...als Grundlage von gefährlich stabilen Dreiecken gegen Deutschland - die Netzwerkanalyse
Die Analyse der drei wichtigsten Pässe im Spiel Österreich gegen Deutschland dokumentiert die Auswirkungen der veränderten Grundaufstellung auf Seiten der Österreicher. Im Vergleich zu den Partien im Vorjahr, wo durchgehend mit zwei Viererketten gespielt wurde, weist die Variante mit Dreierkette, zwei defensiven ("Doppelsechs") und zwei offensiven Mittelfeldspielern eine deutlich höhere Vertikalität in den Beziehungen auf.
War es bislang vor allem Stranzl, der dem Spiel nach vorne aus der Abwehr wesentliche Impulse gab, zeigt sich diesmal gerade an ihm eine signifikante Verschiebung in der Aufgabenverteilung: Gegen Deutschland erfüllte er die klassische Rolle des Ausputzers, während Prödl und Pogatetz die offensiven Akzente setzten. Auf Grundlage dieser doppelten Vertikalität konnten sich wie niemals zuvor gefährlich stabile Dreiecke bilden: Dasjenige zwischen Säumel, Fuchs und Ivanschitz markiert aufgrund seiner Geschlossenheit das auffälligste, für die Vielzahl an herausgespielten Chancen waren aber auch offene Varianten wie Fuchs-Ivanschitz-Harnik bzw. Säumel-Ivanschitz-Linz verantwortlich.
Die vitale Performance des linken Flügels Fuchs, der Westermann unter Druck setzte, findet sich in diesem komplexen Beziehungsgeflecht ebenso eingebettet wie die weniger auffällige, aber umso überragendere Leistung von Säumel. Die Zentralität von Ivanschitz konnte sich selten so überzeugend in die Spitzen übersetzen wie in der Kooperation mit der Doppelspitze Harnik-Linz. Der zeitweilig hohe Druck der Österreicher manifestiert sich im Netzwerk der Deutschen unter anderem in einer starken Ausprägung der Querverbindungen in der Viererkette. Deutschland hatte insgesamt deutlich mehr Ballbesitz, konnte diesen aber lange Zeit bestenfalls verwalten.
Bei den Stürmern fällt auf, dass Kuranyi von seinen Kollegen weitaus öfter angespielt wurde als Klose, was als Indiz für die Deckungsleistung von Stranzl gewertet werden kann. (DER STANDARD Printausgabe 8. Februar 2008)
DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE
1. Ivanschitz-Harnik 12
2. Fuchs-Säumel 11
3. Standfest-Harnik 10
3. Ivanschitz-Fuchs 10
5. Säumel-Linz 8
5. Pogatetz-Fuchs 8
5. Prödl-Harnik 8
5. Manninger-Harnik 8
9. Aufhauser-Harnik 7
9. Säumel-Ivanschitz 7
9. Harnik-Standfest 7
9. Harnik-Linz 7
9. Harnik-Ivanschitz 7
14. Standfest-Ivanschitz 6
14. Pogatetz-Aufhauser 6
14. Säumel-Pogatetz 6
AM ÖFTESTEN ANGESPIELT
1. Harnik 63
2. Ivanschitz 43
3. Fuchs 39
3. Linz 33
5. Säumel 30
6. Aufhauser 28
7. Standfest 25
8. Pogatetz 18
GABEN DIE MEISTEN PÄSSE
1. Säumel 40
2. Ivanschitz 38
3. Pogatetz 33
3. Fuchs 33
3. Aufhauser 33
6. Harnik 31
7. Standfest 28
8. Manninger 21
8. Prödl 21
10. Stranzl 17
11. Linz 15
12. Prager 6
12. Kavlak 6
SCHLÜSSELSPIELER*
1. Harnik 94
2. Ivanschitz 81
3. Fuchs 72
4. Säumel 70
5. Aufhauser 61
6. Standfest 53
7. Pogatetz 51
8. Linz 48
9. Manninger 30
10. Prödl 28
11. Stranzl 23
12. Kavlak 15
13. Kienast 14
*Gegebene und angenommene Pässe
ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT
1. Kavlak 100,00 ( 6 von 6)
2. Stranzl 88,24 (15 von 17)
3. Säumel 87,50 (35 von 40)
4. Linz 80,00 (12 von 15)
5. Aufhauser 78,79 (26 von 33)
6. Kienast 75,00 ( 3 von 4)
7. Fuchs 72,73 (24 von 33)
8. Pogatetz 69,70 (23 von 33)
9. Prager 66,67 ( 4 von 6)
10. Ivanschitz 63,16 (24 von 38)
11. Prödl 61,90 (13 von 21)
12. Standfest 57,14 (16 von 28)
13. Harnik 51,61 (16 von 31)
TEAMANTEIL ERFOLGREICHER PÄSSE
1. Säumel 15,42
2. Aufhauser 11,45
3. Fuchs 10,57
3. Ivanschitz 10,57
5. Pogatetz 10,13
6. Standfest 7,05
6. Harnik 7,05
8. Stranzl 6,61
9. Prödl 5,73
10. Linz 5,29
Der Ansatz
Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet. In der Grafik sind die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern jedes Spielers zu sehen. Die Größen der Kreise (rot: Startelf; orange: Eingewechselte) verdeutlichen die Summe der angekommenen und abgegebenen Pässe.
Die Analytiker
FAS.research, in Wien und San Francisco ansässig und schon bei der WM 2006 in Deutschland im Einsatz, beobachtet exklusiv für den Standard die Länderspiele der österreichischen Nationalmannschaft.
Team: Ruth Pfosser, Harald Katzmair und Helmut Neundlinger
Link:
fas.at