Imperativ zum Überschätzen

12. Februar 2008, 11:48
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Gertrud Höhler trug in Wien zur idealen Mitarbeiterführung vor - Der erste Schritt sei einfach, aber wirkungsvoll: "Ich vertraue Dir" aktiv aussprechen

Führungskräfte seien nicht dazu da, um ihre Mitarbeiter zu überwachen. Kontrolle sei gut, Vertrauen aber sehr viel besser. "Führung muss mit Vertrauen beginnen", das rät Gertrud Höhler den Unternehmensverantwortlichen in ihren zahlreichen Büchern und Vorträgen. Für die deutsche Buchautorin, Beraterin von Politikern und Literatur-Professorin ist eine entsprechende Vertrauenskultur der Schlüssel für die förderliche Zusammenarbeit und den Unternehmenserfolg.

Der Vertrauensvorschuss müsse von den Stärkeren ausgehen - von der Führungskraft auf die Mitarbeiter übertragen werden.

Der erste Schritt für eine förderliche Vertrauenskultur ist laut Höhler einfach und wirkungsvoll: Wenn Führungskräfte die Worte "Ich vertraue Dir" aktiv aussprechen, habe das bei den Mitarbeitern enorme Wirkung. Wer Vertrauen vom Chef im Vorhinein geschenkt bekommt, habe nicht das Gefühl, dass ein Schwert über den Kopf hängt. Mitarbeiter bemühen sich, sie wachsen, weil sie eben überschätzt würden.

Mitarbeiter-Spickzettel

Langfristig schaffe dieses Führungsverhalten Vertrauensbande innerhalb des Unternehmens. Tauchen Krisen auf, sei es in einem vertrauensvollen Umfeld möglich, Informationen anonym direkt an die Führungskraft weiterzugeben und nicht bei Ombudsstellen bloß abzulassen. "Viele Unternehmer begehen den Fehler, dass sie Menschen kontrollieren und nicht die Ergebnisse", so Höhler.

Führung hat für Höhler auch viel mit Ansporn zu tun. Mitarbeiter suchten im Chef die Vorbildfunktion.

Führungskräfte sollten ihren Vorsprung dazu nützen, um die Mitarbeiter mitzuziehen und ihnen Mut zu machen. Für die Praxis gelte: individuell auf die Mitarbeiter eingehen und sie kennenlernen. Persönlicher Arbeitskontakt sei besser als eine anonyme Belegschaftsversammlung. "Selbst in einem großen Unternehmen muss ich als Führungskraft meinen kleinen Spickzettel zu jedem einzelnen Mitarbeiter parat haben", rät Höhler. Das Wissen über die Familiensituation oder Schulbildung jedes einzelnen Mitarbeiters stärke Führungskräfte in ihrer Position und mache Mitarbeiter stolz.

Und: Belohnung

Gruppenerfolg soll sich in Belohnung widerspiegeln. "Die Mitarbeiter tragen den Firmenerfolg mit, wenn sie spüren, dass ihre Leistung belohnt wird", weiß Höhler. Die beliebtesten Benefits seien nach wie vor die traditionellen: Geld und Zeit. Besonders im Trend lägen Maßnahmen, die den Mitarbeitern Freiraum für die Familie schaffen - von der flexiblen Arbeitszeit zum Hausbauen oder der unternehmensinternen Förderung der Kinderbetreuung. Das Schlagwort heißt familienfreundliche Führungskultur. (Claudia Peintner, DER STANDARD, Printausgabe, 9./10.2.2008)

  • Gertrud Höhler: "Ergebnisse kontrollieren, nicht die Mitarbeiter."
    foto: standard/andy urban

    Gertrud Höhler: "Ergebnisse kontrollieren, nicht die Mitarbeiter."

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