ,Soko Donau' kommt es einem vor." Im Geschäft der 27-Jährigen sind an diesem Tag mehrere Zeitungen vergriffen. Jeder im Ort will wissen, was es über den mysteriösen Anschlag Neues gibt. "Er ist ein fairer Mensch und hat immer ein offenes Ohr", schwärmt Mahorka. Sie hofft, dass der Bürgermeister "keine bleibenden Schäden davonträgt." Gerade erst sei der Schwiegervater bei ihr im Geschäft gewesen. Er wisse auch nicht mehr, als dass der Zustand des Vaters zweier Kinder "stabil" sei.

Auch Alice Donabaum hofft, dass der "beliebte" 55-jährige Ortschef "mit einem blauen Auge davonkommt." Sie könne sich nicht vorstellen, dass ein Einheimischer hinter der Tat stecke. Dazu, dass eine Frau den Brief mit der vergifteten Praline hinterlassen haben könnte, meint die Winzerin: "Er ist bei Frauen nicht unbeliebt, weil er ein charmanter Mann ist, ein Gentleman."

Umweltschützer

Hirtzberger ist auch ein engagierter Umweltschützer, der sich als Vorsitzender des "Arbeitskreises Wachau" für den Schutz des Weltkulturerbes einsetzt. Ob ihm das Feinde eingebracht haben könnte? Erst am Donnerstag fand eine Sitzung zum mobilen Hochwasserschutz für Spitz statt. "Es gab keine gravierenden Meinungsverschiedenheiten", erzählt Paul Reiböck, Wirt vom Gasthaus zum Goldenen Schiff. Der 47-Jährige glaubt, dass die "extrem feige Tat" von jemandem begangen wurde, der Hirtzberger von seiner Tätigkeit als Anwalt in Krems kenne. Eine Vermutung, mit der er im Dorf nicht allein ist.

Die Polizei ermittelt jedenfalls in alle Richtungen. Montag früh waren die Kriminalbeamten auch im Gemeindeamt, wo noch diese Woche ein Stellvertreter für Hirtzberger gewählt werden soll. Häufiger als von der Polizei bekommt Amtsleiter Norbert Notz derzeit aber Besuch von Journalisten. Vor dem Haus dreht ein Kamerateam, in der Nähe parkt ein Übertragungswagen. "Mich hat gerade ein Fernsehteam angerufen, das meinte, es werde nun kommen und den Fall aufklären", sagt Notz und erlaubt sich ein kurzes Schmunzeln. (Gudrun Springer, DER STANDARD Printausgabe, 12.2.2008)

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holzdieb
18.02.2008 09:37

ich tipp auf 'eifersucht im swingermilieu`.
wie stehen die quoten?

Gusti Rentner
18.02.2008 18:44
Im Hinblick auf ein Vergiftungsopfer, das im Spital um sein Leben ringt, zu wetten, ist grausam.

Würde mich aber nicht wundern, wenn dies im Ernst jemand täte.

Hirnlos ist/sind der/die TäterInnen ja nicht vorgegangen:

Das Billett ist typisch für Damen, weist aber nur männliche DNA-Spuren auf.
Es ist so gestaltet, dass auf jeden Fall die als intakt geltende Familie sich hiedurch gestört erachten könnte, mit Streitigkeiten hatte das opfer aber eher beruflich zu tun, u.a. als Anwalt.

Durchaus denkbar, dass der Täterwille in mehrere Richtungen ging: 1./das Opfer zu zerstören, 2./ dessen Familie Leid zuzufüfen, 3./möglicherweise gezielt den Verdacht auf eine Person zu lenken, welche der/die TäterInnen im Gefängnis sehen will/wollen.

Eher nicht wetten, sondern der Polizei helfen !

Ravi Ravendro
12.02.2008 18:48
Man

muß ja nicht gleich ein politisches Motiv vermuten. Aber weshalb wird diese Möglichkeit nicht einmal in Betracht gezogen? Ist zB seine Parteizugehörigkeit ein Tabu, oder weshalb wurde das bisher in keinen Medien erwähnt?

Wachsamer Polizeihund Schnuffi
12.02.2008 12:36
Forensische Hergangsrekonstruktion

Im Zweifelsfalle entscheide man sich für das Richtige, empfahl schon der KrausKarl. Offenbar war sich der gutmeinende Bürgermeister angesichts des Pralinenkuverts nicht im Zweifel.

ebelt9hf
12.02.2008 10:19

Ich hätte nie eine Praline an meiner Windschutzscheibe gegessen...
Ich wünsche ihm auf jeden Fall gute Besserung.

Erisian Liberation Front
12.02.2008 14:33

Pralinen an Windschutzscheibe oder doch an Rückspiegel, das ist die Frage.
Ich nehme die Pralinen an Schokoladen Mousse.

Liam N.
12.02.2008 13:11
oooch...

ich hab von meiner Werkstatt mal ein kleines Sackerl mit Gummibärchen nach erfolgtem Service auf's Armaturenbrett bekommen...

