Nonverbale Kommunikation ist erlernbar – Wer fließend Körpersprache spricht, tut sich beim Erklimmen der Karriereleiter leichter
"Man kann nicht nicht kommunizieren", sagte der vor kurzem verstorbene Wissenschafter Paul Watzlawick. Denn: Unser Körper spricht immer. Jede ausgeführte Bewegung impliziert auch eine Reaktion beim Empfänger. Gerade im Berufsleben kann die bewusste Wahrnehmung und korrekte Deutung der Körpersprache helfen, Situationen besser einzuschätzen und sich selbst vorteilhafter zu "verkaufen". Der richtige Einsatz von Mimik, Gestik, Haltung etc. transportiert Kompetenz und Selbstsicherheit. Wer fließend Körpersprache spricht, ist im Gegenzug in der Lage, Inkompetenz oder Unsicherheit zu erkennen.
Körper als Lügendetektor
Über 55 Prozent der Kommunikation läuft über die nonverbale Schiene ab, der verbale Anteil beträgt nur sieben Prozent. Das Verstehen der eigenen Gestik und die richtige Interpretation der von anderen ausgesendeten Signale spielen bei der Optimierung der beruflichen Chancen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Das beginnt schon beim Vorstellungsgespräch, wo der bleibende Eindruck entscheidend ist. Wichtig ist nicht nur, was man sagt, sondern wie es ankommt. Dabei fungiert der Körper als eine Art Lügendetektor. Diskrepanzen zwischen Sein und Schein werden anhand der körperlichen Botschaften evident. Wer genau hinsieht, kann die wahren Absichten seines Gegenübers durchschauen. Sympathie oder Antipathie bilden sich primär über die nonverbale Ebene.
Situationen "anders denken"
"Körpersprache ist teilweise erlernbar und teilweise angeboren", meint Brigitta Prochazka im Gespräch mit derStandard.at. Prochazka lehrt in Seminaren den Umgang mit diesem "Kommunikationsinstrument" und wie man beruflich davon profitiert. Körpersprache versteht sie als "Ausdruck der inneren Befindlichkeit". Deswegen bringe es nichts, konkrete Gesten einfach einzustudieren. Das wäre kontraproduktiv, da es künstlich wirke und die Authentizität darunter leiden würde, erklärt die Expertin. Viel mehr müsse man beim Erlernen "im Inneren ansetzen". Indem man eine Situation anders "denkt" oder "fühlt", lassen sich auch Bewegungsmuster steuern. In ihren Workshops gehe es darum, unbewusste Abläufe bewusst zu machen: "Wenn jemand zum Beispiel Riesenschritte macht, muss er das zuerst wissen, dann kann er es auch ohne Probleme ändern." Diese Korrekturen würden oft nur Kleinigkeiten wie etwa einen zu schwachen Händedruck oder hängende Schultern betreffen.
Ein allgemein gültiges Rezept oder so was wie die "perfekte" Körpersprache, an der sich jeder orientieren kann, gibt es nicht, betont Prochazka. Dennoch sollten im Berufsleben gewisse Verhaltensnormen internalisiert werden. Beim Blickkontakt beispielsweise darf der Gesprächspartner nicht "aufgespießt" werden. Permanenter Augenkontakt müsse nicht zwingend hergestellt werden. "Zwischendurch woanders hinschauen", sei erlaubt. Der Kopf soll generell nicht zu hoch angehoben werden, denn das signalisiere Arroganz. "Aufmerksamkeit schenken", laute die simple Devise. Ein freundlicher offener Blick stimme den Zuhörer normalerweise schon positiv.
Nicht "herumfuchteln"
Wie viel gestikulieren ist wünschenswert? "Die Hände unterstreichen und bebildern das Gesagte", erläutert Prochazka. "Wenn man anfängt zu überlegen, was man mit ihnen machen soll, dann wird es schon künstlich." Auf keinen Fall sollte "zu viel herumgefuchtelt" werden. Bei Besprechungen rät sie, die Hände "locker" auf den Tisch zu legen: "Wenn sie verdeckt sind, wirkt das bedrohlich." Hände in den Hosentaschen oder hinter dem Rücken werden als negativ empfunden.
Beim Abstandhalten sei wichtig, das Distanzbedürfnis von anderen Personen zu respektieren. Das absolute Minimum ist ein Zwischenraum von mindestens einer Armlänge, also rund einem Meter. Grundsätzlich gelte: "Je höher die Person in der Hierarchie steht, desto größer soll die Distanz sein." Wichtig sei natürlich auch, eine "gesunde Haltung" einzunehmen. Mit hängenden Schultern sollte man seinem Gesprächspartner nicht gegenübertreten. Beim Stehen müsse beachtet werden, dass sich beide Beine auf dem Boden befinden, quasi "geerdet" sind. Beim Interagieren mit Vorgesetzten rät Prochazka, seine Körpersprache anzupassen: "Man mag gerne, was einem ähnlich ist." Die Grundregel dabei sei "spiegeln, aber nicht nachäffen". (om, derStandard.at, 10.2.2008)