Klage: Verkaufsstopp von Core 2 Duo gefordert

9. April 2008, 15:38
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Intel CPU soll Parallelisierungs-Patent verletzen - US-Universität hatte zuvor erfolglos mit dem Hardwarehersteller verhandelt

Intels Core 2 Duo verletzt ein Patent, das auf einer Entwicklung der University of Wisconsin at Madison (UW-Madison) beruht. So lautet der Vorwurf der Wisconsin Alumni Research Foundation (WARF) . Konkret geht es dabei um Parallelisierungs-Techniken im Bereich Instruction Level Parallelism (ILP), die der WARF zufolge ohne Lizenzierung im Core 2 Duo genutzt werden und deren Vorteile Intel auch "aggressiv vermarktet" habe.

Patent

Die WARF ist Inhaber des US-Patents 5.781.752 mit dem Titel "Table Based Data Speculation Circuit for Parallel Processing Computer". Die darin beschriebene Technologie setzt darauf, bei der Aufteilung von Rechenanfragen in mehrere Befehlsstränge die Abhängigkeiten einzelner Befehle zu berücksichtigen. Die Verarbeitung eines Stranges startet, bevor Ergebnisse anderer Operationen vorliegen. Dabei wird darauf spekuliert, dass entweder keine Daten von anderen Befehlssträngen benötigt werden oder diese rechtzeitig während des Rechenprozesses verfügbar werden. "Die Technologie verbessert die Möglichkeiten für die Parallelverarbeitung von Befehlen im modernen Prozessoren und steigert dadurch deren Ausführungsgeschwindigkeit", erklärt WART-Anwalt Michael Falk die praktische Bedeutung. Besonders wichtig ist das bei Multi-Core-Prozessoren wie eben dem Core 2 Duo, wo mehrere Rechenkerne parallel arbeiten.

Entwicklung

Die Entwicklung von UW-Madison-Professor Gurindar Sohi und drei weiteren Forschern wurde bereits im Jahr 1998 patentiert. Zu dieser Zeit haben weltweit verschiedene Gruppen an ILP-Techniken geforscht, meint Siegfried Benkner, Leiter des Instituts für Scientific Computing der Universität Wien gegenüber pressetext. "Früher wurden solche Techniken eher im Bereich Parallel Computing und High Performance Computing eingesetzt", meint Benker. Die ILP-Techniken folgen einem allgemeinen Trend, dass bisher eher in Randbereichen genutzte Technologien mit modernen Prozessoren auch den Massenmarkt erobern.

Klage

Vor diesem Hintergrund dürfte die in dieser Woche beim US District Court for the Western District of Wisconsin eingebrachte Klage zu sehen sein. Falk zufolge sei die WARF seit 2001 um eine legale Lizenzierung durch Intel bemüht gewesen, laut Klags-Unterlagen hatte Sohi bereits vor der Patentvergabe erste Gepräche mit Intel geführt. Da diese nicht von Erfolg gekrönt waren, fordert man nun einen Verkaufsstopp der CPUs. Entschädigungszahlungen durch Intel sollen der weiteren Forschung an der Universität zugute kommen. Ein Kommentar von Intel zur Klage steht noch aus. (pte)

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