Problem war nur, daß es Sommer war und sie leider keinen Strohhalm beigelegt haben - den hätt ich nämlich gebraucht um die Suppe schlürfen zu können ;)

Ferdinand Berger
12.02.2008 11:20
ja, auch ich habe...

...schon als kleines kind von meiner mutter mit auf den weg bekommen, dass man nichts essen soll was einem ein fremder gibt... wenn auf meinem auto eine schoko-praline liegt, dann wandert die in den müll, mir würde da nie einfallen diese zu essen...

Blixen
14.02.2008 14:38

na vielleicht hat ihm seine Freundin öfters Praline aufs Auto gelegt ...............................................

1000 Kopfläuse können nicht irren
12.02.2008 11:16
Obwohl...

... es wäre wohl schon ein witziger Anblick, wenn Sie Pralinen AN Ihrer Windschutzscheibe essen würden!
;)

Liam N.
12.02.2008 13:12
riskant oder?

es könnt ja auch der Rest vom Maikäfer sein, der noch an der Scheibe pickt... *brrr*

aber die Praline wär wenigstens schön knusprig *g*

yomellamo
12.02.2008 10:51

ich will aber, dass oesterreich ein land ist, wo man auch das bon-bon hinter der windschutzscheibe essen koennte ohne Angst haben zu muessen vergiftet zu werden.

ich will auch zb., dass ich mein fahrrad an irgendeinen masten ketten kann und wenn ich wiederkomme ist es immer noch da (samt reifen und sitz).

ich will, dass man in jeden Winkel oesterreichs gehen kann, sei er auch noch so verrufen und trotzdem wird man nicht einmal bloed angeredet.

... ich bin vielleicht naiv, aber ich will mich schon aus prinzip nicht bei allem was ich tu fuerchten. Denn genau dann verliere ich meine Freiheit.

SimplyRed
12.02.2008 14:37
Leider nur ein "GRÜN".

aereo
12.02.2008 13:00

Das wichtigste wäre -auch wenns diese Sachen gibt-sich nicht zu fürchten. Zumindest sollte das dein Beitrag zu einer angstfreien Gesellschaft sein. In abgeschwächter Form teile ich aber deine Wünsche.

Unbedenklichkeitsbescheinigung
12.02.2008 12:06

"... ich bin vielleicht naiv, aber ich will mich schon aus prinzip nicht bei allem was ich tu fuerchten. Denn genau dann verliere ich meine Freiheit. "

Sie brauchen sich ja nicht bei allem was Sie tun zu fürchten.

yomellamo
12.02.2008 12:48

... yep, .. tu ich auch nicht.

Und in demselben Sinne wird auch der Buergermeister das Bonbon gegessen haben. Und (zumindest) seine Freiheit nicht darueber nachzudenken ob er ein Bonbon von jemandem unbekannten isst oder lieber wegwirft oder von der polizei ueberpruefen laesst bevor er es isst ist ihm genommen worden.

m m 10
12.02.2008 11:36
ich will...

...mein fahrrad gar nicht anketten müssen..

aereo
12.02.2008 21:22

Die momentan 8 grünen Stricherln zeugen vom oft gefühlten Wunsch in einer guten Welt zu leben. Aber wir müssen alle was dazu tun. Wenns von Selber ginge müssten wir nicht darüber diskutieren.

Markus M.
12.02.2008 19:47
Ich waere ja schon froh,

wenn einem das im abgesperrten Keller angekettete Fahrrad nicht gefladert wird.

El Coyote
12.02.2008 19:43
so ist es, leider...

,dass man ständig den Boden scannen muss, um nicht in Hundescheisse zu treten
,dass man nicht in ein x-beliebiges Lokal gehen kann, weil man dort zum Mitrauchen gezwungen wird
,dass man nicht über einen Zebrastreifen gehen kann, ohne sein Leben aufs Spiel zu setzen
....

yomellamo
12.02.2008 12:49

... sie haben vollkommen recht. Ich hab in diesem Punkt offensichtlich schon einen Teil meiner Freiheit aufgegeben (aufgeben muessen).

Mad_Max86
 
12.02.2008 11:32
Es wäre sogar möglich

allerdings würden sie dabei ihre Freiheit verlieren, weil das nur durch totale Überwachung eines jeden Menschen in Österreich funktionieren könnte.

Oder es verschwinden auf einmal alle "Trotteln" aus Österreich, was ich eher für Unwahrscheinlich halte.

Silberprinzessin
12.02.2008 14:14

... weil dann wäre es in Österreich ziemlich leer!

yomellamo
12.02.2008 12:52

ich glaube das gegenteil ist der fall:

totale ueberwachung liefert uns ganz sicher nicht die totale sicherheit (und dadurch die totale freiheit)
In laendern mit totalueberwachung kann ich schliesslich mein fahrrad auch nicht einfach so unversperrt herumstehen lassen.

RebelAngel
 
12.02.2008 10:57
das mit dem Fahrrad

sollten sie zumindest in Wien nicht versuchen...

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